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Jugendliche in Bad Essen missbraucht Landgericht Osnabrück muss sexuellen Missbrauch erneut verhandeln

Von Sven Kienscherf, Sven Kienscherf | 06.02.2017, 13:40 Uhr

Ein 41-jähriger Mann aus Oschersleben muss sich am Dienstag vor dem Landgericht Osnabrück wegen sexuellen Missbrauchs verantworten. Der Angeklagte hatte als Hausleiter einer Jugendeinrichtung in Bad Essen Jugendliche missbraucht. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte ein früheres Urteil in Teilen aufgehoben und den Mann in 26 Fällen freigesprochen.

Der Mann war zunächst in 53 Fällen schuldig gesprochen und zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Er hatte Revision gegen das Urteil eingelegt.

Nach Ansicht des BGH war die rechtliche Bewertung teilweise fehlerhaft, weil das Landgericht in seinem Urteil in 26 Fällen davon ausgegangen war, dass die betroffenen Kinder und Jugendlichen zum Zeitpunkt der Tat behördlich verwahrt worden waren. Dies sei aber nicht der Fall gewesen, da der Unterbringung im Heim keine behördliche Anordnung zugrunde liegt. Stattdessen entscheiden über die Unterbringung die Eltern oder ein Vormund, falls den Eltern das Sorgerecht entzogen worden ist.

In einem weiteren Fall hatte das Landgericht den Angeklagten wegen eines gescheiterten Versuchs verurteilt, einen Schützling zu missbrauchen. Das Opfer hatte zunächst das Ansinnen des Angeklagten abgelehnt, ihn mit der Hand zu befriedigen. Der Angeklagte hatte zwei andere Jugendliche der Wohngruppe daraufhin aufgefordert, sich um den Jungen „zu kümmern“, ao das Gericht.

Die beiden Jugendlichen schlugen den Jungen, in der Folge kam er der erneuten Aufforderung des Angeklagten zum Handverkehr nach. Ein fehlgeschlagener Versuch ist nach Ansicht des BGH nicht ausreichend belegt: Es bedürfe weiterer Feststellungen zu den Zielen und Vorstellungen des Angeklagten.

Das Urteil von fünf Jahren und sechs Monaten hat laut BGH keinen Bestand, da das Landgericht die oben genannten Fälle neu bewerten muss.

Die Verhandlung am Landgericht Osnabrück beginnt am Dienstag, 7. Februar 2017, um 9.15 Uhr, Saal 188. Es ist möglich, dass die Öffentlichkeit von der Verhandlung ausgeschlossen wird.