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Letzte Leerung am 2. Januar Osnabrück schafft die Wertstofftonne wieder ab

Von Dietmar Kröger | 26.12.2016, 09:30 Uhr

Ab in die Tonne: Mit der letzten Sammlung am 2. Januar wird die Wertstofftonne in Osnabrück-Eversburg wieder einkassiert.

Seit 2011 gab es die Tonne für stoffgleiche Nichtverpackungen versuchsweise in Eversburg. Bis 2015 existierte parallel der Gelbe Sack. Seit Anfang 2015 durften die Eversburger alle Wertstoffe in die Tonne werfen. Damit ist nun am Ende des Jahres Schluss. Mit der letzten Sammlung am 2. Januar werden die Behälter mit den orangenen Deckeln vom Osnabrücker Servicebetrieb (OSB) wieder einkassiert.

„Schade“, sagen die Eversburger. Sie hatten sich in den vergangenen Jahren an die Wertstofftonne gewöhnt . Das bestätigt auch eine Umfrage des OSB. Mehrheitlich begrüßten die befragten Haushalte im Pilotgebiet die 240-Liter-Gefäße. Sie wären sogar bereit gewesen, monatlich einen Euro mehr an Gebühren pro Haushalt zu akzeptieren, wenn sie ihre Tonne hätten behalten können. Das wird nun nichts. Wenn am 2. Januar die letzte Leerung stattgefunden hat, können sie dem Mülleimer an der Straße stehen lassen. Ein zweites Fahrzeug wird die Tonnen einsammeln. Der OSB wird die Deckel der Tonnen austauschen und sie dann als graue Tonne wieder einsetzen.

Wertstoffgesetz ist gescheitert

Gescheitert ist die Wertstofftonne an der Bundesgesetzgebung. Die ehemals als Wertstoffgesetz gestartete Initiative zur Verbesserung der Wertstofferfassung ist als Verpackungsgesetz geendet. „In naher Zukunft wird es wahrscheinlich keine Bestrebungen zu einem Wertstoffgesetz geben“, mutmaßt Detlef Schnier, Abteilungsleiter Abfallwirtschaft beim OSB. Der OSB verabschiedet sich aber nicht nur von der Wertstofftonne, sondern auch vom Gelben Sack. War er bislang zumindest noch in einigen Gebieten der Stadt als Subunternehmer der Dualen Systeme für das Einsammeln der hauchdünnen gelben Flatterbeutel zuständig, so ist damit nun auch Schluss. „Der Osnabrücker Servicebetrieb hat keinen Auftrag, ab dem 1. Januar den Gelben Sack im Stadtgebiet zu sammeln, sodass der OSB in den Jahren 2017 bis 2019 in keinem Teilgebiet der Stadt Osnabrück (auch nicht in Eversburg) die Sammlung des Gelben Sackes übernehmen wird“, sagt Schnier. Den Gelben Sack entsorgt die Osnabrücker Abfallwirtschaftsgesellschaft mbH (OAG), eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Firma

Meyer-Entsorgung in Osnabrück.

Schwierige Verhandlungen

Das Bundesumweltministerium habe auf die ursprünglich geplante Ausweitung der Produktverantwortung auf stoffgleiche Nichtverpackungen in dem Entwurf verzichtet, sodass keine Grundlage für eine Wertstofftonne gelegt worden sei. „Eine Miterfassung von stoffgleichen Nichtverpackungen aus Kunststoffen und Metallen können Kommunen mit den Dualen Systemen nur freiwillig vereinbaren. Neben voraussichtlich schwierigen Verhandlungen mit den Dualen System werden demnach die zusätzlichen Kosten für die Einführung einer Wertstofftonne vollständig von den Kommunen bzw. den Bürgerinnen und Bürgern über eine zusätzliche Gebühr zu zahlen sein“, so Schnier weiter. Die Kosten würden dann aber den von den Bürgern akzeptierten Euro übersteigen.

So bleibt es also dabei: Wer sein Hemd auf einem Bügel kauft, kann den Bügel – weil er zur Verpackung zählt – im Gelben Sack entsorgen. Wer den Bügel so kauft und ihn – weil er gebrochen ist – entsorgen will, muss dieses im Restmüll tun. Diese nur schwer bis überhaupt nicht nachvollziehbare Logik ist im Dualen System verankert, das nur für die Entsorgungskosten aufkommt, für die die Hersteller bezahlt haben, nämlich eben jene der Verpackung.

Eine Hoffnung bleibt

Schnier lässt allerdings die Hoffnung auf die Einführung einer Wertstofftonne nicht gänzlich fahren. Der OSB werde die weiteren Entwicklungen auf dem Markt der Abfallwirtschaft und natürlich der Gesetzgebung weiter im Auge behalten, um gegebenenfalls entsprechend reagieren zu können. Die Ergebnisse aus dem Pilotversuch und der Umfrage könnten – wenn die Zeit reif ist – in die Verhandlungen mit den Systembetreibern einfließen. Vor Anfang 2020 wird sich hier nach Einschätzung von Schnier allerdings nur wenig tun.

Aber nicht nur der Wertstoffmarkt ist ständig in Bewegung. Auch bei Rest-, Bio- und Sperrmüll ist Musik drin. Sinnvoll und wirtschaftlich soll die Entsorgung sein, ist der OSB doch auch für die Gebühren verantwortlich, die den Bürgern für die Abfuhr ihres Mülls aufs Auge gedrückt werden. Da können – und sollen – per Ratsbeschluss auch Grenzen überwunden werden, unter anderem die zum Landkreis. Kooperationen unter anderem im Bereich der Entsorgung des Bioabfalls mit dem Landkreis und möglichen privatwirtschaftlichen Partnern werden derzeit abgeklopft.