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Mit Keule am Auge getroffen Duell zweier Rollenspieler vorm Landgericht Osnabrück

Von Thomas Wübker | 11.12.2015, 08:30 Uhr

Es war einmal am 20. April 2013. Da trafen auf einem Feld bei Gehrde böse Räuber auf magische Zwerge und edle Ritter. Einer der finsteren Gesellen traf einen der Edelmänner mit seiner Schaumstoff-Keule am Auge. Aus dem Rollenspiel wurde plötzlich Ernst.

Der Verletzte, ein Mann aus Emden, büßte 45 Prozent seiner Sehkraft auf dem linken Auge ein und verlangte Schmerzensgeld in Höhe von 40.000 Euro sowie einen Verdienstausfall von etwa 2450 Euro. Am Donnerstag trafen der böse Räuber und der Ritter aus dem „Live Action Role Playing“ (LARP) genannten Rollenspiel im Saal 9 des Landgerichts wieder aufeinander.

Auf dem Ferienhof Groneik bei Gehrde hat sich am 20. April 2013 eine Schar von Rollenspielern eingefunden , um eine mittelalterliche Geschichte als eine Art „Improvisationstheater“ zu spielen, wie der Kläger vor Gericht erzählte. Dabei ist es zu der „gespielten Keilerei“ gekommen, bei dem der Mann aus Emden am Auge verletzt wurde. Dies geschah bei dem besagten Kampf Gut gegen Böse.

Treffer am Kopf

Eine Gruppe Räuber, zu denen der damals 15-jährige Beklagte gehörte, griff eine andere Gruppe an, in der sich der Emdener befand. Beide trafen im Kampfgetümmel aufeinander. Dabei wurde der Ritter so unglücklich am Kopf getroffen, dass ihm sofort schwarz vor Augen wurde. Den Treffer habe er wie ein Schlag mit einer Eisenstange empfunden, sagte der Emdener vor Gericht. Später sah er ein Flimmern vor seinem inneren Auge, dass nicht mehr aufhörte.

Waffen mit Schaumstoff umwickelt

Der Räuber sagte dagegen, er wisse nicht, ob er den Schlag überhaupt ausgeführt habe oder der Ritter von jemand anderes getroffen wurde. Der Geschäftsführer der Firma, die das Rollenspiel in Gehrde durchgeführt hat, sagte vor Gericht aus, der Beklagte habe ihm unmittelbar nach dem Gefecht erzählt, er habe den Verletzten getroffen, es aber nicht aus Absicht getan. Vor der Veranstaltung seien alle Teilnehmer schriftlich und mündlich darauf hingewiesen worden, Schläge gegen den Kopf- und Genitalbereich zu vermeiden. Alle Teilnehmer sagten jedoch vor Gericht, dass es solche Treffer immer mal geben würde. Außerdem würden alle Waffen mit Schaumstoff umwickelt und einer Kontrolle unterzogen, die jedoch freiwillig sei, so der Geschäftsführer. Der vermeintliche Schläger konnte aber nach dem Unfall weiter an dem Rollenspiel teilnehmen, da kein Regelverstoß festgestellt wurde, wie er in seiner Aussage darlegte.

Lokführer büßt Sehkraft ein

Für den Emdener hat die Teilnahme an dem Rollenspiel in der Realität ernsthafte Konsequenzen. Er ist Lokführer bei der Nord-West-Bahn. Seinen Beruf konnte er nach dem Unfall zunächst nicht ausüben. Vom Amtsarzt sei festgestellt worden, dass er auf dem linken Auge nur noch 55 Prozent Sehkraft besitzt, berichtete er. Er sagte zudem, dass Lokführer bei der NWB über 50 mindestens Prozent Sehkraft verfügen müssten. Der Emdener weiß aber nicht, ob er in der Zukunft weiterhin als Lokführer tätig sein kann, da es möglich sei, dass sich der Zustand seines Auges verschlechtere und in zwei Jahren ein anderes Unternehmen die NWB übernehme und dann eine andere Norm für die Sehkraft der Lokführer gelte.

Eine Entscheidung soll am 28. Januar 2016 fallen. Der Richter setzte den Termin für 14.30 Uhr im Saal 9 im Landgericht an ( Weiterlesen: Weitere Berichte aus den Gerichtssälen der Region ).