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„Kein Luxusproblem“ Osnabrücker Zentrum für Begabtenförderung eröffnet

Von Stefan Buchholz | 06.11.2015, 16:47 Uhr

In der Stadt gibt es ab jetzt auch eine räumliche Anlaufstelle für Eltern von hochbegabten Kindern und Jugendlichen. Das Osnabrücker Zentrum für Begabtenförderung hat jetzt in Sutthausen seine Türen geöffnet.

Hinter dem neuen Zentrum steht der Verein „Grips & Co“. „Bislang haben wir die Beratungsarbeit von zu Hause aus erledigt“, erzählte die Vereinsvorsitzende Sabine Hogrebe. Es hätten schlicht die finanziellen Mittel gefehlt, um geeignete Räume anzumieten. Die aber brauche man, um der seit der Vereinsgründung 2008 stetig wachsenden Zahl von Anfragen und Beratungsleistungen adäquat begegnen zu können, so Hogrebe.

Erst Spenden der Stiftung der Sparkasse Osnabrück über 5000 Euro und des L+T-Clubs in Höhe von 7531 Euro machten das Zentrum in der Gröbelstraße möglich. Dort will man regionale Anlaufstelle und Interessensvertretung sein sowie Angebote für Eltern und hochbegabte Kinder und Jugendliche weiterentwickeln.

Dass Beratungsarbeit mit dem Thema „Hochbegabung“ kein gesellschaftliches Luxusproblem darstellt, machte Sebastian Renger bei der Eröffnung der neuen Räume deutlich. Der Geschäftsführer des Deutschen Zentrums für Begabtenforschung und Begabtenförderung (Hannover) hielt fest, dass sich hochbegabte Menschen danach sehnten, emotional und intellektuell verstanden zu werden. Oftmals rührten Schwierigkeiten in der Persönlichkeitsentwicklung bei Hochbegabten daher, dass sie ihre Andersartigkeit verinnerlicht hätten. „Weil mich keiner versteht, kann etwas mit mir nicht stimmen“, schilderte Diplom-Psychologe Renger das Dilemma. Umgekehrt: Würden die Themen von Erwartung zu groß und einseitig („Warum zeigt er nicht, dass er hochbegabt ist?“) könne es zu Leistungsangst, Minderleistung oder sozialem Rückzug kommen.

Renger machte auch auf die Not der Eltern aufmerksam, denen man oft unterstelle, sie hätten mit ihrem hochbegabten Kind ein Luxusproblem. „Damit beweist man, dass man sie nicht verstanden hat. In diesem einmaligen Projekt von Beratung und Fortbildung bietet das OZBF die Unterstützung von Familien und Schulen.“