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Kabarett in der Lagerhalle Schöner leben mit Frieda Braun

Von Uta Biestmann-Kotte | 05.12.2015, 10:00 Uhr

Dicke Brille, Viskosejäckchen, Wortwitze mit rollendem R und eine Mimik mit der Lizenz zum Entgleisen – im Part des Winterberger Originals Frieda Braun brilliert sich die 1963 geborene frühere Werbetexterin Karin Berkenkopf beim Kabarettfestival in der Lagerhalle durch alle Facetten einer sauerländischen Klatschtante.

Mit ihrem Programm „Rolle Vorwärts“ ließ die rührige Frieda am Donnerstag beim Osnabrücker Kabarettfestival im gut besuchten Saal der Lagerhalle nicht nur den neuesten Winterberg er Klatsch vom Stapel, sondern bot zudem akute Lebenshilfe an. Was tun, wenn die Leute neben dem „Björn Aut“ nicht mehr mit dem Arbeiten aufhören können? Wie soll sich „das Fine“ gegen seinen Mann Otto durchsetzen, der als pensionierter Feuerwehrmann nicht von Sirenen-Paraden lassen kann? Und wie gefällt man sich morgens trotz Kopfkissenabdruck im Gesicht, wenn die Nacht wieder „mit Gravur bestanden“ ist?

Abhilfe schafft ein von Friedas „Splittergruppe“ ausgetüfteltes Kursprogramm, bei dem Jäger Rudi ebenso mit von der Partie ist wie Krankenschwester Erika („Der mündliche Patient“) oder Computer-Oma Ziska („Internet für Silbersurfer“). Weniger Glück hat „das Viola“ mit „Nacktschwimmen bei Walgesang“. Denn wie Frieda weiß: „Der Kopf vergisst schneller, der Körper langsamer“. Und weil das so ist, bot Frieda unter Einbeziehung einzelner Zuschauer mit den aufbauenden Sätzen „Ich bin schön! - Du bist schön!“ ambulante Seelenpflege.

Tratschereein über Prinz Charles

Dazu kamen Tratschereien über das Aussehen von Prinz Charles („Winds-Ohr“), das stagnierende Eheleben von Bernd und „s´ Carola“, den Überfall von Trojanern in Ziskas Computerraum oder über Toilettenpapier mit Spekulatiusduft. Und was hat man von einem empfindlichen „Zartphone“, bei dem bei falscher Berührung gleich das Licht ausgeht?

Wie das Leben ohne Smartphone aussah, demonstrierte Frieda mit einem grandiosen pantomimischen Akt im Kampf mit einem 20 Meter langen Telefonkabel, als es im Flur nur ein grünes Telefon mit Wählscheibe und edlem „Brokatcape“ gab. Mit der Ankündigung „Wir machen´s kurz, aber peinlich“, lieferte Frieda Braun am Ende ihres zweistündigen Programms noch eine Anekdote über die Auswirkungen von Zwiebelkuchen und Federweißer auf ihren Gatten Erwin und verabschiedete ihr begeistertes Publikum mit jenem Satz, der zum Leitthema des Abends avanciert war. „Du bist schön!“