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Im Gespräch: Weinprinzessin Carolin Quint Am Donnerstag startet der Osnabrücker Weinsommer

Von Stefanie Pfäffle | 03.07.2014, 10:32 Uhr

Laue Temperaturen, nett verpackte Informationen und gute Tropfen – am heutigen Donnerstag, 3. Juli, beginnt um 16 Uhr der Weinsommer in 15 Winzer aus Rheinland-Pfalz verwandeln den Marktplatz bis Sonntag in ein großes Probier- und Genießerareal.

Mit von der Partie ist auch Weinprinzessin Carolin Quint von der Mosel. Die 26-Jährige aus Trier wird bei der Eröffnung Rede und Antwort stehen und insgesamt zwei Themenproben begleiten. Vorab hat Ihre Majestät schon ein wenig über ihr Leben als Botschafterin des Moselweins und die Entwicklungen des deutschen Weins im Allgemeinen verraten.

Im echten Leben sozusagen arbeitet die junge blonde Frau als Assistentin bei einer Bank in Luxemburg. „Aber in meiner Freizeit helfe ich viel auf unserem Familienweingut in Wintrich mit, das ist ein guter Ausgleich“, findet sie. Dort aufgewachsen, ist ihr die Liebe zum Kulturgut Wein quasi in die Wiege gelegt. Mit viel Engagement und Herzblut ergatterte sie 2010 zunächst das Amt der Ortsweinkönigin. 2013 bewarb sie sich dann erfolgreich um die Moselkrone. Jetzt repräsentiert sie ein Jahr lang den Moselwein bei Messen und Festen im In- und Ausland.

Am liebsten trinkt sie – natürlich – einen spritzigen, fruchtigen Riesling aus ihrer Heimat. Aber nicht nur für den sieht das laufende Jahr richtig gut aus. Viel Sonne, kein Hagel und keine Frostschäden lassen die Weingärtner im Land auf einen – endlich mal wieder – normalen Jahrgang hoffen. Eine gewisse Menge ist wichtig, denn Italien, Frankreich und Spanien hin oder her, deutscher Wein erobert sich immer mehr Marktanteile auf dem heimischen Markt – aber nur, wenn man als Winzer auch liefern kann. „Wir punkten mit einer mittlerweile sehr guten Qualität, und vor allem produzieren die Winzer optimale Essensbegleiter zu hochwertigen Menüs“, findet Quint. Den deutschen Wein zeichne außerdem die große Sortenvielfalt aus.

Dazu trägt auch die neue Generation an Jungwinzern bei. Top ausgebildet gehen sie ins Ausland und bringen von überallher neue Ideen und Eindrücke mit. „Was die vor allem machen, im Gegensatz zu den Vorgängern, ist, dass sie hervorragend zusammenarbeiten“, stellt die Weinprinzessin fest. Man hilft sich gegenseitig bei Problemen im Keller, profitiert von den Erfahrungen des Anderen, statt nur den Konkurrenzgedanken im Kopf zu haben. Viele schließen sich zu Jungwinzerinitiativen zusammen und versuchen, gemeinsam etwas Neues auf die Beine zu stellen. Gerade beim Ausbau von Rotwein habe sich einiges getan. Es gebe aus Deutschland jetzt auch kräftige Merlots und Cabernets, die für Quint durchaus mit den Südländern mithalten können. Manche Winzer spielen mit Barriquefässern, andere setzen auf die alte Technik der Spontanvergärung, es wird viel probiert. Statt staubtrocken geht der Trend eindeutig zu süßen und leichten Weinen. „Die lassen sich leichter zum Essen kombinieren und kommen den Autofahrern zugute“, meint Quint lächelnd. Wo früher Quantität zählte, sieht sie den Fokus nun eindeutig auf die Qualität gerichtet, auch wenn die Weingebiete vollkommen unterschiedlich angelegt sind.

Sorgen macht den Winzern allerdings die Diskussion um eine Aufhebung des bisher gültigen gesetzlichen Anbaustopps. Dann könnte künftig jedermann auf jeder beliebigen Fläche Reben anpflanzen. Dagegen kämpft der deutsche Weinbauverband. Nicht nur, weil er die Qualität in Gefahr sieht, sondern vor allem auch, weil die Steillagen vielerorts, etwa an der Mosel, landschaftsprägendes Kulturgut sind. Wenn Reben genauso gut woanders angebaut werden dürften, wären sie kaum noch wirtschaftlich zu betreiben. „Weine von Steillagen haben dank der intensiveren Sonneneinstrahlung und bei uns auch den mineralreichen Schieferböden eine ganz andere Note“, betont Quint. Die Mosel ohne Steillagen, das will sie sich gar nicht vorstellen.