Ein Artikel der Redaktion Neue Osnabrücker ZeitungLogo Neue Osnabrücker Zeitung

Kleine Enttäuschung Friedenspreisträger zu Gast im Gymnasium in der Wüste und in der Schlossaula

Von Anne Reinert | 16.09.2011, 15:02 Uhr

Vor der Verleihung des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises am Freitagabend waren die Preisträger unter anderem noch zu Besuch bei Schülern.

Eine kleine Enttäuschung war es für Lena Flohre schon, dass Tahar Ben Jelloun sofort nach seiner Lesung im Gymnasium „In der Wüste“ Richtung Ausgang eilte. Schließlich hatte die Zwölftklässlerin ihre Führung durch die Gärten der Weltreligionen in der Schule extra für ihn auch auf Französisch vorbereitet.

So musste sie ihre Vorträge nur auf Deutsch abhalten. Aber auch damit „bin ich zufrieden“, sagte die Schülerin nach der Führung. Schließlich hätten ihr auch Ben Jellouns Übersetzerin Christiane Kayser und Dr. Jürgen Micksch von Pro Asyl aufmerksam zugehört.

Es war keine böse Absicht, dass der Friedenspreisträger das Gymnasium nach seiner Lesung frühzeitig verließ. Denn Tahar Ben Jelloun hatte sich bei einem Besuch in Berlin eine starke Erkältung zugezogen. Da musste er sich vor der Veranstaltung in der Schlossaula ausruhen.

Vorher hatte er vor den Elft- und Zwölftklässlern der Schule gelesen. Außerdem hatten er und Jürgen Micksch als Vertreter des Sonderpreisträgers Pro Asyl Fragen beantwortet. Der Austausch mit Schülern sei ihm wichtig, sagte Tahar Ben Jelloun bei der Veranstaltung, die von den Schülern Henning Dorff, Lion Dirkers und Lea Schliephake moderiert wurde. Fragen gab es zum arabischen Frühling, zu Flüchtlingen und zu Fremdenhass. Den Schriftsteller sprachen die Schüler dabei souverän auf Französisch an. Das wird nämlich schon ab Klasse 5 unterrichtet.

„Natürlich“, antwortete Ben Jelloun auf die Frage, ob er schon mit Fremdenhass konfrontiert worden sei. Allerdings mache er nicht so massive Erfahrungen wie andere Migranten, weil er als „viel beachteter“ Mensch „privilegiert“ sei. Dennoch handeln Bücher darüber, „weil ich ja nicht immer über mich selbst schreiben muss“.

Neugierig machte die Schüler auch Pro Asyl. Ob die Proteste in Nordafrika Anfang des Jahres auch die Arbeit der Organisation erleichtert hätten, fragte einer. „Leider nein“, entgegnete Jürgen Micksch. Es gebe zwar neue Regierungen in Nordafrika, doch „die europäische Politik ist die gleiche wie früher“.

Literarische Kostproben gab Ben Jelloun im Gymnasium und in der Schlossaula bei der Veranstaltung „Arabischer Frühling – Chancen und Gefahren“. Hatte er nachmittags unter anderem aus seinem Erfolgsbuch „Papa, was ist ein Fremder?“ gelesen, stellte er abends einen Ausschnitt aus „Der Funke“ vor. Die fiktive Kurzgeschichte findet sich in seinem Buch „Arabischer Frühling“ und ist aus der Sicht von Mohamed Bouaziz erzählt, dessen öffentliche Selbstverbrennung Auslöser der Proteste in Tunesien gewesen war. Auch zur Kritik an seiner Nähe zu Marokkos König Mohammed VI. nahm Ben Jelloun Stellung. „Leute, die meine Position kritisieren, kennen mich nicht“, sagte er. Unter Mohammeds Vater Hassan II. habe er Repressionen zu erleiden gehabt und 19 Monate im Gefängnis gesessen. Letztlich sei er diesen Erfahrungen sogar dankbar, fügte er hinzu. Sie hätten ihn zum Schreiben inspiriert.