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Interview mit Joey Kelly Der „ewige Rivale“: Joey Kelly im Haus der Jugend

Von Bastian Klenke | 03.11.2015, 14:21 Uhr

„No Limit“ - Joey Kelly spricht am 5. November im Haus der Jugend über seinen Lebensweg als Ausdauersportler und Unternehmer. Mit unserer Zeitung plauderte Kelly im Vorfeld auch über den Rücktritt von Stefan Raab, seine sportlichen Ziele, und dass er lieber Rasen mäht als auf dem Sofa zu sitzen.

 Herr Kelly, wo erwische Sie gerade? 

Im Auto auf dem Weg in die Schweiz. Ich halte heute Abend einen Vortrag.

 Vom Musiker zum Ausdauersportler, der Vorträge hält. Sie haben in einem Interview gesagt: „Ohne den Sport hätte Sie die Kelly Family nicht überlebt.“  

Leider wird das Zitat auch immer ein wenig aus dem Zusammenhang gerissen und ist so nicht vollständig. Natürlich hätte ich meine Zeit und Arbeit als Musiker überlebt, das haben die anderen Familienmitglieder schließlich auch. Aber nach dem zweiten Schlaganfall meines Vaters habe ich neben der Tourneeorganisation auch die Geschäftsführung der „Firma“ Kelly Family übernommen. Und diese Doppelbelastung war hart. Da habe ich den Sport als Ausgleich gebraucht - als Ventil im Alltag. Sonst hätte ich das alles wohl hingeschmissen.

 Sie kommen mit Ihrem Vortrag „No Limit – wie schaffe ich mein Ziel“ am 5. November nach Osnabrück und sprechen über Ihren Lebensweg als Unternehmer und Ausdauersportler. Wie überwinden Sie Ihren inneren Schweinehund? 

Es macht mir einfach Spaß. Ich plane meine Wettkämpfe circa ein bis zwei Jahre im Voraus und trainiere gezielt darauf hin.

Ich bin am vergangenen Wochenende einen Marathon gelaufen und habe gestern einen Tag Pause gemacht. Heute wollte ich eigentlich auch noch pausieren, bin dann aber doch vormittags noch Laufen gegangen. Ich brauche die Kilometer in den Beinen.

 Was machen Sie in ihren Pausen?  

Ich bin gerne im Garten: Rasenmähen, Laub haken, aufräumen. Oder gestern Vormittag habe ich die Garage aufgeräumt: meine Fahrräder sortiert, Sperrmüll entrümpelt und so weiter.

Einfach auf dem Sofa sitzen geht nicht. Ich bin immer hinter der Arbeit her. Früher hat unser Vater uns angetrieben, heute habe ich das in mir.

Ich kann auch keinen Strandurlaub machen. Da würde ich verrückt werden. Ich muss was tun: wandern, erkunden, aktiv sein.

Aber ich schaue aber auch gerne mal ein spannendes Fußballspiel im Fernsehen.

 Fußball? Haben Sie einen Lieblingsverein? 

Ich halte gerne zum Underdog. Aktuell zu SV Darmstadt und dem FC Ingolstadt 04. Vergangene Saison habe ich mit dem FC Augsburg oder dem SC Paderborn mit gefiebert.

Auf der anderen Seite bin aber auch Bayern-Fan. Ich mag es, dass Sie oft gewinnen.

 Ihre sportliche Vita liest sich beeindruckend: mehr als 40 Marathons und 30 Ultramarathons, neun Wüstenläufe, drei Mal das Radrennen „Race Across America“ von der West- zur Ostküste der USA. Darüber hinaus halten Sie mit acht Iron Man-Triathlons innerhalb eines Jahres den Rekord. Welche Ziele haben Sie noch? 

Es gibt noch verschiedene Wettkämpfe, die mich interessieren: Der Sparta Lauf in Griechenland (ein 246 Kilometer Nonstop-Lauf von Athen nach Sparta, einem der schwersten und längsten Nonstop-Läufe der Welt. Anm. d. Red.) und in den USA gibt es zwei 100-Meilen-Rennen, die ich gerne noch laufen möchte. Unter anderem der „Hardrock Hundred Mile Endurance Run“ (Das Hardrock 100 gilt als härtester 100-Meilen-Lauf der USA, Anm. d. Red.) oder der München-Venedig-Lauf (Zu Fuß über die Alpen. Das sind 550 km Strecke und über 20000 Höhenmeter. Anm. d. Red.)

 Sie stehe auch regelmäßig für soziale Projekte vor der Kamera. Spüren Sie als Prominenter eine soziale Verantwortung? 

Ich habe Glück, dass ich prominent in der Öffentlichkeit stehe. Aber wirklich viel tue ich ja nicht: Ich gebe nur meinen Namen und es hilft.

