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Internetranking lässt Fragen offen Ist Osnabrück eine Hochburg des Taschendiebstahls?

Von Rainer Lahmann-Lammert | 17.07.2014, 16:27 Uhr

Schon wieder eine statistische Auffälligkeit: Osnabrück soll eine Hochburg des Taschendiebstahls sein. Nach einer Berechnung des Onlineportals „ab-in-den-urlaub.de“ ist die Stadt ein riskantes Pflaster. Die Polizei bestätigt, dass die örtlichen Zahlen korrekt aus der Kriminalstatistik übernommen wurden, betrachtet die Schlussfolgerungen aber mit einer gewissen Skepsis.

Für die 115 größten Städte in Deutschland hat der Internetdienst die Zahlen zusammengetragen. Und fasst das Ergebnis mit der Schlagzeile zusammen: „Hilfe! Taschendiebstahl-Mafia raubt Deutschland aus“. 135.617 angezeigte Straftaten weist die bundesdeutsche Kriminalstatistik für 2013 aus - mit einer Zuwachsrate von 15,6 Prozent.

Das Risiko, von einem Langfinger um Geldbörse oder Handy, Schmuck und Papiere gebracht zu werden, sei in den Metropolen und Touristenstädten (auch hier verwenden die Autoren ihren Lieblingsbegriff „Hochburg“) am höchsten, lautet eine wenig überraschende Erkenntnis des Rankings. Der unrühmliche Spitzenplatz wird Düsseldorf zugeschrieben, wo im vergangenen Jahr 8299 Taschendiebstähle der Polizei gemeldet wurden. Die Ranking-Strategen haben aber nicht die absoluten Zahlen im Blick, sondern die Taschendiebstähle, die auf 100.000 Einwohner kommen, und das sind in der rheinischen Landeshauptstadt 1398.

Nach diesem Index folgen Köln und Hamburg mit geringem Abstand, dann Dortmund, Bonn und Berlin. Osnabrück taucht in dieser wenig schmeichelhaften Hitliste auf Platz 24 auf und gehört damit noch zur berühmt-berüchtigten Spitzengruppe, eingerahmt von Koblenz und Braunschweig, aber weit abgeschlagen hinter Münster.

Wer auf Nummer Sicher gehen will und den Ab-in-den-Urlaub-Rechenkünstlern vertraut, kann sich Reiseziele wie Aalen, Görlitz oder Suhl vornehmen. Dort sollen die Taschendiebe weniger unangenehm in Erscheinung treten. Dabei lässt die Auflistung schon erkennen, wo der Hase im Pfeffer, oder genauer, der Taschendieb auf der Lauer liegt. Interessante Ziele locken nicht nur Touristen an, sondern auch deren parasitäre Verfolger. Wo viele Menschen aus nah und fern zusammenströmen, stellt sich allerdings die Frage, was es bringen soll, die Zahl der Taschendiebstähle auf 100.000 Einwohner hochzurechnen.

So sieht es auch der Osnabrücker Polizeisprecher Frank Oevermann. Immer dann, „wenn das Leben pulsiert“, steige die Zahl der Taschendiebstähle. Das lasse sich auch auf lokaler Ebene feststellen: Wo immer sich ein großes Publikum einfindet – in Osnabrück also auf dem Weihnachtsmarkt, auf der Maiwoche oder vielleicht beim Public Viewing - da tummelten sich auch die Ganoven.

Die Polizei empfiehlt deshalb: Aufpassen im Gewühl! Eine Erkenntnis, die auch ohne Ranking schlüssig erscheint.

Haarscharf daneben, aber ebenso folgerichtig ist der Umkehrschluss, zu dem die Hitliste der Taschendiebstähle verleitet: Dort, wo sich die Kleinkriminellen an Passanten bereichern, da muss schwer was los sein!