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Spendensammeln mit Minister Pistorius sammelt persönlich mit Schülern für Terre des Hommes

Von Anke Herbers-Gehrs | 30.08.2019, 18:45 Uhr

. Prominente Unterstützung bekamen die Sechstklässler der Bertha-von-Suttner-Schule, als sie am Freitag vormittag im Rahmen der Aktion „Straßenkind für einen Tag“ in der Osnabrücker Innenstadt für Terre des Hommes Spenden sammelten: Der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD) ging persönlich mit ihnen mit und sorgte für großes Medieninteresse und 1023,40 Euro Spendeneinnahmen.

Der frühere Oberbürgermeister von Osnabrück ist dem Kinderhilfswerk, das seinen Sitz in Osnabrück hat, schon lange verbunden. „Sie richten das Augenmerk auf die, die am meisten Hilfe brauchen“, sagte er. Die Straßenkinder-Aktion hat seiner Meinung nach einen doppelten Effekt: Sie vermittelt Empathie. Dadurch, dass sich deutsche Kinder mit der Not anderer Kinder auf der Welt beschäftigen, ändert sich ihre Betrachtung. „Wer hinguckt, sieht“, so Pistorius.

Bei der Aktion „Sichtwechsel: Straßenkind für einen Tag“ versuchen Schüler, die Welt aus Sicht eines Straßenkindes zu sehen, indem sie Passanten ansprechen und Geld sammeln. Das brauchen sie dann allerdings nicht für ihren Lebensunterhalt, sondern spenden es an Terre des Hommes. Gleichzeitig informieren sie über das Schicksal der über 100 Millionen Kinder, die weltweit auf der Straße leben. Die Bertha-von-Suttner-Realschule führte die Aktion zum 13. Mal durch. In den Unterrichtsfächern „Werte und Normen“ und Religion haben die Kinder schon vor den Sommerferien angefangen, sich mit dem Thema zu beschäftigen und Plakate und Info-Tafeln herzustellen, berichtete Lehrer Johannes Lutterbeck, der gemeinsam mit seiner Kollegin Juliane Ajineh die Veranstaltung koordinierte.

„Bei den früheren Aktionen haben die Kinder auch Schuhe geputzt, wie es die echten Straßenkinder eben tun. Aber das kam bei den Passanten nicht so gut an, das wollte keiner“, erklärte Schulleiter Martin Sandkämper. In diesem Jahr haben sich die circa 80 Schüler eine Vielfalt an fantasievollen Aktionen überlegt, machten Musik mit Ukulele, Tambourin und Gitarre, zeigten Fußballkünste und viele hatten auch selbstgebackene Leckereien von zu Hause mitgebracht, sehr zur Freude von Boris Pistorius. „Ich habe heute morgen noch nicht gefrühstückt“, sagte er.

Zentrum für Straßenkinder im Armenviertel

Eine Stunde Zeit hatte er sich für die Aktion genommen und ging gemeinsam mit Milan, Erik, Johann und Gitarrist Nils vom Nikolai-Ort, wo die Aktion startete, bis fast zum Neumarkt. Ein von Pistorius angesprochener Passant schloss scharfsinnig und nicht ganz ernstgemeint: „Ah, Sie sind der Personenschutz für den jungen Mann?“ Dass die Leute ihm ausweichen oder die Straßenseite wechseln, wenn er kommt, kennt Pistorius sonst nicht. Aber viele gingen auch auf ihn zu und freuten sich, den ehemaligen Oberbürgermeister mal wieder zu sehen. „Das ist schon eine besondere Erfahrung, so durch die Straße zu gehen,“ fand der Innenminister. Die Information über das Projekt überließ er den Kindern: „Die tun das sehr souverän und sehr sympathisch.“ Auch das hatten sie in der Vorbereitungszeit geübt. In diesem Jahr kommen die Spendengelder einem Projekt in Simbabwe zugute. Hier wird ein Zentrum für Straßenkinder im Armenviertel der Stadt Bulawayo gefördert.

Die Schüler ließen sich weder von der Anwesenheit des Innenministers noch von Kamerateams, Fotografen und Journalisten einschüchtern. „Den Kindern ist die Aktion selbst sowieso viel wichtiger“, sagte der Schulleiter. Sie freuen sich aber sicher auch, ihren Einsatz im Fernsehen zu sehen: Am Montag um 18 Uhr zeigt RTL Nord den Bericht im Regionalmagazin.