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L&T baut Sporthaus in der Innenstadt Die „nicht ganz so normale“ Baustelle in Osnabrück

Von Sebastian Philipp, Sebastian Philipp | 16.10.2016, 13:53 Uhr

Für sein geplantes Sporthaus an der Herrenteichsstraße hat sich L&T ein ebenso sportliches Programm vorgenommen: Das metertiefe Loch für die jüngste Erweiterung des Osnabrücker Modehauses ist die zurzeit wohl spektakulärste Baustelle in der Hasestadt – und die engste.

Darum geht es: L&T baut auf dem Gelände des ehemaligen Wilhelmstifts an der Herrenteichsstraße ein modernes Sporthaus . Auf fünf Etagen und rund 5000 Quadratmetern will Unternehmer Mark Rauschen voraussichtlich ab Frühjahr 2018 Mode aus den Bereichen Sport und Outdoor an Mann und Frau bringen. Ein Highlight des Baus soll dann ausgerechnet im Keller zu finden sein: Eine Arena mit Sitzplätzen und einem Wasserbecken mit stehender Welle für Surfer wird zumindest erlebnismäßig den Mittelpunkt des Ladens bilden.

Tiefe und Platznot als Herausforderung

Bis die Osnabrücker im L&T-Sporthaus allerdings auf der perfekten Welle reiten können, wird noch viel Hasewasser an der prominent gelegenen Baustelle vorbeifließen. Und eben weil der Fluss direkt an der Baustelle verläuft, ist der Tiefbau eine Herausforderung für Bauleitung und Gewerke gleichermaßen. „Das hier ist sicher eine nicht ganz so normale Baustelle“, sagt Lutz Brinkmann im Gespräch mit unserer Redaktion. Der Leiter der L&T-Haustechnik hat vieles im Haus erlebt, aber ein Bauvorhaben dieser Art noch nicht. Was es besonders macht, ist einerseits die Tiefe der Bauarbeiten und andererseits die Platznot zwischen Hase, Tiefgaragentunnel und dem schon bestehenden L&T-Gebäude. Denn auf diesem Dreieck entsteht in den kommenden Monaten der Neubau.

Beckenboden liegt unterhalb des Grundwasserspiegels

Wer in diesen Tagen an der Fläche für das Sporthaus entlangschlendert, erkennt schon jetzt die grobe Umrandung von Wellenbecken und Sporthaus. Allerdings fällt der Blick momentan noch in einen metertiefen Abgrund: Zu sehen sind zwei „Aushubebenen“, wie Brinkmann sie nennt. Ebene 1 markiert die Tiefe, auf der sich das künftige Untergeschoss des Gesamtbauwerks befindet. Ebene 2 liegt noch einige Meter tiefer und ist für die Umschalung des künftigen Wellenbeckens vorgesehen. Dessen Umrisse sind bereits jetzt als „nasses Rechteck“ zu identifizieren, denn bis zum Grundwasser und noch tiefer wurde schon gebaggert.

Graben mit GPS

Da der Bagger aber noch einige Meter unterhalb der trüben Wasseroberfläche graben muss – also quasi blind –, geht es an dieser Stelle nicht ohne GPS. Das schwere Gerät ist mit zwei Antennen auf dem Dach des L&T-Hauses verbunden, die ihm laufend eine zentimetergenaue Positionsbestimmung funken. Gräbt der Baggerfahrer nur einen Zentimeter tiefer als die vorgesehenen zehn Meter, stoppt die Maschine automatisch. So wird verhindert, dass die Grube für das Wellenbecken zu tief und uneben ausgehoben wird.

Taucher kommen im November

Warum nicht einfach das Grundwasser abpumpen? „Das Grundwasser können wir hier mit Rücksicht auf die umliegenden Gebäude nicht einfach absenken“, sagt Brinkmann. Deshalb sei es unumgänglich, unterhalb des Grundwasserspiegels zu arbeiten. Sind die Bagger fertig mit dem Aushub, bringt ein Bauunternehmen mehrere Dutzend Pfähle in die Grube ein. Sie sollen später unter anderem verhindern, dass das Grundwasser den Sporthaus-Boden nach oben drückt. Spannend wird es dann Mitte November – zumindest unter Wasser: Um die Betonsohle des Beckens zu legen, kommen Spezialtaucher zum Einsatz. Per Schlauch wird der Beton unter Wasser gepumpt, die Taucher sorgen dann für die Verfüllung in zehn Metern Tiefe.

Logistische Probleme gemeistert

Doch nicht nur die Tiefe der Bauarbeiten lässt das Vorhaben komplex werden. „Eine Besonderheit der Baustelle ist auch, dass sie extrem wenig Platz bietet“, erklärt Mark Rauschen. Baumaterialien können nur in kleinen Mengen vor Ort gelagert werden. Sie werden daher mehr oder weniger passend geliefert. Außerdem sei die Abfuhr von Erdmaterial rein aus logistischen Gründen nicht einfach. Hinzu komme die Baustelle für das Haus des Handels auf der gegenüberliegenden Straßenseite. „Aber da haben wir uns gut abgestimmt“, sagt Rauschen.

Keine unschönen Überraschungen

Größere Sorgenfalten hat das Bauvorhaben bei Lutz Brinkmann trotz der beschriebenen Komplexität bislang nicht produziert: „Wir hatten erfreulich wenig Überraschungen bei den Grabungen. Kleinere Probleme haben uns Holzpfähle bereitet, auf denen das Wilhelmstift stand.“ Bedeutende historische Funde kamen dagegen nicht zum Vorschein. Schweißperlen, das betont Brinkmann, kämen ihm erst auf die Stirn, wenn die Hase ein extremes Hochwasser trägt. Dann könnte der Wasserdruck auf die Spundwände, die das Flussbett zur Baustelle hin trennen, kritisch werden.

Roboterfüße unter dem Restaurant

Während die Spundwände also dafür sorgen, dass die Hase die Baustellengrube nicht flutet, müssen auch an anderer Stelle Vorkehrungen getroffen werden. Um zu verhindern, dass die Grubenwände einsacken und die umliegenden Gebäude mitreißen, wird mit einem speziellen Verfahren ein Betongemisch ins Erdreich gespritzt. Sichtbar ist das aktuell nur an kreisrunden Löchern entlang der Baugrube. Durch die Tiefbauarbeiten sind auch die „Elefantenfüße“ ans Licht gekommen, die jenen Trakt stützen, in dem sich aktuell das L&T-Restaurant befindet. „Damit die Ständer nicht abknicken, haben wir sie mit Stahlträgern verbunden“, erklärt Brinkmann das ungewohnte Bild, das der Untergrund des Modehaus-Gebäudes momentan abgibt – und das entfernt wirklich an Elefantenfüße erinnert.

Sporthaus soll 2018 stehen

2018 sollen die ersten Surfer unterhalb der Hase auf der L&T-Welle reiten können. Spektakulär sollen dann nicht nur die Bauarbeiten gewesen sein, sondern soll auch das Gebäude selbst werdem. „Die Fassade wird ein Highlight“, verspricht Rauschen.