Ein Artikel der Redaktion Neue Osnabrücker ZeitungLogo Neue Osnabrücker Zeitung

Jahresbilanz 2015 Stadtwerke Osnabrück verdienen fünf Millionen Euro

Von Wilfried Hinrichs | 15.06.2016, 19:30 Uhr

Die Stadtwerke Osnabrück haben 2015 unterm Strich 5,1 Millionen Euro verdient. Davon werden drei Millionen an die Stadt Osnabrück ausgeschüttet. Der Gewinn liegt deutlich über dem des Vorjahres.

Im Vergleich zu 2014 schafften die Stadtwerke damit einen deutlichen Gewinnsprung um rund 2,9 Millionen Euro. Die Ursache liege in erster Linie im Ergebnisverbesserungsprogramm (EVP) , sagte Stadtwerke-Vorstand Manfred Hülsmann am Mittwoch während der Hauptversammlung. Die Stadtwerke starteten das Programm im vergangenen Jahr, um Kosten zu sparen und die Effizienz zu steigern. „Wir sind damit gut unterwegs und planen im nächsten Jahr einen Effekt von 4,6 Millionen Euro“, sagte Hülsmann.

Zum EVP gehörte zum Beispiel eine Wiederbesetzungssperre bis Ende 2015. Dadurch sank der Personalbestand von 935 auf 901 Mitarbeiter. Hülsmann kündigte an, dass es in diesem Jahr wieder einen „leichten Personalaufbau“ geben wird. Der Abbau von Überstunden und Resturlauben hat die Bilanz 2015 ebenfalls entlastet.

Höhere Eigenkapitalquote

Mit der Drei-Millionen-Überweisung erfüllen die Stadtwerke die Vorgabe der Stadt. Der restliche Überschuss von 2,1 Millionen Euro bleibt zur Stärkung des Eigenkapitals im Unternehmen. Trotzdem sinkt die Eigenkapitalquote von 31,5 Prozent (2014) auf 28,9 Millionen Euro, weil die Stadtwerke mehr Fremdmittel zur Finanzierung der Investitionen in Anspruch genommen haben. Ziel sei eine Eigenkapitalquote zwischen 28 und 30 Prozent, sagte Vorstand Stephan Rolfes. Diese sei nötig, um auf den Märkten bessere Zinskonditionen und niedrigere Einkaufspreise erzielen zu können.

Wandel zum Volldienstleister

„Auf Kurs“ hat der Stadtwerke-Vorstand den Geschäftsbericht für 2015 betitelt. Das „Unternehmen Lebensqualität“ habe sich im harten Wettbewerb unter schwierigen Rahmenbedingungen behauptet, sagte Hülsmann, der zum letzten Mal dem Stadtrat (als Gesellschafterversammlung) Rechenschaft ablegte. Der 63-Jährige geht am Ende des Jahres nach zwölf Jahren an der Spitze der Stadtwerke in den Ruhestand.

Belastet wird die Bilanz durch Verluste aus den konventionellen Kraftwerken in Lünen und Hamm. Der Teilausstieg aus dem Steinkohlekraftwerk GEKKO in Hamm etwa kostete die Stadtwerke im vergangenen Jahr fünf Millionen Euro. Der Energiemarkt ist weiterhin schwierig – wegen der Unsicherheiten im Zuge der Energiewende und des harten Preiskampfes. Dennoch gelang es den Stadtwerken, neue Kunden vor allem im Osnabrücker Umland zu gewinnen. 125000 Strom- und 58000 Erdgaskunden: Nie zuvor haben die Stadtwerke so viele Menschen versorgt. Das Energiegeschäft macht 80 Prozent des Gesamtumsatzes von 436 Millionen Euro aus.

Mittel- und langfristig geht der Stadtwerke-Vorstand von sinkenden Umsätzen auf dem Energiemarkt aus, weil die Kunden weniger verbrauchen und gleichzeitig mehr Energie selbst erzeugen werden. Deshalb stellen sich die Stadtwerke auf einen tiefen Wandel ein: „In der Zukunft sehen wir uns deshalb nicht mehr nur als den reinen Lieferanten von Kilowattstunden, sondern als Energiemanager, der intelligente Energiedienstleistungen anbietet und die Energieversorgung in Osnabrück und der Region nachhaltig managt und Angebot und Nachfrage zusammenbringt“, sagte Hülsmann. Ähnlich der Prozess in anderen Bereichen: Vorstand Stephan Rolfes will die Stadtwerke vom „Busbetrieb zum Mobilitätsgestalter“ und vom „Bäderbetreiber zum Freizeitanbieter“ wandeln. Zu dieser Strategie gehören zum Beispiel der Bau der E-Kartbahn, einer neuen spektakulären Trichter-Rutsche im Nettebad noch in diesem Jahr, das Car-Sharing-Angebot, der Bau einer Container-Umschlaganlage am Hafen oder die mit der Stadt initiierte Thermografiebefliegung . Thermografiebefliegung . Hausbesitzer können anhand der Bilder die Energieschwächen ihrer Häuser erkennen.

Zukunft der Stromerzeugung

61 Millionen Euro haben die Stadtwerke bislang in Windenergieanlagen investiert. Mit 23 Millionen Euro ist der Windpark in Rieste , der in diesen Tagen ans Netz geht, eine der größten Einzelinvestitionen der Stadtwerke der vergangenen 20 Jahre. Die Stadtwerke habe den Park selbst entwickelt, werden ihn selbst betreiben und den Strom selbst vermarkten. Bei den Investitionen in die Stromerzeugung scheint das Ende der Fahnenstange erreicht. Die geplante Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) behindert nach Einschätzung von Manfred Hülsmann vor allem kommunale Stadtwerke. Die Chancengleichheit gehe verloren.