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„Jeder Mensch ist ein Tänzer“ Mit dem Körper Geschichten erzählen: Kinder-Workshop in der Osnbrücker Ballettschule Escano

Von Marie-Luise Braun | 27.11.2011, 15:40 Uhr

Kaum kommen die Mädchen in den Ballettsaal, springen sie auch schon los. „Schau mal“, sagt eines von ihnen zu Gisela Peters-Rohse und probiert eine Schrittfolge. Die Tanzpädagogin ist sogleich in ihrem Element, nickt den Rhythmus mit und weist auf den Fuß, der jeweils vorne zu sein hat. „Schön“, lobt sie und beginnt dann mit ihrem Workshop zum Kindertanz in der Ballettschule Escano.

Konzentration sollen die Kinder zwischen acht und zehn Jahren lernen – und Körperspannung entwickeln. Zudem möchte Gisela Peters-Rohse Rhythmusgefühl vermitteln. Das tut sie zunächst mit dem Rhythmus der Sprache und lässt die Mädchen sich nach Sätzen bewegen: „Erst kommt das Abc, dann kommt das Einmaleins“, gibt sie vor, und die Kinder in rosa- und fliederfarbenem Dress springen erst auf das rechte Bein, dann auf das linke.

Reihenfolge und Tempo klappen nicht immer. Denn es ist gar nicht so einfach, zwei Arme und zwei Beine so zu koordinieren, wie der Kopf es will. Und dann kommen noch die Himmelsrichtungen hinzu. „Straße, Spiegel, Fenster“, gibt Gisela Peters-Rohse Richtungshilfen. Und die Mädchen folgen diszipliniert. Eine Stunde lang.

„Es hat Spaß gemacht“, sagen Johanna und Sophia, beide acht Jahre, hinterher. Sophia ist das erste Mal bei einem Workshop mit Peters-Rohse dabei und genießt es, sich auszuprobieren. Und Johanna meint: „Es ist mal etwas anderes als klassisches Ballett.“

Nach der Lehre von Rudolf von Laban hat Peters-Rohse (Jahrgang 1938) eine Methode entwickelt, die Kinder altersgemäß an diese Kunst heranführen soll. „Jeder Mensch ist ein Tänzer“, sagt sie in Anlehnung an das Beuys-Diktum „Jeder ist ein Künstler“. Sie möchte Kindern helfen, Empfindungen mit dem Körper auszudrücken und so Geschichten zu erzählen. Lange Jahre war sie Dozentin für Tanzpädagogik an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln.

Bettina Escano hat bei Gisela Peters-Rohse einen Teil ihres Studiums zur Tanzpädagogin absolviert. Mehrfach hat die Ballettlehrerin ihre eigene Lehrerin seither zu Workshops und für Choreografien an die Hase geholt.

Mit den acht Mädchen will Peters-Rohse in zwei Stunden Training die Geschichte von kleinen Hexen entwickeln. Und so diszipliniert, wie die Elevinnen sind, wird das sicherlich auch klappen.