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Keine Botschafter mehr? Derby will an Städtepartnerschaft mit Osnabrück sparen

Von Holger Jansing | 25.12.2015, 16:33 Uhr

2016 besteht die Partnerschaft zwischen Osnabrück und Derby seit 40 Jahren. Die Vorfreude auf das Jubiläum hat kurz vor Weihnachten einen gehörigen Dämpfer erhalten. Denn die englische Stadt will an der Verbindung sparen. Konkrete Überlegungen gehen dahin, den Austausch von Botschaftern zu beenden.

In Derby mit seinen 250.000 Einwohnern ist die Haushaltslage ähnlich angespannt wie in Osnabrück. Und auch in der englischen Partnerstadt wird intensiv darüber diskutiert, wie sich der Haushalt mittelfristig konsolidieren lässt. Vorschläge für die Budget-Planung bis 2019 liegen auf dem Tisch und sollen im Januar weiter beraten werden. Auch die Städtepartnerschaft mit Osnabrück steht auf der Sparliste.

OB Griesert schickt Appell an Amtskollegen

Oberbürgermeister Wolfgang Griesert hat inzwischen von den Plänen erfahren und mit deutlichen Worten interveniert. In einem Brief an seinen Amtskollegen in Derby appelliert er, die seit 1976 bestehende Botschafterstelle nicht zu streichen. Das sei ein falsches Signal. Der regelmäßige Austausch von jungen Leuten für ein Jahr trage wesentlich zur Verständigung innerhalb eines modernen Europas bei. Durch die Vermittlung der Städtebotschafter seien auf beiden Seiten zahlreiche Kontakte geknüpft worden.

Osnabrück und seine Partnerstädte Angers, Haarlem, Derby, Twer und Çanakkale entsenden seit Jahrzehnten wechselseitig junge Botschafter, die auf bürgerschaftlicher Ebene jeweils die Beziehungen pflegen und vertiefen sollen. In Osnabrück gehört der Austausch von Städtebotschaftern zum Profil der Friedenskulturstadt. Derzeit sind hier Begüm Bucak (Çanakkale), Geoffrey Davoine (Angers), Olga Zhizhileva (Twer), Nelly Vergunst (Haarlem) und Daniel Hampton (Derby) im Einsatz. Sie werden während der nächsten Maiwoche wieder ihren großen öffentlichen Auftritt haben. Sollte Derby an der Rotstiftpolitik festhalten, ist ein Vertreter aus England dann möglicherweise zum letzten Mal dabei.

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In einer Stellungnahme zeigt sich die Ratsfraktion der Grünen besorgt über die Pläne der Partnerstadt, die Botschafterstelle in Derby zu streichen und alle Aktivitäten zwischen Osnabrück und Derby auf ein Minimum zu reduzieren. „Wir appellieren an unsere Partnerstadt, diesen Vorschlag zu überdenken“, so der Fraktionsvorsitzende, Michael Hagedorn, und der Vorsitzende des Kulturausschusses, Sebastian Bracke. In Zeiten, in denen der Zusammenhalt der Europäischen Union auf politischer Ebene auf harte Proben gestellt sei, sei die Förderung von bürgerschaftlichen Kontakten über nationale Grenzen hinaus wichtig. „Die europäische Idee muss gerade heute mit Leben gefüllt werden. Auch deshalb haben wir in Osnabrück den Konsolidierungsvorschlag bei den Städtebotschaftern abgelehnt“, so die beiden Grünen.

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Nach Ansicht der Grünen leisten die Botschafter einen enormen Beitrag zum Austausch und zur Kontaktpflege über den politischen Raum hinaus. Zudem sind sie ein einmaliges Zeichen der Partnerschaft und zugleich Aushängeschild der Stadt Osnabrück und ihrer Partnerstädte. „Deshalb fordern wir den Oberbürgermeister auf, mit unseren Freunden aus Derby zu sondieren, wie das Verhältnis weiter vertieft werden kann und welche Möglichkeiten bestehen auch über das 40. Jahr der Partnerschaft hinaus den Botschafteraustausch fortzuführen“, so Hagedorn und Bracke in einer Pressemitteilung.

Es ist nicht das erste Mal, dass in Derby die Städtepartnerschaft mit Osnabrück auf dem Prüfstand steht. Bisher wurden die wesentlichen Eckwerte aber nicht angetastet.