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Leben mit Bach David Fray kommt zum Osnabrücker Meisterkonzert

Von Ralf Döring | 28.01.2015, 18:54 Uhr

Zunächst war David Fray für seine Kollegin Hélène Grimaud eingesprungen. Dann nahm er mit der Kammerphilharmonie Bremen eine CD mit Klavierkonzerten von Johann Sebastian Bach auf. Seither gilt der Franzose als einer der bedeutendsten Pianisten seiner Generation. Wir sprachen mit ihm über die neue CD, seine Lieblingskomponisten und über das Publikum.

Herr Fray, auf Ihrer neuen CD spielen Sie Schuberts G-Dur-Sonate. Warum wird dieses Werk so selten gespielt?

Sie haben recht, das Werk zählt nicht zu den berühmtesten von Schubert . Aber es gibt ein paar wundervolle Aufnahmen; zum Beispiel war es die Lieblingssonate von Swjatoslav Richter. Für mich hat das alles keine Rolle gespielt; ich denke, dass es Werke gibt, die etwas mehr Aufmerksamkeit verdient haben. Zum Video mit David Fray geht es hier.

Was hat Sie an dieser Sonate begeistert?

Die Poesie. Speziell der groß dimensionierte erste Satz hat eine sehr spezielle Stimmung, die in der ganzen Literatur für Klavier einzigartig ist. Der erste Satz klingt wie gefroren, ohne Bewegung, man weiß nicht, wohin das geht. Das ist sehr mysteriös, still. Aber in der Mitte eines jeden Satzes explodiert, mit Ausnahme des Menuetts, ein großes Drama. Dieser Kontrast macht das Geheimnis der Sonate aus.

Sie haben Schubert eingespielt, außerdem CDs mit Bach. Gibt es weitere Komponisten, denen Sie sich in Zukunft widmen wollen?

Bach und Schubert sind mir tatsächlich am nächsten. Zu diesen beiden Komponisten werde ich ganz sicher während meines gesamten Musikerlebens immer wieder zurückkommen. Ja: Das sind die wichtigsten Komponisten für mich.

In Osnabrück spielen Sie Klavierkonzerte von Bach, die Werke, mit denen Sie einem breiten Publikum bekannt geworden sind. Wie ist die Rückkehr zu Bach?

Ich habe nie aufgehört, diese Stücke im Konzert zu spielen. Aber es ist schon etwas besonderes, die Stücke in Deutschland zu spielen. Denn ich erfahre unglaubliche Reaktionen des Publikums auf diese Bach-Konzerte . Vielleicht erinnern mich diese Konzerte auch immer an die schönen Momente, die ich mit dem deutschen Publikum habe.

Sie spielen auf dem modernen Flügel, dabei ist die historische Aufführungspraxis zum Maß der Dinge geworden. Wie geht das zusammen?

Das ist ein großes Problem, und letztendlich weiß ich nicht, ob es irgendjemand lösen kann. Ganz offensichtlich hat das moderne Klavier nichts mit dem Cembalo zu tun, das Bach kannte, auch nicht mit einem Prototypen des Fortepianos, das er einmal am Hof Friedrichs des Zweiten gespielt hat. Aber Bach ist der einzige Barockkomponist, bei dem ich es riskiere, ihn auf dem Klavier zu spielen, und das hat mit seiner speziellen Sprache zu tun. Ich glaube, dass diese Musik so universell ist, so eng verbunden mit etwas, das wichtiger ist als der Klang, dass das moderne Klavier gut dafür ist.

Könnten Sie sich vorstellen, Händels Suiten auf dem Flügel zu spielen?

Nein. Diese Musik ist, genauso wie Couperin oder Rameau, viel enger mit dem Klang des Cembalos verbunden, als die von Bach. Bach spielte alle Tasteninstrumente, die ihm unter die Finger kamen: Orgel, Clavichord, Cembalo, Virginal. Die klangliche Individualität ist nicht die Essenz der Musik. Das heißt nicht, dass man Bach wie Mozart oder Prokofjew oder Brahms spielen könnte, natürlich nicht. Es gibt Probleme, Bach auf dem modernen Klavier zu spielen. Aber es ist möglich, und es verleiht dieser Musik interessante neue Aspekte.

Welche Komponisten haben Sie für die Zukunft im Blick?

Der Schwerpunkt meines Repertoires wird die deutsch-österreichische Musik bleiben. Aber es werden neue Komponisten kommen. Ich würde es aber vorziehen, darüber noch nicht zu sprechen.

Das heißt, Fragen nach Brahms oder Beethoven erübrigen sich?

Ich spiele sehr viel Beethoven! Aber wenn Sie meine Diskografie anschauen, finden sie Beethoven allerdings nicht. Ich glaube, es ist nicht der richtige Zeitpunkt, seine Kompositionen aufzunehmen. Aber es ist der richtige Zeitpunkt, ihn zu spielen, mich mit diesem Repertoire zu konfrontieren. Beethovens Konzerte oder Sonaten spiele ich jedes Jahr im Konzert: in dieser Saison die Appassionata und die Konzerte zwei und drei. Dieser Komponist spielt eine sehr wichtige Rolle in meinem Leben, aber ich sollte ihn nicht jetzt aufnehmen. Mein Repertoire für CD ist nicht das Gleiche wie das fürs Konzert.

Was erwarten Sie von Ihrem Konzertpublikum?

Stille. Außerdem offene Ohren und offene Herzen.

Meisterkonzert mit David Fray und der Academy ofSt. Martin in the Fields: 5.2., 20 Uhr, in der Osnabrück-Halle. Karten im Vorverkauf gibt es in den Geschäfts-stellen der Neuen OZ.