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Kabarett in der Lagerhalle Aparte Kleinkunst: „Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie“

Von Tom Bullmann, Tom Bullmann | 26.02.2017, 17:19 Uhr

Es wird gefrotzelt und provoziert, wenn Wiebke Eymess und Friedolin Müller in den Clinch gehen. Mit ihrem poetisch-literarischen Comedy-Kabarett hinterlassen die beiden Hannoveraner im Spitzboden der Lagerhalle einen überaus charmanten Eindruck.

Kann man eine Spinnenphobie mit der Ausländerpolitik vergleichen? „Ich habe ja nichts gegen Spinnen, solange sie draußen bleiben und nicht in mein Haus kommen.“ Wiebke hat die Spinnenphobie, Friedolin stellt den politisch unkorrekten Vergleich an: im Spitzboden der Lagerhalle. Dort ist ein Paar zu Gast, das die Begriffe Kabarett oder Comedy neu interpretiert. Charmant, liebevoll, auch mal hinterhältig und bisweilen sogar ruppig gehen die beiden, die auch privat ein Paar sind, unter dem Motto „Paradiesseits“ in den Clinch. Mit einigen Liedern bringen sie auch noch einen musikalischen Akzent in dem poetisch-literarischen Comedy-Kabarett mit dem unmöglichen Namen zum Klingen.

„Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie“ nennen sich Wiebke Eymess und Friedolin Müller und erinnern damit an einen Spruch aus vergangenen Zeiten, als der Mann nach amourösen Stunden ein paar Geldscheine bei der Frau zurückließ. Rätselhaft und anrüchig sollte der Name wirken, genauso wie die Schau der beiden Hannoveraner. Die entwickelt ihren Reiz durch ausgefuchste Dialoge, mit deren Hilfe Gegensätze herauskristallisiert werden. Friedolin ist der Durchblicker, der Klugscheißer, der Macho, sie spielt die Hübsche, Blonde, doch Trottelig-Naive, die sich gegen ihn zu behaupten versucht, um dann mit überaus intelligenten Zwischenbemerkungen zu überraschen. Womit sie beweist, dass sie es faustdick hinter den Ohren hat.

Landleben, Ernährung, Umwelt, Haustierhaltung, Familie, Intimrasur, die Themenvielfalt ist groß. Das ungleiche Paar kommt von Hölzchen auf Stöckchen, entwickelt abstruse Assoziationsketten und frotzelt sich sogar in den gemeinsam gesungenen Liedern noch gegenseitig an. Das ist aparte Kleinkunst als angenehmer Kontrast zu vielen schräg-schrillen Komödianten, die heutzutage die Bühnen unsicher machen.