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Joy - Alles außer gewöhnlich David O. Russell variiert den amerikanischen Traum

Von Frank Jürgens | 31.12.2015, 09:00 Uhr

Osnabrück Jennifer Lawrence, Robert De Niro, Bradley Cooper, ein Wischmop und noch mehr Stars brillieren im neuesten Film von David O. Russell („American Hustle“).

Von all den wahren Geschichten, die das Kino im Allgemeinen und David O. Russel im Besonderen zu erzählen haben, gehört diese hier zu den Ungewöhnlichsten. Eine einfache Frau, Typ allein erziehende Mutter in chaotischen Familienverhältnissen, tüftelt an einem Wischmop und wird dank ihrer Beharrlichkeit und ihres Durchsetzungsvermögens über diese scheinbar profane Erfindung zur Multimillionärin. Den bereits vor rund 25 Jahren fleißigen TV-Verkaufssendern sei es gedankt.

Im Grunde genommen ist dies nur eine weitere Variante all der Erzählungen und Versprechungen um den sich nur selten verwirklichenden amerikanischen Mythos „vom Tellerwäscher zum Millionär“. Ein beliebig austauschbares Märchen, das im schlimmsten Fall mit verlogenem Pathos von wahren Nöten und Sorgen ablenken soll. Aber wie bei allen guten Geschichten kommt es auch hier nicht darauf an, was sie erzählen, sondern wie sie erzählt werden.

Meister seines FachsUnd darin erweist sich Regisseur Russel („American Hustle“) erneut als Meister seines Fachs. Gemeinsam mit den brillanten Hauptdarstellern aus seinen vorigen Filmen gelingt ihm die Gratwanderung zwischen Satire und Melodram, der Spagat zwischen unterschiedlichen Lebenswelten und ein augenzwinkernder wie aufklärerischer Blick hinter die Mechanismen der Medienwelt, genauer: die Welt der bis heute erfolgreichen Verkaufskanäle.

Tatsächlich entwickelt sich aus diesen Zutaten eine selbstverständlich auch dramaturgisch spannend ausgestaltete Geschichte, die freilich nicht ohne Hindernisse zum erfolgreichen Ziel der Protagonistin führt. Hauptdarstellerin Jennifer Lawrence lässt ihre ambivalent angelegte und durchweg glaubwürdig wirkende Titelheldin Joy auf dem Weg dorthin durch allerlei Höhen und Tiefen rauschen.

Schrullige FamiliengeschichteDarüber hinaus legt Russel sein nach wahren Motiven motiviertes Erfolgsdrama vor allem auch als schrullige Familiengeschichte an, in der unter anderem das „beste geschiedene Paar Amerikas“, ein zurückgegebener, aber nicht wieder angenommener Ehemann ( Robert De Niro ) sowie Joys über weite Strecken lebensuntüchtige, TV-Seifenopern verfallene Mutter (Virginia Madsen) gegen idealtypische Familienvorstellungen bestehen.

Auch wenn „Joy – Alles außer gewöhnlich“ gegen Ende dann doch zu sehr in typische Hollywood-Erzählmuster abrutscht, lohnt sich der Film alleine schon wegen der tollen Besetzung, zu deren Stars unter anderem noch Bradley Cooper , Isabella Rossellini und natürlich der legendäre Wischmop zählen.