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„Mit Leib und Seele dabei“ Schauspieler Klaus Fischer steht seit 50 Jahren auf der Bühne – Wiederaufnahme von „Groupie“

Von Christine Adam | 30.09.2011, 11:57 Uhr

„Wir sind noch mit Leib und Seele dabei“, sagen Klaus und Rosemarie Fischer, die in diesem Herbst seit 25 Jahren als Schauspieler auf den Brettern des Theaters Osnabrück spielen.

Dem Ehepaar, beide sind jenseits der 70 Jahre, macht sein Beruf immer noch Spaß, trotz aller Unwägbarkeiten, dem Ärger manchmal auch mit den Regisseuren.

Doch dann kommt für Klaus Fischer der erfüllende Moment: Endlich allein sein auf der Bühne mit der Rolle, der Geschichte und der Sprache. Die Sprache war dem Paar stets ein wichtiges Motiv für den Bühnenberuf. „Für mich als gebürtiger Sachse war es besonders teuer, die hochdeutsche Sprache zu erlernen“, sagt Klaus Fischer lachend. Und auch seine Frau, aus Schleswig stammend, hatte Mühe damit, sich manchen norddeutschen Tonfall abzugewöhnen. Das ist nun ein halbes Jahrhundert her: Rosemarie steht seit 52 Jahren auf deutschen Bühnen, Klaus in diesem Monat seit 50 Jahren.

Doch davor gab es mal die Mauer, auch zwischen ihren Lebensläufen, bevor sie sich in Hamburg kennenlernten und 1963 heirateten. Ihre Mutter arbeitete am Theater Schleswig. Die kleine Rosemarie schlich sich in die Proben – und beschloss, Schauspielerin zu werden. Schleswig brachte damals große Talente hervor, erzählt sie: Thomas Holtzmann, Peter Fitz oder Elisabeth Schwarzkopf. Beide sprachen erfolgreich bei der berühmten Intendantin Ida Ehre vor, Rosemarie bekam ein Engagement an deren Hamburger Kammerspielen, Klaus ein Stipendium für eine Ausbildung zum Schauspieler.

Zuvor jedoch hatte sich Klaus aus seiner DDR-Heimatstadt Chemnitz-Rotluff aufgemacht, um als Bühnentechniker und Balletteleve in Berlin und Halle Tritt zu fassen. Die Republikflucht griff damals im Theater um sich, und auch Fischer machte mit 19 Jahren nach Hamburg rüber. Dort avancierte er zum Bühnenmeister. Zwei Jahre später verließen seine Eltern die DDR und setzten sich für ein erstes Engagement ihres Sohns im Theater Memmingen ein.

Zwölf Jahre verbrachten beide als Schauspieler am Theater Hildesheim. Doch als inhaltlich die reichsten Jahre bezeichnen beide die vier Jahre unter Oberspielleiter Goswin Moniac und Intendant Erdmut C. August in Osnabrück mit vielen Uraufführungen deutscher Stücke.

„Ich bin ein aufbrausender Mensch“, sagt Klaus Fischer von sich – umso mehr erstaunt ihn selbst, wie „fantastisch“ reibungslos er mit dem Leitungsteam der Ära Norbert Hilchenbachs ausgekommen ist. Ob als Dorfrichter Adam in Kleists „Der zerbrochene Krug“ oder als Vater in Vinterberg/Rukows „Das Fest“, stets verlieh er gewichtigen Figuren ein ganz eigenes, unverwechselbares Charisma.

Aus der Ära Schultze ist Klaus als kauziger Künstler Mark Gormann in Erinnerung und Rosemarie als sein hinreißend bodenständiger, unbeirrbarer Fan. Arnold Weskers „Groupie“ wird am 1. Oktober denn auch in den Spielplan Ralf Waldschmidts übernommen. Wie auch am 15. November Dietmar Nieders Beckett-Inszenierung von „Das letzte Band“ mit Klaus Fischer als Krapp.

Wichtiger als Stücke oder Autoren sind beiden gute Regisseure. Dann muss die Rolle auch nicht groß sein, finden sie. Hocherfreut sind sie übrigens darüber, dass Ralf Waldschmidt sogleich an ihrer künstlerischen Mitarbeit interessiert war. Sie probt gerade für die Komödie „Pension Schöller“, er wird ab Januar in Brechts „Das Leben des Galilei“ mit von der Partie sein.

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