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Kurse in Osnabrück Hypnobirthing – Der Traum von der schmerzfreien Geburt

Von Cornelia Achenbach, Cornelia Achenbach | 30.12.2016, 08:54 Uhr

Es ist wohl der Traum jeder schwangeren Frau: eine Geburt ohne Schmerzen. Möglich machen soll dies die Methode „Hypnobirthing“. Auch in Osnabrück werden jetzt entsprechende Kurse angeboten. Es gibt jedoch auch Kritik an der Methode.

Im Mai hat sich Sabine Prätzel als „Doula“ selbstständig gemacht. Gibt man den Begriff bei Wikipedia ein, erhält man als Übersetzung: Dienerin, Sklavin, Magd. Gemeint ist allerdings eine Schwangerschafts-, Geburts- und Wochenbettbegleiterin. „Anders als Hebammen begleiten wir die Frauen aber nicht medizinisch, sondern emotional. Eine Doula ist sozusagen für das Wohlfühlen zuständig“, erläutert die 36-Jährige. Und anders als die meisten Hebammen ist Sabine Prätzel als Doula auch während den Geburten vor Ort. „Und während es in den Krankenhäusern Schichtwechsel gibt, bleibe ich als Konstante immer dabei“, sagt die Osnabrückerin. (Weiterlesen: Wie eine Osnabrücker Mutter ihre Wochenbettdepression überwand)

Schlechte Erfahrungen bei der ersten Geburt

Eigentlich ist Sabine Prätzel gelernte Kinderkrankenschwester, doch dann schulte die dreifache Mutter um und machte ein Zertifikat bei der Hypnobirthing Gesellschaft Europa (HBGE). Dass sie sich schließlich eingehend mit dem Thema Schwangerenbegleitung und Hypnobirthing beschäftigt hat, liegt unter anderem an den schlechten Erfahrungen, die sie bei den Geburten ihrer ersten beiden Kinder gemacht hat: „Die ersten beiden Geburten waren wirklich nicht schön.“ Während der dritten Schwangerschaft besuchte sie schließlich einen Hypnobirthing-Kurs bei einer Hebamme in Tecklenburg. Auch die meisten ihrer eigenen Kunden sind Zweitgebärende, die eine schwere erste Geburt erlebt haben. (Weiterlesen: Pucken erhöht Risiko des plötzlichen Kindstods)

Kein Pendel, keine Hypnose

Nein, Hypnobirthing hat nichts mit einer Geburt unter Hypnose zu tun. Es gibt auch kein Pendel. Vielmehr gehe es darum, Schwangeren Atem- und Entspannungstechniken an die Hand zu geben und die Angst vor Schmerzen zu nehmen. Auch dem Partner werden bestimmte Handgriffe gezeigt, mit denen sie ihre Frauen unterstützen können. Sabine Prätzel demonstriert ein paar Übungen und Griffe: Die Light-touch-Massage, bei der sie mit den Fingerspitzen den Rücken der Schwangeren entlang fährt, den „Schulteranker“ – ein Griff an die Schulter, der der Frau Halt geben soll – und das Fokussieren auf ihre Handfläche, während sie mit ruhiger Stimme mit der Schwangeren spricht. „Ich kann natürlich keine Garantie dafür geben, aber ich kenne viele Frauen, die dank Hypnobirthing ihre Geburt als schmerzfrei wahrgenommen haben“, sagt Sabine Prätzel, „mir selbst ging es auch so.“ Anstrengend werde eine Geburt weiterhin bleiben, doch dank Hypnobirthing sollten Verspannungen gelöst und Muskeln besser durchblutet werden, was den Schmerz ausschalten solle.

Kritik an der Methode

An der Methode gibt es jedoch auch Kritik. Jana Friedrich arbeitet in Berlin als Hebamme und betreibt den sehr bekannten schreibt Friedrich. . „Ich habe in der Klinik bisher erstaunlicher Weise leider nur schlechte Erfahrungen mit Hypnobirthing-Geburten gemacht“,

schreibt Friedrich. „Die Frauen waren zwar sehr gut informiert, hatten aber ein so festes Bild davon im Kopf, wie ihre Geburt zu sein hat, dass sie im Verlauf nicht mehr die Fähigkeit besaßen, flexibel mit den tatsächlichen Ereignissen umzugehen. Es war ganz so, als würden sie ein starres und dogmatisches Sonderprogramm absolvieren“, so die Hebamme. Viele Hypnobirthler seien demnach misstrauisch gegenüber dem Klinikpersonal gewesen und hätten deren Einschätzungen nicht getraut. „Leider wurden aus den Befürchtungen immer, bis auf ein einziges Mal, selbsterfüllende Prophezeiungen: Die Geburten endeten mit dem Kaiserschnitt“, schreibt Jana Friedrich. (Weiterlesen: Aktion „Roses Revolution“ gegen Gewalt in der Geburtshilfe)

Sabine Prätzel kann die Kritik nachvollziehen. „Ich sage allen Frauen: Wenn es pathologisch wird, dann vertraut den Ärzten.“ Hypnobirthing sei für Geburten geeignet, die normal verlaufen. Aber auch bei Komplikationen unter der Geburt könnten die Methoden hilfreich sein. „Dennoch kann es während jeder Geburt Momente geben, in denen man seiner Hebamme und den Ärzten vertrauen muss“, sagt Prätzel. Sie selbst hat bereits 29 Hypnobirthing-Kurse angeboten. Darunter seien zwei Geburten gewesen, bei denen die Angst zu groß war, um sich auf die Methode zu konzentrieren, aber selbst da habe Hypnobirthing den Frauen geholfen, mit der Situation umzugehen, sagt die 36-Jährige.

Ihre Kurse bietet Sabine Prätzel in den Räumen der Hebammenpraxis Etcetera, Am Kirchkamp 18, in Osnabrück an. Die meisten Krankenkassen beteiligen sich an den Kosten für die Kurse, viele in dem Umfang, in dem sie sich auch an einem Geburtsvorbereitungskurs beteiligen würden. Weitere Informationen unter www.facebook.com/Schwesternherzen oder per Email hypnobirthing@praetzel.de .

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