Ein Artikel der Redaktion

Kinder „retten“ die Post Adventstürchen-Führung durchs Briefzentrum Osnabrück

09.12.2015, 20:03 Uhr

Wenn heute in Osnabrück die Post richtig ankommt bzw. schon gestern den richtigen Weg an ihre Bestimmungsorte genommen hat, dann ist das auch der Verdienst von Emily (8), Lotta (8), Joel (9) und Nils (9), die am Mittwoch bei der NOZ-Adventstürchen-Führung durch das Briefzentrum Osnabrück in Hellern dabei waren.

Bei der Besichtigung der großen Post-Verteilstelle, in der täglich bis zu eine Million Sendungen bearbeitet werden, durften die Kinder dabei helfen, Briefe zu sortieren, sie abzustempeln und sie an die richtigen Stationen für den Weitertransport und die Verladung zu bringen. „Ihr habt uns gerettet, ohne Euch hätten wir das nicht geschafft“, versicherte ihnen Graham Mackenzie, einer der Mitarbeiter des Briefzentrums, dem die Kinder dabei halfen, einen Kasten mit Großbriefen von einem Förderband zu wuchten, ihn mit einem Scanner zu erfassen und dann in die Verladebox für den richtigen Zustellbereich zu stellen. „Dass so eine Kiste so viel wiegt, hätte ich nicht gedacht – das ist ja nur Papier“, meinte Lotta.

Abends kommt die große Flut

Mackenzie und weitere Mitarbeiter wie der Modulführer Olaf Reimann, der den Mädchen und Jungen eine große Maschine mit mehreren Förderbändern vorführte, in der Briefe nach Größe sortiert werden, zeigten den Kindern bei dem Rundgang ihre Arbeitsplätze und ließen sich bereitwillig über die Schulter schauen. Hans Radzuweit, der stellvertretende Leiter des Briefzentrums Osnabrück, führte die Kinder durch die Verteilstelle, die alle Briefsendungen bearbeitet, die im Postleitzahlbereich 49 aufgegeben oder zugestellt werden.

Bei dem Rundgang lernten die Kinder alle Arbeitsschritte kennen, die Sendungen durchlaufen, damit sie so wie gewünscht am richtigen Bestimmungsort ankommen. Wie Radzuweit erklärte, werden die Sendungen tagsüber von Fahrern aus den Briefkästen und per Lkw aus den Post-Filialen eingesammelt. Hauptbetriebszeit im Briefzentrum ist deswegen erst nach 18.30 Uhr, wenn aus den Filialen die große Flut der Sendungen kommt. 180000 bis 200000 Briefe können es locker sein, die täglich in der Region aufgegeben werden – also mehr als Osnabrück Menschen hat.

Erster Schritt bei der Bearbeitung ist das Sortieren nach Größe, wobei im Postjargon zwischen Kurzbriefen, Großbriefen und Maxibriefen unterschieden wird. Maxi-Briefe, also ganz große und bis 1 kg schwere Briefe, sind die einzigen, die noch von Hand gestempelt und sortiert werden – alle anderen Briefarten werden weiter von Maschinen bearbeitet. Im nächsten Schritt werden die Briefe abgestempelt, was u.a. wichtig ist, wie Radzuweit den Kindern erklärte, damit die Briefmarken nicht noch ein weiteres Mal verwendet werden können.

Kaum noch Handarbeit erforderlich

In der nächsten Station werden per Computererkennung die Adressen ausgelesen und ein Strichcode auf die Umschläge aufgedruckt. Mit dem Strichcode versehene Briefe werden schließlich von einer weiteren Maschine entweder für den Weiterversand an eines der anderen 81 Briefzentren in Deutschland oder gleich passend in der richtigen Reihenfolge fürs Austragen für die Zusteller sortiert. Dass der Apparat, der die Briefe in die richtige Reihenfolge fürs Austragen bringt, „Gangfolgesortiermaschine“ genannt wird, amüsierte die Kinder ebenso wie die Eltern, die die Führung ebenfalls begleiten durften.

Klappt die automatische Erkennung eines Adressfeld nicht, wird ein Bild per Computer an eine Zentrale in Düsseldorf übermittelt, wo es von Menschen angesehen und richtig eingegeben wird. 45000 Briefe können stündlich auf diese Weise verarbeitet werden. Wie Radzuweit erklärte, klappt die automatische Erkennung nur bei einem ganz kleinen Teil der Briefe nicht. „Schriften werden fast immer sauber erkannt. Ein Problem ist es nur, wenn Kontraste fehlen – also etwa ein dunkelroter Umschlag mit einem Goldstift beschrieben ist. Das kommt jetzt zu Weihnachten natürlich schon einmal vor“, erklärte er.

Die Stempelmaschine schafft 25000 Briefe pro Stunde – wenn es von Hand gemacht wird, schaffen ganz schnelle Kollegen nach Angaben von Olaf Reimann einen Kasten mit 300 Sendungen innerhalb von 60 bis 90 Sekunden. Allerdings kommt es beim Stempeln nicht nur auf Geschwindigkeit, sondern auch darauf an, dass die Aufdrucke auch leserlich auf die Umschläge aufgebracht werden. „Das ist ganz schön schwer“, fanden Emily, Lotta, Joel und Nils. Nachdem die Kinder fleißig gestempelt hatten, gab es auch ein großes Lob von Radzuweit. „Ihr habt so toll geholfen. Jetzt kann uns heute Abend nichts mehr passieren.“