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Leiter des Domkapitels Osnabrücker Domdechant Heinrich Silies ins Amt eingeführt

Von Christof Haverkamp | 24.09.2012, 04:07 Uhr

Wechsel im Osnabrücker Domkapitel : Am Sonntag ist Heinrich Silies in einem Gottesdienst als Domdechant und damit Nachfolger von Heinrich Plock eingeführt worden. Der 71-Jährige steht damit an der Spitze des Domkapitels, einem aus Priestern bestehenden Beratergremium des Bischofs – vergleichbar einem Ältestenrat.

Neben Silies gehören ihm derzeit sechs Mitglieder an: Derzeit sind es Weihbischof Theodor Kettmann und Generalvikar Theo Paul sowie Ansgar Lüttel, Hermann Rickers und Alfons Strodt, die als residierende Domkapitulare alle in Osnabrück wohnen. Zusätzlich gibt es einen nichtresidierenden Domkapitular, Propst Dietmar Blank aus Meppen. Im Mai 2013 wird noch Reinhard Molitor zum Domkapitel stoßen und die Stelle besetzen, die mit dem Abschied von Domdechant Plock frei geworden ist.

Über die Aufnahme in das Gremium entscheidet der Bischof nach Anhörung oder mit Zustimmung des Domkapitels – so sieht es Artikel 4 der Statuten vor. Dass die Mehrheit aus dem Emsland stammt, führt Silies darauf zurück, dass von dort auch die meisten Priester des Bistums kommen.

Das Domkapitel ist ein traditionsreiches Gremium mit wechselvoller Geschichte: Erste Erwähnungen finden sich bereits in den Urkunden aus der Gründungsphase des Bistums Osnabrück vor rund 1150 Jahren. Im Mittelalter gehörten dem Domkapitel viele Adelige an – in jüngster Zeit dürfte der eine oder andere eher vom Bauernhof stammen. Eine Unterbrechung gab es im 19. Jahrhundert: Zur Zeit Napoleons wurde das Domkapitel 1802 aufgehoben und erst 1858 im Königreich Hannover neu errichtet.

Heutzutage trifft sich das Domkapitel dienstags um 9 Uhr mit Bischof Franz-Josef Bode zum Gedankenaustausch. Es unterstützt ihn in der Bistumsleitung und kümmert sich um eine würdige Gestaltung der Gottesdienste im Dom. An den kirchlichen Hochfesten nehmen die dann violett gekleideten Domkapitulare im Chorgestühl der Kathedrale Platz.

Der Domdechant – nicht der Bischof, wie man vermuten könnte – ist der Chef der Kathedralkirche. So entscheidet er zum Beispiel über mögliche Bauarbeiten. „Es gibt immer etwas zu renovieren“, sagt Silies; momentan sei es aber relativ ruhig.

Derzeit überlegt das Domkapitel, das Gedenken an die Lübecker Märtyrer im Dom präsent zu machen. Denn die drei Geistlichen, die während der NS-Zeit im November 1943 enthauptet und im Juni 2011 seliggesprochen wurden, waren im Osnabrücker Dom zu Priestern geweiht worden. Der Bildhauer Johannes Niemeier aus Rietberg hat dem Domkapitel dazu einen Vorschlag gemacht. „Wir hoffen, dass wir 2013 was zustande kriegen“, sagt Silies knapp.

Eine wichtige Rolle nimmt das Domkapitel immer dann ein, wenn ein Bischof gestorben oder zurückgetreten ist. Dann bestimmt das Gremium zunächst einmal den Diözesanadministrator, der vorübergehend das Bistum leitet – später wählt es dann den künftigen Bischof.