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Kunst in der Ess-Bar Künstlerin aus Südafrika zu Gast in der Olle Use Galerie

Von Tom Bullmann | 25.09.2018, 21:11 Uhr

Osnabrück MIES nennt sich die junge Künstlerin, die ihre ausdrucksstarken Porträts zum ersten Mal in Europa ausstellt.

Ein abschätzender, reservierter Blick fixiert den Betrachter. Auf einem Schildchen neben dem Bild der Frau, die einen da anschaut, steht geschrieben: „Bekannt. Sie hatte die Herausforderung gemeistert. Ohne Zögern.“ Es entsteht eine Geschichte. Sicherlich nicht dieselbe, die die Künstlerin im Kopf hatte, als sie das Bild malte. Vielleicht auch eine ganz andere als die reale Geschichte der Frau, die als Vorlage für das Bild diente. Aber die Fantasie ist geweckt. Und sie schweift weiter, wenn man den Blick zurzeit durch die historische Gaststätte Olle Use schweifen lässt. Dort hängen 20 Porträts von Mies. So nennt sich Marisa de Jager, wenn sie malt. Wie ein Logo verziert sie ihre Bilder mit dem Schriftzug MIES.

Wäre sie eine deutsche Künstlerin, hätte sie wegen des negativen Beigeschmacks des Wortes vermutlich einen anderen Künstlernamen gewählt. Aber de Jager stammt aus Groblersdal, einer kleinen südafrikanischen Ortschaft nordöstlich von Johannesburg. „Faces“ nennt sie die Kollektion von Porträts, die sie nach Deutschland geschickt hat, zu ihrer ersten Ausstellung in Europa. Andreas Bernard hatte sie eingeladen, ihre Bilder in der Ollen Use auszustellen.

Während einer Reise nach Südafrika war dem Hotelier ein Bild der jungen Künstlerin aufgefallen, er hatte es fotografiert und dann vergessen. Zurück in Osnabrück, fiel ihm das Foto wieder auf, und er recherchierte, wer es denn gemalt hat. So kam er auf die Spur der 23-Jährigen, die damals, bevor sie heiratete, Marisa Coetzer hieß. Die Frau fiel aus allen Wolken, als sie das Angebot des Osnabrückers bekam, nach Deutschland zu reisen, hier auszustellen und bei der Vernissage persönlich dabei sein zu können. Nachdem sie sich vergewissert hatte, dass alles mit rechten Dingen zuging, machte sie sich an die Arbeit und malte die Bilder, die fast alle speziell für die Ausstellung in Deutschland entstanden.

„Ich liebe es, Menschen zu malen“, sagt sie. Fotografien, die sie in Zeitschriften oder im Internet findet, dienen ihr als Vorlage für diese intensiv wirkenden Porträts, zu denen sie sich eine persönliche Geschichte ausdenkt – die man dann in kurzen Bemerkungen auf den Schildchen neben den Bildern findet. Der Malstil lässt vermuten, dass Mies einen Spachtel benutzt, um die Farbe pastos auf die Leinwand zu bringen und so einen äußerst expressiven Ausdruck zu erzeugen. Aber sie winkt ab: „Ich benutze dafür Kreditkarten und Clubcards“, sagt die Autodidaktin, die auch in Bezug auf die Farbgebung unkonventionell arbeitet. Grüne und blaue Farbtöne erzeugen eine äußerst starke Wirkung beim Malen von Porträts.

Es ist die zweite Ausstellung, die Andreas Bernard in den Räumen der Traditionsgaststätte zeigt. Nachdem er das Haus in der Altstadt gekauft, es renoviert und aus der Kneipe eine „Ess-Bar“ gemacht hatte, wurde ihm bewusst, dass sich die Wände ausgezeichnet dazu eignen, Kunst zu präsentieren. Zum Auftakt hatte er Bettina Escaño Papoli-Barawati eingeladen, bei ihm auszustellen, jetzt werden dort bis Ende Dezember die Porträts von Marisa de Jager alias Mies zu sehen sein.