Ein Artikel der Redaktion

„Kunst für positive Beziehungen“ Maria José Arjona und ihr Osnabrücker Projekt

Von Dr. Stefan Lüddemann | 13.02.2016, 07:00 Uhr

Eine Fahne für Flüchtlinge, Vögel als Symbole der Wanderung – Maria José Arjona erzählt in der Kunsthalle Osnabrück von ihrem Projekt „You are splendid!“.

„Ich friere eigentlich immer“, sagt Maria José Arjona, lacht und wirft den Kopf zurück. Deutschland hat sie mit nasskaltem Winterwetter überrascht. Aber Osnabrück wärmt die Performancekünstlerin aus Kolumbien. Nette Leute im Hotel und im Obstladen um die Ecke, ein tolles Team in der Kunsthalle, neugierige Besucher bei den Performances – die Künstlerin aus Bogotá, die jahrelang im New Yorker Kunstleben kräftig mitmischte, hat auf Zeit ihren Ort in der Friedensstadt gefunden. Hier weiterlesen: Maria José Arjona - ihr Kunstprojekt für Osnabrück. 

„Ich gehe gern an Orte, an denen ich selbst anders sein kann“, sagt die schlanke Frau mit dem klaren, offenen Blick. Die Kunsthalle sieht sie nicht einfach als Aufführungsort ihrer sechs Performances, die sie an insgesamt 15 Terminen zeigt. Arjona hat das Ausstellungshaus in ein Atelier verwandelt. Am langen Tisch zeichnet die Künstlerin stundenlang, fertigt Aquarelle, sammelt Objekte. Das Kunstprojekt „You are splendid!“ hat sie schon einmal in Bogotá verwirklicht. „Aber in Osnabrück hat es sich sehr verändert“, sagt sie nun. „You are splendid!“: Unter dieser Überschrift inszenieren Arjona und Kuratorin Julia Draganovic die Ausstellung als Wachstumsprojekt. Hier weiterlesen: Maria José Arjona - die Angebote der Kunstvermittlung. 

Raubvogel und Krähe als Präparat aus dem Museum am Schölerberg, Vogelstimmen aus dem Osnabrücker Land für die Klangspur – Arjona bezieht ihr Material vor Ort und baut es in ihre Werke wie die Eröffnungsperformance „Flugplan“ und die ständig wachsende Ausstellung mit ein. Besonders wichtig ist Arjona das Gespräch mit Besuchern. Beim Sofa-Talk tauscht sie sich aus. „Leider spreche ich kein Deutsch, aber ich lerne viel aus den Reaktionen auf meine Arbeiten“, sagt die Künstlerin. Hier weiterlesen: Maria José Arjona - die Termine der Performances. 

Bei den Performances wirkt sie konzentriert, klar, kraftvoll, beinahe streng. Aber Arjonas Verständnis von Kunst lebt aus dem Dialog. „Kunst hilft, die richtigen Fragen zu stellen und Beziehungen aufzunehmen“, sagt die Künstlerin, die darin auch ein Modell jener Politik sieht, die sie „positiv“ nennt. „Politik sollte doch an Lösungen interessiert sein und die Menschen nicht trennen, oder?“, fragt sie und beugt sich mit sprechender Handgeste über ihren Arbeitstisch nach vorn. Ein Beispiel positiver Politik hat sie in der Ausstellung parat. Im Innenhof der Kunsthalle weht eine silbern glänzende Fahne an einem Holzstab. Der Stoff ist aus jenem isolierenden Gewebe gemacht, aus dem auch die Decken gefertigt sind, mit denen frierende Flüchtlinge versorgt werden. Hier weiterlesen: Maria José Arjona - ihre Performance „Flugplan“. 

Dennoch versteht Arjona ihre Kunst nicht als bloßes Statement, sondern als eigenständige Form einer Erkenntnis, die die Menschen in ihren Emotionen und Gedanken erreichen soll. „Wenn ich zeichne, kann ich meine Gedanken klären“, sagt die Künstlerin und führt den Stift über ein leeres Blatt Papier. Ihre Zeichnungen von Vögeln zieren nun die Wände der Kunsthalle. Für die Performances bereitet sie sich penibel vor. „Vor einer Performance versuche ich, mich zu leeren“, sagt die Künstlerin und berichtet von Meditation und Fasten. Eine Strenge, die sie von Marina Abramovic gelernt hat? Arjona unterstützte den Weltstar der Performancekunst bei deren inzwischen legendärer Ausstellung „The Artist is present“ im New Yorker Museum of Modern Art. Hier weiterlesen: Maria José Arjona - ihre Performance „Habito“. 

„Während einer Performance erlebe ich meine besten Zeiten“, sagt Arjona. Gleichwohl: Performances strengen an. Arjona zieht sich danach in die Stille zurück. Die findet sie in ihrem Osnabrücker Hotel. Arjona spricht dann per Skype mit ihrer Mutter in Bogotá. „Neulich sagte sie mir, ich sähe ein bisschen blass aus“, erzählt Arjona, lacht und denkt an den kalten deutschen Winter. Aber immerhin: Osnabrück wärmt.