Zusätzlich stelle ich dann z.B. für den RTL-Spendenmarathon sinnlose 24 Stunden-Rekorde auf: 24 Stunden Rolltreppenlaufen in die Gegenrichtung oder 24 Stunden ohne Unterbrechung und unter freiem Himmel über ein in 12 Metern Höhe gespanntes Seil von 11 Metern Länge.

Dieses Jahr plane ich 24 Stunden, auf einem Laufband zu laufen.

 Ihr Bruder Angelo macht mit seinen Kindern jetzt selbst Musik. War das für Sie und ihre Familie (drei Kinder) eine Alternative? 

Nein! Mit der Kelly Family haben wir viel bewegt und großen Erfolg gehabt. 1994 ging es los und hielt ca. 6-8 Jahre. Auch in Osnabrück haben wir auf der Straße gespielt oder von der Ladefläche eines LKW.

Unser Vater (Daniel „Dan“ Kelly, Anm. d. Red.) war gleichzeitig Patriarch und Bindeglied innerhalb der Kelly Family. Als er gestorben ist, war klar, dass eine Ära vorbei war. Nach und nach zerstreuten wir uns in alle Herren Länder und jeder verfolgt seine eigenen Projekte.

Die Musik habe ich heute hinter mir gelassen.

 Ihre Schwester Patricia hat dieses Jahr ihre Autobiografie präsentiert. Wäre das auch was für Sie?  

Auch hier: Nein, momentan auf gar keinen Fall!

Warum soll ich mit 42 Jahren bereits meine Autobiografie schreiben? Es ist eine Frage des Alters: Wenn ein Rainer Calmund mit 60 Jahren sein Autobiografie herausbringt, dann macht das Sinn („Fußballbekloppt!“ veröffentlicht 2008, Anm. d. Red.). Er hat viel erlebt und was zu erzählen.

 In seiner Sendung hat Stefan Raab sich in den 90er ja auch gerne über die Kelly Family abfällig ausgelassen. Wie war ihre erste persönliche Begegnung? 

Vor knapp 15 Jahren wurden wir als Kelly Family als Musik-Act zu TV Total eingeladen. Seiner Zeit hat unser Vater sich gegen einen Auftritt ausgesprochen. Ich wurde anschließend von Raabs Redaktion gefragt, ob ich trotzdem kommen würde, um über meine Sportleidenschaft zu sprechen. Das Gespräch in der Sendung lief mit sehr viel Respekt ab.

Kurze Zeit später sollte die erste Wok-WM stattfinden und ich wurde gefragt, ob ich daran teilnehmen möchte. Anschließend kam eins zum anderen und ich wurde immer wieder eingeladen.

Gerade erst bin ich bei der letzten „Stock Car Crash Challenge“ Dritter hinter Timo Scheider, dem DTM-Piloten und Christian Clerici, der Hobbyrennfahrer ist, geworden. Das sehe ich als Erfolg, auch wenn die Wettkämpfe natürlich in erster Linie nur ein großer Spaß sind.

Der ewige Rivale von Stefan Raab

 Stefan Raab bezeichnet Sie als den ewigen Rivalen? 45 Teilnahmen an Raab-Events! 

Ich empfinde es als große Ehre, dass Stefan Raab mich so bezeichnet. Stefan ist unglaublich stark und vielseitig. Ein richtiger Wettkampftyp. Es macht Spaß sich mit ihm und anderen zu messen.

 Hat Stefan Raab Ihnen eigentlich persönlich gesagt, dass er aufhört? Was haben Sie gedacht? 

Es ist nicht so, dass Stefan Raab und ich befreundet sein sollen. Wir haben privat überhaupt keinen Kontakt. Ich werde seit Jahren von seiner Redaktion, und hier immer von demselben Ansprechpartner, zu den Events eingeladen.

Grundsätzlich finde ich den Schritt von Raab toll. Stefan Raab macht zur richtigen Zeit den Absprung und das ist selten. Glückwunsch, dass Stefan es schafft.

 In Ihrem eigenen Kalender wird es dadurch aber auch leerer, oder? 

Auch für mich ist das gut. Aktuell bereite ich mich auf das letzte Turmspringen vor und ich freue mich darauf. Aber soll ich mit 50 noch auf einem 10-Meter-Turm stehen oder in einem Wok die Piste runter fahren?

 Die Auftritte in den Raab-Events bringen ja auch eine gewisse Medienpräsenz mit sich. Gibt es ein Fernseh-Leben für den Ausdauersportler Joey Kelly ohne Raab? 

Ich glaube schon. Wobei sich die Fernsehlandschaft auch unglaublich schnell verändert. Die Jugend schaut heute ganz anders fern. Viel gezielter über Youtube oder Streaming Dienste.

Es gibt auch viele Kollegen, die Reisen von einem roten Teppich zum anderen, um im Gespräch zu bleiben, das brauche ich nicht. Und das macht mir auch keinen Spaß. Ich brauche die ganze VIP-Sache nicht zum glücklich sein.

 Vielen Dank für das Gespräch!