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Loblied auf die Freundschaft „Das Dschungelbuch“ als Musical in der Osnabrück-Halle

Von Matthias Liedtke, Matthias Liedtke | 04.12.2017, 18:00 Uhr

Als kurzweiligen Musical-Spaß für die ganze Familie brachte das Bochumer Wandertheater Liberi Rudyard Kiplings Kinderbuch-Klassiker „Das Dschungelbuch“ am Ersten Advent auf die Bühne der nahezu ausverkauften Osnabrück-Halle.

Dabei brauchte es eine gute Viertelstunde, bis Stefan Peters als Bär Balu den pädagogischen Knoten mit brummiger Stimme und geschmeidigen Tanzeinlagen bärenstark zum Platzen bringen ließ. Zuvor sah und hörte man das von Brix Schaumburg etwas zu groß verkörperte Menschenkind Mogli auf der Suche sich selbst und seinem Platz in der Dschungelwelt zwischen Wolfsrudel, Affenbande und tierischen Freunden. Dass die das Wichtigste sind, wurde am Ende buchstäblich jedem Kind klar, als das sechsköpfige Ensemble nach knapp zwei Stunden ein finales Loblied auf die Freundschaft anstimmte, nachdem zuvor bereits mit „Das Dschungelbuch“ als Musical in der Osnabrück-Halle „Hast du Freunde, hast du Party“ versichert worden war, dass Freunde das „beste“ und das „tollste“ sind und man selbst ohne sie nichts.

Falsche Schlange und böser Tiger

Im konkreten Dschungelfall sind es neben dem gemütlichen Tanzbär der Panther Baghira und auch ein Menschenmädchen, die Mogli auf diese Weise die Frage nach seiner Identität beantworten und ihn davor bewahren, von der falschen Schlange Kaa buchstäblich eingewickelt oder vom bösen Tiger Shir Khan aufgefressen zu werden. Just in dem Moment, als er den Glauben an die Freundschaft verloren zu haben schien und beschließt, doch lieber allein zu sein, springen ihm außerdem zwei Geier bei, die ihn aufzumuntern versuchen, indem sie versprechen, immer für ihn da zu sein. So wird die Kinderbuch-Adaption von Autor und Regisseur Helge Fedder auch zu einem Lehrstück darüber, dass es nicht möglich ist, ganz ohne Freunde und die Integration in eine Gruppe sich seiner selbst zu vergewissern und ein entsprechendes Selbstbewusstsein zu entwickeln.

Bananenfixierter Affenrock

Der Dschungel gerät dabei zur Metapher der vielen Möglichkeiten, den dafür richtigen Weg und die richtigen Begleiter zu finden. Das reduzierte Bühnenbild und die nicht übertrieben eingesetzten Licht- und Nebeleffekte lenken dabei den Fokus ganz auf die Darsteller. Die bekannten Mitsing-Hits aus der berühmten Disney-Verfilmung mag so manch einer vermisst haben. Die Eigenkompositionen von Hans Christian Becker und Christoph Kloppenburg zeichnen sich dagegen eher durch einen gehobenen Anspruch aus. Dabei stehen die doch sehr gediegen erwachsenen, mitunter jazzigen und einmal auch „affig“ rockigen Arrangements einer unmittelbaren Eingängigkeit der Melodien im Weg - mit Ausnahme des Bananenhits der coolen Affenbande, der noch einmal als Zugabe gerockt wurde und der auch auf dem Heimweg noch aus so manchem Kindermund zu vernehmen war.