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Im Landkreis fehlen 270 Unparteiische – Stadt: Nachwuchsförderung trägt Früchte Schiedsrichtermangel macht Sorgen

Von Martin Heuer | 02.09.2011, 17:28 Uhr

Die Zahl klingt beängstigend. „Uns fehlen derzeit rund 270 Schiedsrichter“, beziffert Ingo Dependahl als Obmann der „schwarzen Zunft“ im Fußballkreis Osnabrück-Land den Mangel an Unparteiischen. Der DFB-Slogan „Ohne 23. Mann geht es nicht“ könnte im Landkreis bald bittere Realität werden.

Doch noch müssen keine Partien wegen fehlender Schiedsrichter abgesagt werden. „Wir können derzeit alle Spiele aus dem bestehenden Pool besetzen“, gibt der Stadtkreis-Kollege Torsten Aderhold Entwarnung. Obwohl die Osnabrücker dank intensiver Nachwuchsförderung viele junge Gesichter in ihren Reihen haben, werden aber auch hier 35 bis 50 weitere Kollegen für die optimale Versorgung gesucht.

Bei der Benennung des Kernproblems sind sich die beiden Kreisausschussvorsitzenden einig: Die Fluktuation nach der abgelegten Schiedsrichter-Prüfung ist hoch, nur wenige Absolventen bleiben ihrem Hobby treu. „Die neuen Schiedsrichter halten selten bis zum zehnten Spiel durch“, bringt es Aderhold auf den Punkt.

Gemeinsam mit seinen langjährigen Mitstreitern Markus Büsing, Carsten Alexander Henke, Claus Klusmann und Reinhard Sanner versucht Aderhold den Nachwuchsreferees mehr als nur Sport und Lehre zu bieten. Mit gemeinsamen Aktivitäten wie Weihnachtsfeiern, Kegelabenden oder Ausflügen zu Bundesligaspielen wird den Youngstern auch ein geselliges Programm geboten. Das „Wir-Gefühl“ ist bei den Stadtschiedsrichtern keine leere Worthülse.

Wegen der großen regionalen Distanzen haben die Kollegen im Osnabrücker Landkreis diese Möglichkeiten nur bedingt. Zudem lässt die enorme Zahl an Mannschaften (rund 1000) die lückenlose Versorgung aller relevanten Pflichtspiele kaum noch zu. Aber gerade hier gibt es auch Lichtblicke: So hat neben „Aushängeschild“ und Regionalligaschiedsrichter Florian Heft (Eintr. Neuenkirchen) mit dem 19-jährigen Merzener Tim Thoelenjohann ein weiterer Nachwuchsreferee den Sprung auf die Verbandsebene geschafft.

Dass der Spruch vom „23. Mann“ nicht mehr der Realität entspricht, beweist die weibliche Präsenz mit Schiedsrichterinnen wie Corinna Feldmann (E. Neuenkirchen) oder Karina Lübbehausen (SC Quakenbrück). Neben den vielen Talenten ist aber der Einsatz von Haudegen wie Andreas Landwehr, Michael Kaumkötter, Stefan Taiber, Mike Hartmann, Markus Gans oder Nico Respondek in Stadt und Land weiter unverzichtbar. Trotz beruflicher und familiärer Verpflichtungen verrichten diese Routiniers wöchentlich und zuverlässig ihren Dienst.

Nur manchmal ärgern sich die Altgedienten noch über die oft unverhältnismäßige Kritik vom Spielfeldrand. „Da wäre profunde Regelkenntnis vonnöten“, kritisiert Dependahl und vermisst „auch einmal ein gut tuendes Lob für den Spielleiter“. Aderhold bringt es bei seinem Appell an Zuschauer und Betreuer auf den kurzen Nenner: „Nicht reden, sondern selber pfeifen!“