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Laue Nacht und gute Musik „Folk im Viertel“ begeistert Osnabrücker Publikum

Von Marie-Luise Braun | 27.07.2014, 17:34 Uhr

Umsonst und draußen – zumindest überwiegend: In Scharen strömten am Samstagabend Musikfans zum „Folk im Viertel“ am Heger Tor. Belohnt wurden sie mit guter handgemachter Musik, großartiger Stimmung in einer lauen Sommernacht und der Vielfalt, die Folk zu bieten hat.

Zum Glück gibt’s Mütter. Die fahren nämlich die Ernte ein, während ihre „Kinder“ auf der Bühne so richtig Gas geben. Vom ersten Klang an heizen „Chrystal Pasture“ dem Publikum ein mit Polka, Walzer, Rock, Blasmusik, Ska, Country-Klängen, Pop und einigem mehr, was es an Musikrichtungen auf diesem Planeten so gibt. Vor allem aber ist es eine Zutat, mit der die zwölfköpfige Combo das Publikum überzeugt: Spaß.

Den transportieren die Musiker und die Sängerin nicht nur über ihr ausgelassenes und dennoch solides Spiel, sondern auch mithilfe ihrer Texte, die sich vor allem um das Landleben drehen – soweit sie zu verstehen sind. Das ist aber auch der einzige Wermutstropfen im gelungenen Auftritt, im sich immer mehr füllenden Innenhof am Haus der Jugend.

Dort parkt auch ein blauer Bulli mit der Aufschrift „Morgens gepflückt, abends verdrückt“ vom Obst- und Gemüsebau Stückmann, einem Sponsor der Kapelle aus Bardüttingdorf, das liegt 20 Kilometer westlich von Herford. Vom Land kommt also nicht nur gutes Essen, sondern auch gute Musik, die an die Klänge der „17 Hippies“ erinnert. Gewöhnungsbedürftig allerdings ist der Name: Chrystal Pasture bedeutet so viel wie „kristallene Weide“. Das klingt eher nach Esoterik als danach, was es wirklich mit überwiegend deutschen Texten gewürzt auf die Ohren gibt.

Recht weit weg von diesem Trubel steht in der Krahnstraße ein Herr mit weißem Hemd im roten Scheinwerferlicht und ist viele Musiker zugleich. Dr. Slide zieht mit einem Bottleneck über den Hals einer Tricone-Gitarre: Wie einen Tisch hält er sie sich vor den Bauch. Mit rauer Stimme singt er Blues- und Folksongs dazu, während er mit den Füßen eine Art Schlagzeug bedient und eine entspannte Atmosphäre verbreitet.

Energiegeladen hingegen präsentiert das Trio Picon in der Großen Gildewart Klezmer und Tango und manchmal auch eine Mischung aus beidem. Spielerisch sind „Three to Get Ready“ in der Marienstraße. Die Osnabrücker Musiker treten dieses Mal zu viert auf und krankheitsbedingt auch nicht in der angekündigten Besetzung. Bernd Niehenke, Jürgen Schliehe, Matthias Malcher und Klaus Gausmann zupfen die Instrumente, während sie durch großes weites Land zu reiten scheinen.

Weiter Richtung Heger Tor sind alsbald Stout mit ihrem Irish Folk zu hören, und wer es über den mit Menschen gefüllten Platz schafft, kommt bei Eddie Arndt vorbei. Der Singer-Songwriter präsentiert „Songs I Can Sing and Play on Guitar at the Same Time“.

Den fulminanten Abschluss bilden Acoustic Revolution. In einer sehr schnell sehr sauerstoffarmen Lagerhalle heizen die drei Musiker dem Publikum mit Irish Folk ein. Hinein haben sie eine Menge andere Klänge gemischt, die einigen Gästen von jetzt auf gleich die Tanzlust in die Adern schießen lassen.