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Internet für alle Freifunk knüpft in und um Osnabrück ein freies W-Lan-Netz

Von Frank Wiebrock | 21.01.2015, 12:53 Uhr

Öffentliches W-Lan? Inzwischen bieten viele Hotels und Kneipen ihren Gästen einen W-Lan-Zugang an. Provider und andere Anbieter sorgen dafür, dass zumindest Teile der Osnabrücker Innenstadt mit W-Lan-versorgt sind. Allerdings oft nur nach mühseliger Anmeldung, mit begrenztem Datenvolumen oder ausschließlich für die eigenen Kunden. Oder wie jetzt in der Osnabrücker Stadtbibliothek, nur gegen Bares. Freifunk will es besser machen, auch in

Das Ziel: Statt das teure oder knappe und ohnehin oft quälend langsame eigene mobile Datenkontingent zu strapazieren, wählen sich Tablet, Smartphone und Co. in ein freies W-Lan ein. Dabei ist Freifunk eigentlich ein alter Hut. Auch in Stadt und Land Osnabrück sind die ersten Freifunk-Router online. Wer will, kann in diesen Bereichen das kostenlose WLan nutzen. Ohne Anmeldung, ohne Kosten und auch ohne Freifunk-Mitgliedschaft. Einfach so. Besonders viel genutzt wird ein Outdoor-Router an der Sutthauser Straße in der Nähe der BBs Brinkstraße.

Netzwerk für Bürger

Das 2003 in Berlin gestartet Projekt hat statt eines kommerziellen einen ideellen Hintergrund. Freifunk will ein Bürgernetz knüpfen, das möglichst flächendeckend kostenlosen W-Lan-Zugang und damit Zugang zum Internet anbietet. Das langfristige Ziel: ein Netzwerk, das die Menschen unabhängig von großen Providern macht.

Und das ist gar nicht so schwer: Man nehme einen W-Lan-Router und teile seinen Internetzugang einfach mit anderen. Dank Flatrate und hoher Bandbreite wäre das zumindest in den Städten problemlos möglich. Aber: Wird ein solcher Internetzugang für kriminelle Handlungen genutzt, stehen schnell Polizei und Staatsanwaltschaft vor der Tür. Schon deshalb sollten private W-Lan-Router gesichert und eben nicht „frei“ sein.

Rechtliche Klippen

Das Freifunk-Projekt umschifft diese rechtliche Klippe: Nicht das heimische Netz wird geöffnet, der Freifunker teilt sein Internet über einen weiteren W-Lan-Router mit einem speziellen Freifunk-Betriebssystem. In diesem Netz tritt nicht der private Anbieter, sondern der Verein als Provider mit den entsprechenden Rechten und Pflichten auf. Und: Ist das Freifunk-Netz dicht genug geknüpft, hat man selbst dann noch Zugang zum Internet, wenn der eigene Zugang gestört oder blockiert ist. Schließlich kommunizieren die W-Lan-Router im Freifunk-Netz direkt miteinander und versuchen, ein eigenes Funknetzwerk zu bilden – wenn denn weitere Router in der Nähe sind.

In Osnabrück steht das Projekt noch am Anfang

Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg: Die Freifunk-Karte für Osnabrück zeigt derzeit zehn Router an, wenn man die Paintball-Halle in Belm großzügig mit zum Stadtgebiet rechnet. Insgesamt sind auf der Website der Osnabrücker Freifunk-Initiative 18 Router für Stadt und Land Osnabrück gelistet. In Osnabrück steckt das Freifunk-Projekt also noch in den Kinderschuhen, wächst aber schnell.

Vorbild Münster?

Das benachbarte Münsterland ist da schon weiter: Dort ist das Freifunk-Projekt schon weiter: 210 „Knoten“ listet die Website der Münsteraner Freifunker, die meisten davon in der Stadt und im Westfalen angeschlossen.

Einfach mitmachen

Wer mitmachen will: Jeder kann einen Router in Betrieb nehmen und dann auf den Karten der Freifunkseite eintragen. Geeignete Router werden ab rund 12 Euro angeboten, die Software und Anleitungen gibt es auf den Freifunkseiten gratis. Wem das zu viel Frickelei ist: Freifunk bietet auch vorinstallierte Router an.

Tüfteln gehört auch dazu

Aber irgendwie gehört Tüfteln beim Freifunken ohnehin mit dazu. Egal, ob es darum geht, die Reichweite der Router zu optimieren oder ein Outdoor-Gerät per Solar mit Strom zu versorgen. Freifunk ist eben auch ein Biotop für Bastler und Techniker. Aber auch Grafiker und Autoren sind immer gerne gesehen. Wer mitmachen will: Die Osnabrücker Freifunker treffen sich jeden letzten Montag um 19 Uhr im Grünen Jäger. Wer den Verein ( Freifunk Oldenburg e. V. ) unterstützen will, kann (Förder-)Mitglied werden.

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