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Kuriositäten der Fundbüros Vom Schal bis zum Schiff - Fundsachen in Osnabrück

Von David Hausfeld | 27.12.2014, 11:00 Uhr

Wir haben uns auf die Suche nach Fundstücken gemacht: Eine Geschichte vom Finden und Vergessen, von Gebissen, Menschen und – Schiffen?

Verlässt der Mensch dieser Tage das Haus, dann meist nur eingepackt in mehrere Schichten warmer, im besten Fall noch regenfester, Kleidung. Je nach Wetter dürfen auch Schal, Mütze und Handschuhe nicht fehlen. Hinzukommen „Hut, Stock, Gesangbuch“ in Form der modernen Variante „Handy, Schlüssel, Portemonnaie“ und eventuell noch Rucksack, Tasche und/oder Regenschirm. Das da gerne einmal etwas liegen bleibt, vergessen und verbummelt wird, ist so alltäglich wie ärgerlich - umso schöner wenn es dann anschließend gefunden wird. Wir haben uns auf die Suche nach Fundstücken gemacht: Eine Geschichte vom Finden und Vergessen, von Gebissen, Menschen und – Schiffen?

„Da fragt man sich doch: Ist da auf einmal eine wundersame Heilung erfolgt?“, vermutet Klaus-Dieter Otto von den Stadtwerken Osnabrück, als er von einem gefundenen Rollator in einem der Stadtbusse erzählt. Als Mitarbeiter des Mobilitätszentrums am Neumarkt kümmert er sich neben der Kundenberatung auch um die zahlreichen Fundsachen, die Busfahrer nach Schichtende in ihren Gefährten einsammeln.

Zehn bis Zwanzig Gegenstände werden täglich in der Servicestelle am Neumarkt abgegeben, gekennzeichnet und archiviert. Gehhilfen seien tatsächlich selten dabei, sagt Otto, meistens handele es sich dann doch um Taschen, Rucksäcke, Fahr- und Studentenausweise. Im Winter sind natürlich auch vermehrt Schals, Mützen und Handschuhe dabei. Wie aber jemand einen Kinderwagen oder gar ein komplettes Gebiss vergessen kann, dass dürfte nicht nur Otto ein Rätsel sein. Alles schon vorgekommen, meint der Kundenberater.

Möglich ist so manches, weiß auch Nettebadleiter Tilo Schölzel. Er erlebte das Verschwinden eines ganzen Badegastes. Ein Mann ließ nach Badeschluss eine komplette Kleidergarnitur von Hemd und Anzug bis hin zu Unterwäsche und Schuhen in der Umkleidekabine hängen. Was im Nachhinein witzig klingt, versetzte die Mitarbeiter des Bades jedoch in ziemliche aufruhe. „Da bekommt man natürlich Panik, denn der Gast ist ja scheinbar noch irgendwo“, schildert Schölzel.

Es stellte sich raus, dass der Mann lediglich nach einem Tag auf der Arbeit seinen Feierabend mit einer Runde Schwimmen ausklingen lassen wollte. In weiser Voraussicht hatte er deshalb bereits den gemütlichen Trainingsanzug eingepackt und fuhr in diesem nach Hause. Seinen guten Anzug und alles Dazugehörige hatte er schlichtweg vergessen.

In der Regel bleiben jedoch vor allem säckeweise Bademäntel, Handtücher, Taucherbrillen und allerlei Wasserspielzeug im Bad zurück. Ein halbes, bis dreiviertel Jahr werden die Funde aufbewahrt, erklärt Ann-Karin Hörnschemeyer aus dem Marketing. Alle Dinge über einem Wert von 10 Euro, meist Schmuck und Handys, werden dann an das Fundbüro der Stadt weitergegeben. Nicht abgeholte Handtücher werden hingegen für den Kinderschutzbund auf dem Flohmarkt beim Moskaubad versteigert.

Während den Angestellten im Nettebad das Suchen eines Menschen einen Schrecken einjagte, war es für die Mitarbeiter der Diskothek Glanz & Gloria am Neuen Graben das genaue Gegenteil. In den frühen Morgenstunden, die Gäste waren bereits gegangen und der Club geschlossen, bemerkte eine der noch anwesenden Thekenkräfte eine abgeschlossene Kabine auf der Damentoilette, erzählt Klara Steinke. Sie hatte die Clubleitung an diesem Abend, hätte jemand das WC von außen abgeschlossen, dann sie selbst.

Nach ausbleibender Reaktion auf Rufen und Klopfen, wurde die Tür mit einer Münze geöffnet. Zum Vorschein kam eine ganz besondere Fundsache: Eine junge Frau war nach durchzechter Nacht mit scheinbar reichlich Alkohol auf dem Klo eingeschlafen. Etwas „orientierungslos, aber friedlich“ sei die Dame gewesen, erzählt Steinke. Ist Alkohol im Spiel, werden die Leute eben besonders vergesslich. An Ossensamstag seien vom Mexikaner-Poncho bis zu Engelsflügeln bereits unzählige Karnevalskostüme liegen geblieben. „Die werden auch nicht abgeholt, weil die Leute nicht mehr wissen, wo sie die Nacht über noch gewesen sind“, scherzt die Studentin.

Ihre Kollegin Louisa Blomenkamp demonstriert derweil ebenfalls mehrere Säcke mit Fundsachen. Spitzenreiter hier: Jacken und Pullover, im Winter gerne auch Schals und Mützen, die in der Disco gefunden oder nicht an der Garderobe abgeholt werden. Nach rund sechs Monaten gehen diese Sachen an die Altkleidersammlung. Besonderes Winterfundstück: Zwei Flaschen Türschloss-Enteiser.

Den Spitzenreiter in Sachen „skurrile Fundstücke“ liefert aber das Fundbüro der Stadt im Stadthaus 1 selber. Krücken, Schreibmaschinen auf Friedhöfen, Laufgestelle für Kleinkinder in der Bahn – seltsame Funde gibt es auch hier zuhauf. „Der außergewöhnlichste Fund war ein Kahn“, erzählt Gabi Nemes vom Fundbüro mit einem Lachen. Ein Kahn? Kahn, wie Schiff?

Tatsächlich: Das Fundbüro war für mehrere Stunden für ein gefundenes Schiff im Osnabrücker Hafen zuständig. Für zwei bis drei Tage lag das Boot im Hafen an, als es „gefunden“ wurde. Der Besitzer konnte zunächst nicht ausgemacht werden. In so einem Fall wird dann eben auch ein ganzes Schiff als Fundsache deklariert. Das ganze passierte in den neunziger Jahren, erinnert sich Nemes.

Bei den meisten Funden heute handelt es sich neben Kleidungsstücken und Taschen jeglicher Art jedoch um ganze Schubladen voller Brillen, Schlüssel, Geldbörsen und Handys. Sechs Monate werden die gesammelten Fundstücke aufbewahrt, bevor sie auf einer zwei- bis dreimal im Jahr stattfindenden Fundsachen-Versteigerung unter den Hammer kommen.

Mit etwas Glück und einem ehrlichen Finder tauchen vielleicht demnächst der Schal, die Geldbörse oder sogar die Wochenendjacht wieder an den entsprechenden Stellen auf. Zumindest die Nachfrage ist einen Versuch wert. Alle Funde in Bussen und Einrichtungen der Stadtwerke oder Nord-West-Bahn, lassen sich außerdem nach ihrer Registrierung im virtuellen Fundbüro auf Homepage der Stadt unter http://www.osnabrueck.de/9290.asp einsehen.