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Leseranfrage nach Fahrradunfall Ist Osnabrücks Verkehr gefährlicher als der Münsteraner?

Von Jörg Sanders | 18.12.2015, 15:16 Uhr

Es ist und bleibt ein Reizthema in Osnabrück: der Verkehr und seine Auswirkungen. Ist der Osnabrücker Verkehr gefährlicher als der Münsteraner? Und wie ist es in den beiden Städten um die Sicherheit der Radfahrer und Fußgänger bestellt? Ein Blick auf die Zahlen.

Am Donnerstag war es an der Todesecke Kommenderiestraße/Johannistorwall in Osnabrück erneut zu einem Unfall mit einer Radfahrerin gekommen – diesmal glücklicherweise nicht tödlich. Ein Leser fragte unsere Redaktion, wie es um die Verkehrssicherheit in Osnabrück im Vergleich zu der Münsteraner bestellt ist. Mit Zahlen aus den Verkehrsunfallstatistiken kann man sich einer Antwort zumindest annähern.

 Die absoluten Zahlen: 2014 kam es in Münster zu insgesamt 9404 Unfällen (2013: 9457). Dabei wurden der Statistik zufolge 1225 Menschen leicht verletzt (2013: 1122) und 242 schwer* (2013: 1122). Vier Menschen kamen auf Münsters Straßen ums Leben (2013: 5) – drei von ihnen waren Radfahrer. Im vergangenen Jahr starb kein Fußgänger in Münster.

In Osnabrück gab es einen leichten Rückgang bei den Verkehrsunfallzahlen im Vergleich zum Vorjahr. In der Summe kam es zu 5268 Verkehrsunfällen im Stadtgebiet (2013: 5331), bei denen 790 Menschen leicht (2013: 759) und 129 schwer verletzt wurden (2013: 83). Sechs Menschen kamen ums Leben (2013: 4) – zwei mehr als in Münster. Drei der Getöteten waren Radfahrer, zwei Fußgänger.

Es verwundert nicht, dass in Münster fast doppelt so viele Unfälle passieren wie in Osnabrück. Schließlich hat Münster fast doppelt so viele Einwohner (Osnabrück am 31.12.2014: 159.975; Münster am 31.12.2014: 302.178).

 Zahlen in Relation zur Einwohnerzahl: In Relation zur Einwohnerzahl gab es 2014 in Münster insgesamt 3112 Unfälle je 100.000 Einwohner. In Osnabrück waren es 181 mehr (3293). 405 Menschen wurden in Münster leicht verletzt, in Osnabrück waren es 494. Die Zahl der Schwerverletzten war in Münster (81) und Osnabrück (80) nahezu identisch. Bei der Zahl der Getöteten verzeichnete Osnabrück mit vier Opfern (davon zwei Radfahrer) je 100.000 Einwohner deutlich mehr als Münster mit einem.

Zahlen nur bedingt aussagekräftig

In absoluten Zahlen ist die Gefahr auf Münsters Straßen wesentlich größer als in Osnabrück. In Relation zur Größe der Stadt ergibt sich ein anderes Bild: In Osnabrück gibt es mehr Unfälle, mehr Verletzte und Getötete – allerdings keineswegs signifikant. Zudem lassen die Zahlen keinen Rückschluss auf die Unfallursachen zu. So ist Radfahren in Osnabrück nicht zwingend unsicherer als in Münster, weil es die relativen Zahlen vermuten lassen. Werden Radfahrer getötet, weil sie eine rote Ampel überfahren, bedeutet das schließlich nicht, dass die Unfallstelle einen Gefahrenpunkt für Radler darstellt. Bei den vergangenen tödlichen Fahrradunfällen war das in Osnabrück allerdings nicht der Fall. In drei Fällen gerieten sie unter abbiegende Lkw, deren Fahrer die Radler übersehen hatten:

 ● 22. Oktober, Johannistorwall: Radfahrer gerät unter abbiegenden Lkw 

 ● 20. September, Bohmter Straße: Radfahrerin stirbt bei Autounfall 

 ● 4. März, Johannistorwall: Radfahrer gerät unter abbiegenden Lkw 

Gefahr liegt in der Luft

Nicht berücksichtigt in den Statistiken für die beiden Städte sind mögliche Tote aufgrund der Emissionen der vielen Autos, Busse und Lkw. Immerhin behaupten manche Forscher, dass 7000 Menschen in Deutschland pro Jahr an Autoabgasen sterben – mehr als bei Verkehrsunfällen. Eine aktuelle Studie besagt, jährlich stürben mehr als drei Millionen Menschen weltweit an der (nicht nur durch Autos verursachten) Luftverschmutzung. 

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