Ein Artikel der Redaktion

Mehr Platz für Räder, weniger für Autos Stadt Osnabrück will jeden Dritten aufs Rad kriegen

Von Jörg Sanders | 01.04.2016, 13:43 Uhr

Die Stadt Osnabrück will bis 2030 jeden dritten Verkehrsteilnehmer auf das Fahrrad bekommen. Das ist ein Ziel des weiterentwickelten Radverkehrsplans. Dessen Umsetzung verzögert sich allerdings.

Ursprünglich sollte der Rat der Stadt den neuen Radverkehrsplan im Sommer verabschieden. Der Zeitplan sei nicht zu halten, sagt Osnabrücks Radbeauftragte Ulla Bauer, etwa wegen eines längeren Abstimmungsbedarfs.

Nun vom Stadtentwicklungsausschuss beschlossen ist aber die Grundlage zu den Zielen und der strategischen Ausrichtung des Radverkehrsplans für die kommenden zehn Jahre. „Sie gibt eine klare Richtung vor“, sagt Bauer. Das Maßnahmenpaket soll der Runde Tisch Radverkehr bis zur Sommerpause diskutiert haben. Danach soll der Plan in die Politik eingebracht werden. Unklar ist, ob der Rat den Radverkehrsplan noch vor der Kommunalwahl verabschieden wird. Die Grundlage mit zahlreichen Aspekten wie Tempo 30 für den motorisierten Verkehr, mehr Fahrradstraßen und Shared-Space-Bereichen würden Verkehr in Osnabrück verändern.

Die Ziele:

  • Radverkehrsanteil: Die Stadt will den Anteil der Radfahrer am Osnabrücker Verkehr bis zum Jahr 2030 auf 30 Prozent steigern. Derzeit liegt der Anteil der Radfahrer in Osnabrück bei schätzungsweise 11 bis 13 Prozent, bundesweit bei 10 Prozent. Primär die Autofahrer sollen ihr Auto stehen lassen, damit die 30 Prozent in Osnabrück erreicht werden. Zugleich sollen der ÖPNV wie auch Fußgänger nicht unter der wachsenden Zahl der Radfahrern leiden.
  • Radverkehrsunfälle: Die Stadt will die Zahl der Radunfälle trotz steigender Radnutzung verringern. „Von 2012 auf 2014 erfolgte eine Zunahme um fast 20 Prozent! Dem muss entgegengewirkt werden“, heißt es in der beschlossenen Vorlage.
  • Konsens „pro Radverkehrs“: Das Fahrrad soll als umweltgerechtes und stadtverträgliches Verkehrsmittel positiv in der Stadt verankert werden, „da die weitere Förderung des Radverkehrs ohne Einschränkungen für den Kraftfahrzeugverkehr nicht erreichbar sein wird“, heißt es in der Vorlage. Kurzum: Die Stadt will das Image des Radfahrens fördern, und Autofahrer müssen sich auf für sie manch unliebsame Änderung zugunsten der Radfahrer einstellen.

Um diese Ziele zu erreichen, sieht die Verwaltung folgende Handlungsfelder und Maßnahmenpakete:

Die Maßnahmen:

  • Radverkehrsnetz: Um mehr Menschen auf das Fahrrad zu bekommen, braucht es aus Sicht der Verwaltung ein „hierarchisch gestuftes Netz mit einer guten Erschließungsqualität“, heißt es in der Vorlage. Abseits der Hauptstrecken (für Autofahrer) soll es künftig Alternativrouten geben. Dabei soll der Umweg auf den Faktor 1,2 begrenzt werden. Konkret bedeutet das: Alternative Routen sollen die Stadtteile mit der Innenstadt verbinden, parallele Routen zum Wall sind vorgesehen, und auch Radschnellwege ins Umland könnten entstehen.
  • Strecken: Die Radwege sollen so ausgebaut werden, sodass sie schnell und komfortabel ans Ziel führen. Dabei soll der Radverkehr in Konkurrenzsituationen begünstigt werden. Bedeutet: Für etwa einen breiten Radweg muss der Platz für Autofahrer gegebenenfalls verringert werden. Mehr Fahrradstraßen soll es geben. Der motorisierte Verkehr könnte im „Mischverkehr“ auf 30 Stundenkilometer begrenzt werden. Im Bereich der Stadtteilzentren sollen verkehrsberuhigte Zonen oder Shared-Space-Bereiche entstehen. Auch hier gilt: Diese und weitere Maßnahmen dürfen den ÖPNV nicht belasten.
  • Knotenpunkte: An wichtigen Knotenpunkten soll der Ausbau der aufgeweiteten Radaufstellstreifen (ARAS) voranschreiten. In den vergangenen Jahren richtete die Stadt bereits eine Vielzahl dieser roten Zonen an Ampeln vor dem motorisierten Verkehr ein. Sie verhindern, dass Auto-, Bus- und Lkw-Fahrer Radler übersehen. Diese sollen eigene Grünphasen kriegen, um Abbiegeunfällen vorzubeugen.
  • Infrastruktur und Service: Radfahrer sollen mehr Möglichkeiten bekommen, ihr Rad sicher abstellen. Rad- und Busverkehr sollen möglichst komfortabel verknüpft werden. Ferner will die Stadt ein Fahrradverleihsystem inklusive Lastenräder etablieren. Und es soll „Komfortangebote“ geben, etwa Ampelgriffe, Fußstützen und schräge Mülleimer, wie es sie schon seit vielen Jahren in den Niederlanden gibt.
  • Fahrradkultur: Damit sich der Radfahrer als gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer fühlt, will die Verwaltung ein entsprechendes Klima schaffen. Imagekampagnen sollen die Akzeptanz des Radverkehrs stärken und das Sicherheitsgefühl verbessern.

So geht es weiter: Im nächsten Schritt gehe es nun darum, die Maßnahmen zu verorten und das Radverkehrsnetz zu planen, sagt Bauer. Dazu zählen etwa konkrete Alternativrouten zum Wall. Ein Planungsbüro soll konkrete Maßnahmenvorschläge erarbeiten. Erst dann sei es möglich, über Kosten zu sprechen, sagt Bauer. Fest steht nun aber schon: Die Umsetzung der Maßnahmen ist stets von der finanziellen Lage der Stadt abhängig. In der Haushaltsplanung für die Jahre 2016 bis 2020 sind aber bereits jährlich 250.000 Euro für den investiven Bereich (etwa Radwegebau) vorgesehen, weitere 120.000 Euro im konsumtiven Bereich (etwa Erhalt). Für die Öffentlichkeitsarbeit sind 2016 46.400 Euro vorgesehen, im kommenden Jahr 27.400 Euro.

Das Ziel, den Radverkehrsanteil auf 30 Prozent zu erhöhen, ist ambitioniert. Der nationale Radverkehrsplan des Bundes hat bis 2020 lediglich 15 Prozent als Ziel.

TEASER-FOTO: