Ein Artikel der Redaktion

Mit jeder Menge Energie Piepenbrock-Kunstförderpreis: Ausstellung im Schloss

Von Dr. Stefan Lüddemann | 08.08.2013, 19:04 Uhr

Nur eine Kunstausstellung zum Festakt? Nein. Mit Bildern und Plastiken von 16 Preisträgern des Piepenbrock-Kunstförderpreises wird Maria-Theresia Piepenbrock, Initiatorin und Stifterin des Preises, geehrt. Zugleich belegt die Schau, wie viel künstlerische Energie dieser Preis freisetzen hilft.

Und nicht nur das. Die nur für drei Tage zugängliche Ausstellung im Foyer des Schlosses, Hauptsitz der Universität Osnabrück, führt auch mustergültig die Leistungsfähigkeit des Fachgebietes Kunst der Universität vor. Das Fachgebiet bildet vor allem Kunstpädagogen aus. Viele der Absolventen haben sich aber auch als freie Künstler durchsetzen können – ein Erfolg, den seit der ersten Auslobung des Preises 1994 Lehrende wie Rainer Hagl , Elke Hergert , Rainer Mordmüller , Thomas Rohrmann , Peter Steineke , Claude Wunschik und andere mit erarbeitet haben.

Der Piepenbrock-Kunstförderpreis taktet nun seit fast zwei Jahrzehnten das Studienjahr im Fachgebiet. Denn zum Juryrundgang verwandeln Studierende und Lehrende die Werkräume und Ateliers in Ausstellungssäle. Das Fachgebiet avanciert zur Galerie, die präsentiert, was Studierende in allen erdenklichen künstlerischen Techniken und Genres von Malerei bis Bildhauerei, von Typografie, Grafik und Fotografie bis hin zur Installation neu erarbeitet haben. Der Förderpreis schafft spürbaren Leistungsanreiz, und er bietet einem ganzen Fachgebiet den besten Anlass dafür, die eigenen Leistungen zu präsentieren und damit auch zur Diskussion zu stellen. Der Piepenbrock-Förderpreis fordert heraus – und er markiert ein wichtiges Kulturdatum in der Stadt Osnabrück.

Die Ausstellung versammelt jetzt Arbeiten von Isabel Glaba, Angela Große, Mona Hakimi-Schüler, Christine Haller, Susanne Heitmann, Margret Hemme, Jörg Kujawa, Theo Neier, Corinna Mund, Arsentij Pawlow, Jens Raddatz, Bernd Rüsel, Margit Rusert, Julia Siegmund, Marion Tischler und Christine Wamhof. Die Liste kann als Zeitreise anhand von Personen gelesen werden, denn sie umfasst Preisträger aus vielen Jahrgängen. Immerhin 93 Kunstförderpreise sind bis heute vergeben worden. Nun sehen wir Werke von Marion Tischler und Christine Haller, die 1994 zu ersten Ausgezeichneten gehörten. Mit dabei natürlich auch Corinna Mund, die gleich vier Preise einstreichen konnte – so viel wie kein anderer Preisträger.

Alle 16 ausgestellten Preisträgerinnen und Preisträger können komplette Ausstellungsbiografien vorweisen. Die Ausstellung bestätigt diesen statistischen Befund. Denn die Präsentation bringt kraftvoll individuelle Positionen zusammen. Das gilt für das aus Weidenholz geschichtete Objekt „Schatten der Gesten“ von Christine Haller ebenso wie Margit Ruserts „wer weiß, wohin“, eine Medienfrottage auf Holzskulptur – um nur zwei Beispiele aus der Bildhauerei zu nennen. Nicht weniger gewichtig fallen die Beiträge der Malerei aus. Marion Tischler ist mit komplex geschachtelten Raumgefügen präsent, Bernd Rüsel mit Frauenfiguren zwischen Selbstbewusstsein und Verträumtheit.

Die Ausstellung unterstreicht Ambition und Zeitgenossenschaft dieser Kunst „made in Osnabrück“. Vor allem belegt sie, dass der Piepenbrock-Förderpreis immer wieder herausgefordert hat. Die Ergebnisse sprechen eine beredte Sprache. Die Stifterin Maria-Theresia Piepenbrock wird am heutigen Freitag in der Aula des Schlosses mit einer Hommage geehrt .

Osnabrück, Schloss, Neuer Graben: Hommage für Maria-Theresia Piepenbrock. Ausstellung mit Preisträgern des Kunstförderpreises. Samstag, 10. August, bis Montag, 12. August, 11–15 Uhr.