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Japanisch-deutscher Austausch Schüler aus Fukushima besuchen Gesamtschule Schinkel

Von Anne Sophie Köstner | 11.08.2017, 19:49 Uhr

Jugendliche aus Fukushima haben die Gesamtschule Schinkel besucht, um mit den Schülern der 11. Klasse über die Atomkatastrophe und erneuerbare Energien zu reden. Dabei war der japanische Botschaftsrat aus Berlin, Kotaro Kawamata. Er koordiniert das deutsch-japanische Austauschprogramm.

Bei dem schweren Erdbeben und der Reaktorkatastrophe im März 2011 waren die Jugendlichen aus Fukushima acht bis zehn Jahre alt. Inzwischen ist das Ereignis schon sechs Jahre her, doch den japanischen Schülern ist wichtig über die Ereignisse und Folgen zu sprechen.

Sie alle kommen aus Fukushima und wohnen 60 bis 70 Kilometer vom zerstörten Atomkraftwerk entfernt. Die acht Jugendlichen aus Japan besuchten zwei elfte Klassen der Gesamtschule Schinkel. Der japanische Botschaftsrat Kotaro Kawamata und Fachbereichsleiter für Umwelt und Klimaschutz der Stadt Osnabrück, Detlef Gerdts, sowie Naoya Kodama von der Organisation Earth Walkers, ein Umweltprojekt für Jugendaustausch in Japan, begleiteten die jungen Leute.

Schüler hatten viele Fragen

„Könnt ihr euch noch an den Tag erinnern?“, fragten die Schüler der Gesamtschule „Wo warst du, als die Katastrophe passiert ist?“ und „Was denkst du über erneuerbare Energien?“ Sie hatten im Vorfeld Fragen vorbereitet. Auf Englisch oder mithilfe einer Dolmetscherin kamen die Schüler mit den japanischen Jugendlichen ins Gespräch.

Die 15-jährige Miyu Ito erinnerte sich noch gut an den Tag, an dem sie im Haus einer Freundin war. Sie sei sehr verängstigt gewesen, als die Erde bebte. Erst als sie im Fernsehen sah, was passiert war, konnte sie die Größe der Katastrophe realisieren. Sie erzählte davon, dass sie kein Wasser trinken und nicht nach draußen durfte; dass sie Glück hatte nicht schwerer getroffen worden zu sein. In ihrem Leben habe sie nie mehr Angst gehabt, als an diesem Tag. „Viele Menschen sind ums Leben gekommen und viele haben ihr Zuhause verloren“, berichtete sie den Schülern.

Der Austausch ist wichtig

Es sei wichtig, über das zu reden, was passiert ist, meinte die 15-Jährige. Dass viele junge Menschen sich nicht dafür interessieren, sei ein großes Problem. Auch Detlef Gerdts betonte, wie wichtig die Begegnung auch über die Ländergrenzen hinweg sei, um Erfahrungen und Informationen auszutauschen.

 Botschaftsrat Kotaro Kawamata erklärte den Schülern, dass sich in Japan durch die Katastrophe viel geändert habe. So seien nach dem Unglück 50 Atomkraftwerke geschlossen und streng überprüft worden. Nur vier von ihnen wurden wieder in Betrieb genommen. Er und die Jugendlichen sehen, wie sich auch in Deutschland etwas nach der Nuklearkatastrophe in Japan verändert habe.

Nächstes Jahr wieder

Jedes Jahr kommen Schüler aus Fukushima zu Besuch nach Deutschland im Rahmen des deutsch-japanischem Austausches. Da den Schülern der Gesamtschule das Treffen mit den japanischen Jugendlichen so gut gefallen hat und sich die Schüler sehr gut verstanden haben, möchte die Gesamtschule die japanischen Schüler nächstes Jahr wieder einladen.

Die Gesamtschule Schinkel setzt sich in verschiedenen Projekten für Umwelt- und Klimathemen ein. Unter anderem benutzt die Schule Ökostrom. Auch wird mit Holz anstatt mit Öl geheizt. „Als Unesco Projekt-Schule ist es unser Ziel, junge Menschen zum Nachdenken anzuregen und sie dazu zu bewegen aktiv zu werden für den Schutz von Klima und Umwelt“, so Schulleiter Udo Cronshagen.