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Kaffee kochen mit Diplom Osnabrücker Jungunternehmer mit ihrem „Coffee-Bike“ auf Erfolgskurs

26.10.2011, 15:02 Uhr

Tobias Zimmer und Jan Sander haben BWL studiert. Mit ihrem Diplom in der Tasche stehen sie heute auf der Großen Straße und kochen Kaffee. Um es vorwegzunehmen: Nein, die beiden jungen Männer sind keine ewigen Praktikanten, und sie verkaufen sich auch nicht unter Wert. Das Kaffeekochen, das sie seit einem Jahr auf deutschen Straßen betreiben, hat Niveau: Denn mit gerade mal 25 Jahren haben die beiden Osnabrücker ihr eigenes Unternehmen gegründet, das bereits jetzt außerhalb der deutschen Grenzen expandiert.

Wer hin und wieder durch die Innenstadt läuft, wird das nostalgisch angehauchte Gefährt bereits gesehen haben: Aus einem einfachen Fahrrad haben Tobias Zimmer und Jan Sanders ein Verkaufsmobil der besonderen Art gebastelt. Es ist ein mobiler Kaffeestand, der sich fortbewegt wie ein herkömmliches Rad – eben über die Pedalen – und im Herzen aus einer hochwertigen Kaffeemaschine besteht. In dieser Kombination haben die beiden Jungunternehmer es auf den Namen „Coffee-Bike“, auf Deutsch: Kaffee-Fahrrad, getauft.

Genau so heißt auch ihr dazugehörendes Unternehmen, das jetzt bereits nach einem Jahr Anstalten macht, weltweit zu expandieren: „Wir haben schon Franchise-Anfragen aus New York, Kanada, Frankreich, China, Südamerika und Polen“, berichten die beiden Existenzgründer, die sich bereits aus der Grundschule in Bissendorf kennen. Bis zum Abitur 2005 am Graf-Stauffenberg-Gymnasium haben sie gemeinsam die Schulbank gedrückt. „Und bevor wir ins Studium gegangen sind, haben wir gesagt, dass wir uns irgendwann wieder treffen und etwas gründen“, erinnert sich Jan Sander. Und prompt kam es auch so: Nachdem Tobias Zimmer sein BWL-Studium in Marburg, New York und Südkorea abgeschlossen hatte und Jan Sander sein duales Studium beim Osnabrücker Textillogistik-Unternehmen Meyer und Meyer absolviert und zudem Praxiserfahrungen als Regionalverkaufsleiter bei Aldi Süd gesammelt hatte, trafen sie sich 2009 wieder.

Ein guter Zeitpunkt für das, was sie sich nach der Reifeprüfung versprochen hatten. Im Urlaub in Dänemark liefen sie mehr oder weniger auf ihre Unternehmensidee zu. In der Fußgängerzone entdeckten sie ein Kaffeefahrrad – ähnlich, wie sie es heute betreiben. Und es sei nicht nur eines gewesen, wie die beiden berichten: Im hohen Norden sei diese Art von Kaffee-Verkaufsstellen sehr verbreitet gewesen. „Eine tolle Sache“, dachten sich die Freunde, gleich verbunden mit der Frage, ob sich so was nicht auch in Deutschland gut machen würde.

Wieder zurück, machten sich die beiden an die Arbeit und kreierten ihre eigene Vorstellung vom Kaffee-Fahrrad. Einem Business-Plan folgten handwerkliche Arbeitsstunden in der Garage von Tobias’ Eltern in Bissendorf. Irgendwann war der Prototyp des späteren „Coffee-Bikes“ fertig. Parallel dazu kümmerten sich Zimmer und Sander um das eigentliche Produkt, das sie frisch aufgebrüht verkaufen wollten.

Ein knappes Jahr später, im Herbst 2010 war das Paket geschnürt: Fahrrad, Kaffee, Konzept – alles stand. Auch der erste Verkaufsort war beschlossene Sache. Im Raum Hannover hatten die beiden am schnellsten Glück und bekamen Genehmigungen von den Kommunen. „Das ist ohnehin das schwierigste Kapitel“, bemerken die beiden Jungunternehmer. Sie würden schon jetzt „wesentlich weiter“ sein, wenn doch nicht die bürokratischen Schwierigkeiten mit den Städtelizenzen zu bewältigen wären.

Der Start in Hannover sei „hervorragend“ verlaufen. Im April 2011 standen für die beiden Osnabrücker auch in ihrer Heimatstadt die Ampeln auf Grün: Seitdem sind sie auch hier mit zwei Kaffeerädern vertreten.

Das Ziel, aus dem Coffee-Bike-Unternehmen ein weltweit aktives Franchise-Unternehmen zu machen, sieht nach aktuellem Stand gar nicht unrealistisch aus. „Wir haben nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Ländern diverse Anfragen.“ Das Einzige, worauf meist noch gewartet werden müsse, seien die Lizenzen. „Damit legt man willigen Jungunternehmern schon wirklich dicke Steine in den Weg“, bemerkt Zimmer.