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Ingenieurbüro Onyx Composites Einbrecher stehlen Hanfrad-Prototyp aus Osnabrück

Von Markus Pöhlking | 06.07.2014, 21:32 Uhr

Der materielle Verlust hält sich in Grenzen, der ideelle ist kaum zu beziffern: Als Einbrecher Ende Juni am Westerberg in das Ingenieurbüro Onyx Composites einbrachen, erbeuteten sie unter anderem das einzige Hanf-Fahrrad der Welt. Der Diebstahl ist für das junge Osnabrücker Hightech-Unternehmen ein schwerer Schlag: Mit dem Prototyp verliert es sein Markenzeichen.

„Das Hanfrad ist durch diverse Messeauftritte unseres Unternehmens so etwas wie unser Gesicht geworden“, sagt der Inhaber des Leichtbau-Spezialisten, Nicolas Meyer, über seine Erfindung.

Die Geschichte hinter dem Hanfrad beginnt mit einer innovativen Idee: einen leichten Fahrradrahmen aus regional nachwachsenden Rohstoffen zu entwickeln, der möglichst umweltschonend produziert werden kann. Aus diesen Überlegungen ging letztlich ein Rahmen hervor, der zu etwa vier Fünfteln aus Hanf besteht: „Hanffasern sind ungeheuer reißfest und qualitativ mit Aluminium oder Kohlefaser gleichzusetzen“, beschreibt Meyer die besondere Eignung des Werkstoffs.

Auf insgesamt 10.000 Euro schätzt er den Wert von Materialien und Arbeitszeit, die in die Konstruktion des Rades eingegangen sind. Dessen kommerzielle Vermarktung sei nie geplant gewesen: „Das Rad sollte vor allem das Potenzial von Hanf als Produktionsstoff verdeutlichen und ist in den letzten Jahren so etwas wie unser Aushängeschild geworden.“ Als Triathlet habe Nicolas Meyer das Rad zudem selbst für Training und in Wettkämpfen genutzt, wodurch es auch „international einige Bekanntheit“ erlangt habe.

Belohnung ausgesetzt

Den Dieben, die aus der Firma auf dem alten Kasernengelände an der Sedanstraße laut Polizei noch weitere wertvolle Fahrräder sowie Elektrogeräte und Bargeld mitgehen ließen , prognostiziert der Onyx-Chef gerade mit Blick auf das Hanfrad schlechte Absatzmöglichkeiten: „Wahrscheinlich wussten sie gar nicht, was sie da genau stehlen.“ Aufgrund seiner Einzigartigkeit würde es auf Sportveranstaltungen früher oder später ohnehin wiedererkannt, vermutet der Jungunternehmer. Für den Alltagsgebrauch sei das Unikat nur bedingt einsetzbar. Der denkbare Kundenkreis für das gestohlene Rad sei somit deutlich begrenzt. Über soziale Netzwerke hat Onyx Composites zudem aufgerufen, Hinweise auf den Verbleib des Rades zu melden: „Wir haben eine Belohnungsprämie von 500 Euro festgesetzt“, sagt Nicolas Meyer.

Er und seine Mitarbeiter wollen sich von dem Einbruchdiebstahl aber nicht unterkriegen lassen. Taucht das Hanfrad nicht wieder auf, wird ein zweiter Prototyp gebaut. Onyx-Chef Meyer: „Wir hoffen, dass die Versicherung den von uns kalkulierten Wiederherstellungswert akzeptiert. Aber auch unabhängig davon werden wir auf jeden Fall ein neues Bike in Angriff nehmen.“

 Onyx Composites wurde 2008 gegründet. 2009 erhielt Nicolas Meyer vom Land einen Preis als bester Existenzgründer Niedersachsens . In den vergangenen Jahren machte der Maschinenbau-Ingenieur, übrigens ein Absolvent der Hochschule Osnabrück und als solcher Mitbegründer des studentischen Rennstalls Ignition Racing Team , mit mehreren bahnbrechenden Erfindungen Schlagzeilen: unter anderem mit einem Windauto und einem ultraleichten Hybrid-E-Mobil .