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Kalte Zigarre in der Prüfung Seinen Führerschein zahlte der Chef

Von Rainer Lahmann-Lammert | 17.07.2014, 15:31 Uhr

Kleiner Mann, was nun? Als Wolfgang Quade sich für seinen Führerschein fotografieren ließ, war er 18, was damals aber noch nicht volljährig hieß. Die Unterlippe hängt etwas und lässt den Gesichtsausdruck ein wenig unsicher erscheinen. Vielleicht ein Ausdruck der damaligen Zeit. Es war 1952, sieben Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Aber Wolfgang Quade wusste, was er wollte.

Seinen Führerschein bezahlte der Chef. Wolfgang Quade war Lehrling in einem Großhandel für Sattler- und Polsterartikel an der Goethestraße. Da kamen freitags immer die beiden Vertreter von ihren Reisen zurück und brachten neue Aufträge mit. Ihre Autos, zwei VW Käfer, mussten gewaschen werden, damals ganz selbstverständlich ein Job für die Lehrlinge.

Der Chef, ein älterer Herr namens Hans Wilker, setzte sich nicht gern ans Steuer. Aber es blieb ihm nicht verborgen, dass Wolfgang sich für die Autos interessierte. Und darauf brannte, seinen Führerschein zu machen. Nach sieben oder acht Fahrstunden, so erinnert sich der damalige Fahranfänger, hatte er seinen Termin beim Fahrprüfer Franke.

Vom TÜV an der Alten Poststraße ging es den Klushügel hinauf, die Straße war etwas rutschig, und das nichtsynchronisierte Getriebe gab ächzende Geräusche von sich. Weil dem Fahrprüfer die Haltung seines Aspiranten etwas verkrampft erschien, drückte er ihm eine kalte Zigarre in die Hand, die er zwischen Zeige- und Mittelfinger nehmen sollte. Damit ging‘s dann lockerer und die weitere Prüfung verlief ohne Probleme.

Mit dem grauen Formular in der Tasche durfte Wolfgang Quade häufig den Chef fahren, manchmal auch über die rumpelige Landstraße bis nach Kassel oder Wilhelmshaven. Und den Dienstwagen, einen VW Käfer mit Brezelfenster, vertraute der ihm nach Feierabend auch für die Fahrt nach Hause an.

Autofahren gehörte für den gelernten Großhandelskaufmann immer zum Beruf, auch als er sich 1979 mit dem Aufzugsbau selbstständig machte. „Jedes Jahr 40000 Kilometer“, rechnet Wolfgang Quade vor. Inzwischen ist es weniger geworden, denn der Sohn führt das Unternehmen.

Mit 80 fühlt sich der Senior aber immer noch fit genug, Auto zu fahren. Seinen Führerschein mit dem Jugendfoto musste er in all den Jahren nur ganz selten vorzeigen.

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