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Kommunale Politik soll Verantwortung zeigen Professor Massarrat spricht über Entwicklung am Arbeitsmarkt im Gewerkschaftshaus in Osnabrück

Von Kathrin Pohlmann | 06.09.2011, 15:48 Uhr

„Arbeitszeitverkürzung“ war das zentrale Thema im Vortrag von Politikprofessor Mohssen Massarrat am Montagabend im Gewerkschaftshaus in Anlässlich der Kommunalwahlen hatten die Gewerkschafter eingeladen, um über die Entwicklung am Arbeitsmarkt zu diskutieren.

Um die Massenarbeitslosigkeit in Deutschland zu bekämpfen, müsse man die Arbeitszeiten verkürzen und die Arbeit neu verteilen, sagte Massarrat. Er schlägt eine 30-Stunden-Woche vor, damit Arbeitslose am Arbeitsvolumen beteiligt werden.

„Wir werden sozial und geistig immer ärmer“, sagte er. Die 30-Stunden-Woche sei eine Lösungsmöglichkeit, da sie dafür sorgen würde, dass Menschen wieder Zeit hätten, sich ihrer Familie, Freizeit und ihren Hobbys zu widmen.

Das bestehende Wirtschaftssystem sei nicht neu, das habe es schon im 19. Jahrhundert gegeben, betonte er und fügte hinzu: „Dieses System hat schon damals zur Katastrophe geführt.“ Auch für den derzeitigen Kapitalismus prognostiziert er einen Zusammenbruch. „Wird es keine Veränderung geben, kommt es zum Zusammenbruch“, sagte Massarrat. Er prangerte in seinem Vortrag auch die Politik an: „Regierungen haben keine Macht – weder die SPD noch die CDU.“ Sie werden seiner Ansicht nach von außen gesteuert, von den Eliten, die das Kapital besitzen. Nur eine Minderheit dieser finanzstarken Oberschicht verstehe die soziale Ungerechtigkeit und fordere eine Besteuerung der Reichen.

Wilhelm Koppelmann vom Verdi-Ortsverein sieht in Massarrats Überlegungen gute Ansätze: „Sein Manifest zu Arbeitszeitverkürzung und Ausbau der öffentlichen Beschäftigung stellt alternative Ideen vor, die deutlich mehr bieten als die Litanei der gescheiterten Marktradikalen in der Krise.“

Neben dem wissenschaftlichen Vortrag Massarrats ging es am Montagabend auch um die „Realität“ in der Arbeitswelt. Tanja Ehlers berichtete von ihren Erfahrungen als Krankenpflegerin. Sie gab ihren Beruf vor Kurzem auf, weil Überstunden, Mangel an Personal und ungesunder Stress ihr die Freude an der Arbeit genommen hatten. „Ich studiere jetzt. Ich hatte einfach keinen Spaß mehr bei der Arbeit“, sagt die 34-Jährige.

„Gewinne werden erzielt, aber immer auf Kosten der Gemeinschaft und der Arbeitnehmer. Wir zahlen also doppelt für einen Irrweg“, betonte DGB-Vorsitzende Petra Tiesmeyer.