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Kakerlaken im Cinestar Osnabrück Geschasste Kino-Chefin geht vor Gericht aufs Ganze

Von Sebastian Stricker | 05.05.2016, 12:31 Uhr

Im Kündigungsstreit zwischen der Chefin des Cinestar Osnabrück und dem Kinobetreiber ist eine gütliche Einigung vom Tisch. Die nach einer Kakerlaken-Plage fristlos entlassene Theaterleiterin lehnt den vom Arbeitsgericht unterbreiteten Vergleichsvorschlag ab.

Ausschlaggebend für das Nein der Klägerin sei die Höhe der empfohlenen Abfindung, sagte ihr Rechtsanwalt Manfred Kubillus unserer Redaktion. 16.000 Euro hatte die zuständige Kammer Ende April zur Verhandlungsbasis erklärt. Die 37-jährige Kino-Chefin besteht auf das Doppelte.

Goldener Handschlag: Alles oder nichts

Ihre Forderung entspreche der Regelabfindung, so Kubillus weiter. Gemeint ist das Produkt aus Beschäftigungsjahren und halbem Bruttomonatsgehalt, hier ungefähr 32.000 Euro. Angesichts einer „mindestens offenen Prozesslage“ gebe es keinen Grund für seine Mandatin, sich mit weniger zufriedenzugeben.

Ihr Arbeitgeber, die zur Cinestar-Gruppe gehörende Neue Filmpalast GmbH (Lübeck), will hingegen am liebsten ganz auf einen goldenen Handschlag verzichten. „Eine Abfindungslösung kommt für uns nicht in Betracht“, hatte Cinestar-Anwalt Patrick Zeising beim Gütetermin vorige Woche in Osnabrück deutlich gemacht. Nur zähneknirschend nahmen er und Cinestar-Personaldirektorin Simone Philipp den gerichtlichen Vergleichsvorschlag mit, der statt der fristlosen Kündigung vom 12. Januar unter anderem auch eine ordentliche Kündigung zum 31. Juli sowie die Freistellung der Klägerin bei vollen Bezügen vorsah.

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Mit dem Veto der geschassten Theaterleiterin steht nun bereits lange vor Ablauf der Annahmefrist am 10. Mai fest, dass es zu einem weiteren Kammertermin kommt. Dieser wurde für den 24. Mai (11 Uhr) anberaumt. Möglicherweise fällt das Osnabrücker Arbeitsgericht dann ein Urteil.

Erledigt wäre der Kündigungsstreit damit aber wohl nicht: Wahrscheinlich ist vielmehr eine Berufungsverhandlung vor dem Landesarbeitsgericht in Hannover. Beide Parteien hatten schon zum Prozessauftakt angekündigt, die Sache je nach Ausgang durch die Instanzen zu tragen.

Ware im Wert von 16.000 Euro beseitigt

Hintergrund der juristischen Auseinandersetzung ist eine Schädlingsplage im Cinestar Osnabrück im November 2015. Die Kino-Chefin hatte damals tonnenweise Lebensmittel und Einweggeschirr beseitigt, unter anderem Popcorn-Zutaten, Nachos und Schokolade, außerdem Becher, Trinkhalme und Servietten. Ihren Angaben zufolge entsorgte sie die von Kakerlaken befallene Ware (Gesamtwert 16.000 Euro) eigenhändig im Hausmüll.

Der Kinobetreiber nimmt ihr das jedoch nicht ab – im Gegenteil: Cinestar verdächtigt seine Osnabrücker Theaterleiterin der Unterschlagung und hat deswegen sogar Anzeige gegen die 37-Jährige erstattet. Ihr Anwalt Kubillus hält diesen Vorwurf unter Berufung auf die Polizei inzwischen für widerlegt. Die strafrechtlichen Ermittlungen seien allerdings noch nicht abgeschlossen, teilte die Staatsanwaltschaft Osnabrück dazu am Mittwoch auf Nachfrage unserer Redaktion mit.