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„Manches lässt sich kompensieren“ Ameos-Klinikum Osnabrück: Der Streik reißt Lücken

Von Rainer Lahmann-Lammert | 29.06.2016, 11:11 Uhr

Der Streik im Ameos-Klinikum reißt Lücken in die Versorgung auf den Stationen. Durch eine „kluge Vertretungsregelung“ lasse sich aber manches kompensieren, sagt Pflegedirektor Manfred Timm.

Vor sechs Wochen sind Mitarbeiter des Ameos-Klinikums in einen unbefristeten Streik getreten, nachdem die Verhandlungen mit dem Schweizer Klinikkonzern gescheitert waren. Die Gewerkschaft Verdi fordert die Wiedereinsetzung des Haustarifvertrages und einen verlängerten Kündigungsschutz, außerdem die Begrenzung von Leiharbeit und Werkverträgen.

In Hildesheim, wo ebenfalls ein Ameos-Klinikum bestreikt wird, sollen zwei Pflegekräfte gekündigt worden sein, bislang nur mündlich, wie Verdi-Sekretärin Christine Meier vermerkt. Sie vermutet, dass die Klinikleitung die Streikenden mit einer Zermürbungstaktik zur Aufgabe bewegen will.

Kino und Fitness-Center

Bei einer Kundgebung in Hildesheim erklärte die Gewerkschaftssekretärin vor einigen Tagen, der Streik führe zu einem deutlichen Rückgang der Belegungszahlen, weil viele Therapieangebote nicht mehr aufrechterhalten werden könnten. In Osnabrück seien Patienten schon mit Gutscheinen für Kino und Fitness-Center versorgt worden, um sie im Haus zu halten.

Pflegedirektor Manfred Timm bestreitet das. Ein Streik führe immer zu Einschnitten, erklärte er auf Anfrage unserer Redaktion. Aber die Gewerkschaft versuche, mit haltlosen Behauptungen das therapeutische Angebot zu diskreditieren. Dabei würden die Standardtherapien weiterhin angeboten, und dazu gehörten psychotherapeutische Einzelgespräche und psychologische Gruppenangebote. So würden Menschen mit Angststörungen ins Kino begleitet, und Suchtpatienten werde körperliche Betätigung angeboten, etwa im Fitness-Studio.

Keine Kündigungen

Ebenso selbstverständlich sei es, mit geistig behinderten Menschen in den Zoo oder mit depressiven Patienten einkaufen zu gehen. Mit dem Streik habe das aber nichts zu tun. Angebote wie Ergotherapie müssten zwar eingeschränkt werden, sie fänden aber zeitlich reduziert statt. Für viele Patienten sei eine Tagesstruktur wichtig und deshalb werde auch an solchen Angeboten festgehalten, hielt Timm fest.

Zu möglichen Entlassungen von Pflegekräften in Hildesheim könne er nichts sagen, erklärte der Pflegedienstleiter auf Anfrage unserer Redaktion. In Osnabrück habe es aber definitiv keine Kündigungen gegeben.

Ihre Solidarität mit den Streikenden haben Politiker der Grünen und der Linken bekundet. „Die Privatisierung des Landeskrankenhauses durch die damalige schwarz-gelbe Landesregierung war ein Riesenfehler“, erklärte der Grüne-Landtagsabgeordnete Volker Bajus bei einem Besuch im Streikzelt. Statt des Patientenwohls stehe nun der Gewinn im Zentrum der Unternehmensstrategie. Beim Streik gehe es um fairen Lohn und sichere Arbeitsplätze als Gegenleistung für gute Arbeit. Der Ameos-Gruppe warf er vor, Millionengewinne einzustreichen und durch eine fragwürdige Personalpolitik die Daseinsvorsorge zu gefährden.