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Kein Splatter James Wan präsentiert heimtückischen Gruselschocker: „Insidious“ ist nichts für schwache Nerven

Von Frank Jürgens | 22.07.2011, 10:38 Uhr

Regisseur, Drehbuchautor und Produzent James Wan ist bislang insbesondere als Erfinder der berüchtigten „Saw“-Filme bekannt. Bei all dem oberflächlichen Gemetzel der Teile 2 bis 7 wird schnell übersehen, dass der erste Teil – der einzige, bei dem Wan auch selber Regie geführt hat – seine Spannung in erster Linie einer grundsoliden Dramaturgie zu verdanken hat. Nun beweist der Australier, der mit hervorragenden Darstellern wie Rose Byrne oder Leigh Wannel gleich mehrere Akteure aus seiner Heimat ans Set von „Insidious“ mitgebracht hat, dass es auch nahezu ohne teure Blut-, Splatter- und sonstige Spezialeffekte geht.

Der für angeblich relativ lächerliche 1,5 Millionen Dollar entstandene Gruselschocker ist im besten Sinne des Wortes altmodisch zu nennen. Das beweist bereits der in bestechender SchwarzWeiß-Optik gehaltene Vorspann, der in bester Hitchcock-Manier unterschwellig Angst generiert, ohne dass die Zuschauer überhaupt nur eine Ahnung davon haben, worum es im Film geht.

So viel sei trotzdem vorweg verraten: Eine fünfköpfige Familie bezieht ein altes Haus. Was mit seltsamen Geräuschen beginnt, endet für den älteren Sohn Dalton (Ty Simpkins) in einem unerklärlichen Koma. Auch wenn Vater Josh (Patrick Wilson) nicht an vermeintlichen Mummenschanz wie spukende Altbauten glaubt, gibt er dem Drängen seiner Gattin Renai (Rose Byrne) nach und zieht mit der Familie um. Die Frage bleibt: War es wirklich das alte Haus?

Unter der Regie von Wan ist hier ein kleines Meisterstück des Horror-Genres entstanden, das ganz bewusst den Fußstapfen klassischer Vorbilder von Murnau bis Hitchcock folgt. Wan bedient sich einfacher, dafür effektiv eingesetzter Mittel wie Licht, Schatten und Dunkelheit sowie extremer Perspektiven, in denen man das Grauen nicht sieht, sondern zumeist nur in Form schemenhafter Wesen angedeutet zu sehen bekommt – wenn überhaupt. Untermalt von einem verstörend atonalen Sounddesign, erzeugt „Insidious“ nicht nur unglaublich wirkungsvolle Schockeffekte in Bild und Ton, sondern schafft ein atmosphärisch dichtes, stimmungsvolles Ganzes. Ein Teil der Bilder entsteht hier erst im Kopf der Zuschauer. Und die kann kein noch so teurer CGI-Spezialeffekt ersetzen. Das Ergebnis schleicht sich so „insidious“ (deutsch: heimtückisch) in die Köpfe der Zuschauer, wie es der englischsprachige Titel verspricht. Mit Sicherheit nichts für schwache Nerven.

„Insidious“. USA 2010. R: James Wan. D: Rose Byrne, Patrick Wilson, Leigh Wannel, Barbara Hershey. Laufzeit: 102 Minuten. Ab 16 Jahren. CineStar