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IR-16 Honey Badger Osnabrücker Hochschulrennstall stellt neues Elektroauto vor

Von Sebastian Stricker | 06.06.2016, 12:31 Uhr

Der Honigdachs gilt als mutigstes Tier der Welt. Sogar Löwen sollen ihn fürchten. Der Osnabrücker Hochschulrennstall Ignition Racing Team electric (IRTe) hat den zuckersüßen Killer aus der Familie der Marder nun zum Glücksbringer für die Formula-Student-Saison 2016 erklärt. Und seinen neuen Rennwagen nach ihm benannt: IR-16 Honey Badger.

Mit dem batteriebetriebenen Flitzer Marke Eigenbau will das IRTe bei den diesjährigen Rennen in Hockenheim (Formula Student Germany, 9. bis 14. August) und Barcelona (Formula Student Spain, 25. bis 28. August) erneut die große, internationale Konkurrenz wegbeißen. 2015 fuhren die Osnabrücker in beiden Wettbewerben auf den sechsten Platz. Es war das beste Jahr in der Geschichte des 2006 gegründeten Teams.

Messlatte liegt hoch

„Wir haben die Messlatte mit diesen Spitzenergebnissen selbst hochgelegt. Aber 2016 wollen wir uns noch einmal verbessern“, sagt Teamsprecher Kevin Koritzke. Was schwer werden dürfte, denn die Luft an der Spitze des Klassements ist dünn.

Zumal Hochschulrennställe aus der Heimat großer Automobilhersteller traditionell die besseren Voraussetzungen haben. Beispiel Uni Stuttgart: Studenten aus der Daimler-Stadt sind nicht nur Seriensieger in der Formula Student. Sie halten derzeit auch den Beschleunigungsweltrekord für Elektroautos. Ihr Bolide schafft es in 1,779 Sekunden von null auf hundert.

Große Entwicklungssprünge

Zum Vergleich: Der IR-16 Honey Badger aus Osnabrück braucht dafür 2,8 Sekunden. „Bei optimalen Bedingungen“, wie Koritzke sagt. Und im Motorsport sind Unterschiede von einer Sekunde bekanntlich Welten.

Gleichwohl soll das neue IRTe-Fahrzeug, das Ende Mai beim Rollout erstmals gezeigt wurde, besser unterwegs sein als sein Vorgänger IR-15 Excess. Und was die Entwicklungssprünge von Saison zu Saison angeht, sind die Osnabrücker dem Branchenprimus aus Süddeutschland wahrscheinlich sogar ein Stück voraus.

Vier-Zentner-Grenze geknackt

So gelang es den Nachwuchsingenieuren vom Campus Westerberg erneut, ihren Rennwagen noch einmal deutlich leichter zu machen. Wog das alte Auto laut Datenblatt 227 Kilogramm, sind es beim IR-16 Honey Badger nach Angaben von Teamsprecher Koritzke nur 199 Kilogramm. Damit ist die magische Vier-Zentner-Grenze geknackt.

Als größte Neuerung nennt das Ignition Racing Team electric den Antrieb. Der Elektromotor wurde ausgetauscht und bringt jetzt 100 Kilowatt Leistung bei einem Drehmoment von 960 Newtonmeter. Zusammen mit einem neuen Getriebe mache allein das 15 Kilogramm Gewichtsersparnis aus, heißt es. Auch bei Fahrwerk, Monocoque und Felgen wurde abgespeckt.

Runderneuertes Team

Um den Osnabrücker „Honigdachs“ besonders windschnittig zu machen, verpassten seine Konstrukteure ihm ein maßgeschneidertes Aerodynamik-Paket, bestehend aus Front- und Heckflügeln. Auch die innovative Hinterachslenkung, mit der das IRTe die Formula Student bereits im Vorjahr aufmischte, wurde weiterentwickelt.

Großen Veränderungen unterliegt aber – naturgemäß – auch der Rennstall selbst. Jedes Semester scheiden Studenten aus oder kommen neu hinzu. Aktuell besteht das Team aus 50 Mitgliedern. Nur 18 von ihnen haben bereits die Saison 2015 miterlebt. „Alle weiteren Teammitglieder mussten zunächst rekrutiert und angelernt werden“, beschreibt Sprecher Koritzke die personellen Herausforderungen.

Universitätsstudenten machen mit

Dabei schließen sich dem Ignition Racing Team electric, das vor zehn Jahren an der Hochschule Osnabrück entstand, auch immer mehr Studenten der Universität Osnabrück an. „Wir sind neuerdings an der Uni als studentische Initiative akkreditiert und dürfen dort jetzt unter anderem mit Aushängen werben“, so Kevin Koritzke. Als Unistudent der Geschichts- und Politikwissenschaft zählt er übrigens selbst zur wachsenden Schnittmenge.

Zum IRTe gekommen sei er letztlich über die studentische Osnabrücker Unternehmensberatung Studentop. Denn der Formula-Student-Rennstall braucht für eine erfolgreiche Serie nicht nur begabte Tüftler, Designer und Schrauber, wie sie vor allem die FH hervorbringt. Am Ende lohne sich das oftmals ebenso schweißtreibende wie schlafraubende Engagement bei Ignition Racing auf jeden Fall, meint Koritzke. „Unser Gewinn besteht in der praktischen Übung, im Netzwerken mit Sponsoren. Etliche von uns haben nach dem Studium genau deswegen schnell beruflich Fuß gefasst.“