Ein Artikel der Redaktion

Hilfe für Krebskranke Cannabis Club Osnabrück will Droge legalisieren

Von Sven Kienscherf | 22.08.2014, 14:58 Uhr

Cannabis-Befürworter wollen sich jetzt in Osnabrück für eine Legalisierung der Droge stark machen. Um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen, wollen sie einen Club gründen. Ihrer Ansicht nach gibt es keinen vernünftigen Grund, die Droge zu kriminalisieren. Ein Suchtmediziner sieht das allerdings anders.

Moritz ist einer der Initiatoren des Cannabis Clubs Osnabrück. Eine Facebook-Seite hat der Club schon. Moritz heißt nicht wirklich so. Der 30-Jährige fürchtet berufliche Nachteile, wenn man seinen richtigen Namen im Zusammenhang mit dem Thema Cannabis im Netz findet. Auch für die Justiz ist Moritz kein unbeschriebenes Blatt. Wegen Dealens ist er bereits vorbestraft. Sein Gesicht möchte er auf dem Foto trotzdem nicht verstecken. Sein Anliegen ist ihm wichtig.

 Interview mit Hanf-Aktivisten: Recht auf Rausch 

Cannabis begleitet Moritz schon seit frühester Jugend. Mit gerade mal elf Jahren habe er sporadisch angefangen zu kiffen, erzählt er im Gespräch mit unserer Redaktion. „Mit 16 habe ich regelmäßig geraucht.“ Ärzte haben bei Moritz als Kind ADHS diagnostiziert. ADHS-Patienten gelten als besonders unruhig und als hyperaktiv. „Wenn mehr als fünf Leute im Raum sind, kann ich mich nicht mehr konzentrieren“, sagt Moritz.

Ritalin durch Cannabis ersetzt

Wie andere ADHS-Patienten hat Moritz Ritalin verschrieben bekommen, ein durchaus umstrittenes Medikament . Weil er Ritalin nicht vertragen habe, sei er mit 16 Jahren auf Cannabis umgestiegen, sagt Moritz. „Ich habe mich selbst medikamentiert.“ Dank Cannabis habe er konzentrierter arbeiten können.

Moritz räumt ein, dass Cannabis bei anderen Menschen eine völlig entgegengesetzte Wirkung haben könne. „Leute, die nicht hyperaktiv sind, kommen schwer aus dem Bett, können nicht gut lernen.“ Keinesfalls wolle er Menschen dazu animieren, Cannabis zu nehmen. Deshalb will Moritz Cannabis auch erst ab 21 Jahren freigeben. Er will die Droge nicht schön reden, tut es aber dann doch. Im Vergleich mit Tabak und Alkohol sei Cannabis nahezu harmlos. „Viele Medikamente sind bei Überdosierung tödlich, Cannabis ist es nicht.“

Nebenwirkung: Kriminalisierung

Die schlimmste Nebenwirkung, die Cannabis seiner Ansicht nach hat, ist die Kriminalisierung. Um seinen Konsum zu finanzieren, habe er irgendwann angefangen größere Mengen zu kaufen und selbst zu dealen. Die Quittung: eine Haft- mit anschließender Bewährungsstrafe.

Moritz will sich nun auf legalem Weg für die Legalisierung von Cannabis einsetzen. „Das Recht haben wir ja in einer Demokratie.“

Auch der Staat könne von der Legalisierung profitieren, indem er Cannabis wie Zigaretten besteuere. „Das Geld könnte man beispielsweise in die Prävention stecken.“ Und schließlich könne sich die Polizei wieder um wichtigere Dinge kümmern, als Kiffern wegen ein paar Gramm Gras nachzustellen. „Die Polizei könnte gegen Hooligans und Rechtsextremisten ermitteln.“

Suchtmediziner: „Hohes Abhängigkeitsrisiko“

Moritz sieht es so: Dass Cannabis noch nicht legal ist, hängt mit einer einflussreichen Lobby zusammen, angefangen von der Tabakindustrie bis hin zur Pharmabranche. Die Tabakindustrie wolle keine konkurrierende Droge, die Pharmafirmen fürchteten weniger Medikamente zu verkaufen, wenn Cannabis problemlos zu erhalten ist, meint Moritz. „Menschen mit schweren Krebserkrankungen kann es helfen, die Krankheit besser zu ertragen“, sagt er. „Sie wären nicht mehr auf den Mist angewiesen, mit denen die Pharmaindustrie sie zuballert.“

Der Suchtmediziner Dr. Peter Subkowski hält nichts von einer Legalisierung von Cannabis. Er ist Ärztlicher Leiter des Paracelsus Therapiezentrums in Bad Essen. „Es besteht ein hohes Abhängigkeitsrisiko. Die Pflanzen werden mittlerweile so gezüchtet, dass sie immer mehr THC enthalten. Viele Patienten berichten von Psychosen mit Verfolgungswahn, die sich in Folge des Konsums einstellen“, sagt Subkowski. Des Weiteren seien Gedächtnislücken, Konzentrations- und Antriebsschwäche Nebenwirkungen der Droge. „Es handelt sich bei Weitem nicht um eine ungefährliche Droge. Der Konsum kann massive Schäden anrichten.“

Cannabis kann Krebspatienten helfen

Zumeist seien es junge Erwachsene, die sich in der Suchtklinik behandeln ließen, berichtet Subkowski. Den Hinweis der Legalisierungs-Befürworter, Alkohol und Tabak verursachten mindestens genau so viel, wenn nicht mehr gesundheitliche Schäden, lässt der Mediziner nicht gelten. „Mann kann nicht das eine mit dem anderen entschuldigen.“ Alkohol sei zwar gefährlich. „In der Konsequenz müsste man aber darüber nachdenken, den Alkoholkonsum einzuschränken.“

Unter bestimmten Voraussetzungen befürwortet Subkowski aber den Gebrauch von Cannabis bei schwer kranken Patienten. „Es gibt ganz wenige Fälle, bei denen Cannabis sinnvoll eingesetzt werden kann. Das gilt bei schweren Krebserkrankungen, bei spastischer Lähmung infolge von Multipler Sklerose oder einigen wenig zu beeinflussenden Schmerzzuständen.“

Cannabis könne Patienten nach der Chemotherapie gegen das Erbrechen helfen und Aids-Patienten dazu anregen, mehr zu essen, so Subkowski. Die Aufnahme über die Mundschleimhaut mit einem Spray sei dabei am effektivsten. Subkowski warnt jedoch vor Selbstmedikation: „ Die Therapie mit Cannabis sollte immer durch einen Arzt überwacht werden. Das Abhängigkeitsrisiko besteht natürlich auch bei Menschen, die schwer krank sind.“