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Mäh statt mähen Ziegen gärtnern im Botanischen Garten von Osnabrück

Von Andrea Pärschke, Andrea Pärschke | 16.06.2016, 20:54 Uhr

Die gärtnerischen Anforderungen waren hoch: Gemeistert wurden sie schließlich von einer Herde Ziegen, die in den vergangenen Wochen im Botanischen Garten der Uni Osnabrück weideten. Dafür war das Areal rund um die Kalksteine abgesperrt.

Einen geschickten Gärtner, radikal im Schnitt, nicht zimperlich, nicht wählerisch und vor allem: trittsicher. Die Liste der Anforderungen, die Ulrich Rösemann an seine neuen Mitarbeiter gestellt hat, war lang. Und doch wurde er fündig: Seine Wahl fiel schließlich auf ein paar Ziegen, die sich in den vergangenen Wochen den besonders naturnahen Teil des Botanischen Gartens vornahmen. Dabei kürzten sie Spontanvegetationen radikal und reduzierten den Gehölzaufwuchs. Überrascht ist Rösemann von der Qualität der Arbeit nicht. „Es ist ja gang und gäbe Schafe in naturnahen Gebieten einzusetzen“, berichtet er. Seine Entscheidung hatte er Ende des vergangenen Jahres daher mit Schäfer Ludger Weiligmann besprochen. Der riet allerdings von den weißen, wolligen Gärtnern ab. Denn das Gelände am ehemaligen Steinbruch ist steil und eng. Schafe wissen dann manchmal weder vor noch zurück. Ziegen seien da deutlich trittsicherer unterwegs.

Sorgfältige Esser

Und tatsächlich sind auch Ziegen bestens geeignet, um Rösemanns Plan umzusetzen. Denn genau wie ihre puscheligen Verwandten sind sie sorgfältige Esser „Besonders gerne mögen sie junge Gehölzer“, berichtet der technische Leiter. Ahorne, Birken und Eichen, die erst wenige Monate oder Jahre alt sind. Ulrich Rösemann und sein Team haben sich an ihnen in den vergangenen Jahren schon vergeblich abgemüht. Die großen Bäume säten immer wieder neu aus, auf der Lichtung begannen die Samen dann zu sprießen. „Es sieht beinahe so aus, wie eine Rasenfläche“, erläutert der technische Leiter die Beschaffenheit des Bodens – nur das dort keine Grashalme, sondern lauter kleine Bäume wachsen. Und zwar in einer Menge, die „die besonders schützenswerte Pflanzengesellschaft“ des ehemaligen Steinbruchs verdrängt – etwa die Kalktrockenrasenpflanzen. Deshalb versuchten die Verantwortlichen, die jungen Bäume schnellst möglich aus der Erde zu ziehen. Doch es waren zu viele. Schließlich wurden die älteren Pflanzen mit Heckenscheren bearbeitet. Der Kurzschnitt ließ die Bäume allerdings nur immer buschiger werden.

Motivation bremsen

Erst die Vierbeiner brachten schließlich die Lösung. „Sie gehen sehr rabiat vor“, schildert Ulrich Rösemann – durchaus zufrieden. Die jungen Triebe wurden vom Blatt bis zur Wurzelspitze gefressen. Bei den älteren Gehölzen knabberten die Tiere die Rinde ab. Waren die Bäumchen zu hoch, bauten sich die Gehörnten sogar gegenseitig Räuberleitern – natürlich auf ziegenart. Doch Schäfer Ludger Weiligmann musste der Motivation seiner Schützlinge auch bremsen. Das schaffte er durch ein waches Auge und einen Elektrozaun. „Die Tiere hätten wahrscheinlich auch die Pflanzen gefressen, die wir hier erhalten und schützen wollen“, vermutet Rösemann schmunzelnd.

Mittlerweile sind die Ziegen weitergezogen und auch der hintere Teil des Botanischen Gartens ist wieder geöffnet. Zumindest bis zum Herbst. Denn dann kommen die Vierbeiner wieder.