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Kalauer im Konferenzsaal „Herr Schröder“ bittet in der Osnabrück-Halle zur großen Lehrerversammlung

Von Matthias Liedtke | 26.10.2019, 12:55 Uhr

Eine „Doppelstunde“ voller Wortspiele, Metaphern und Peinlichkeiten: Am Erscheinungstag seines Buches „World of Lehrkraft – Ein Pädagoge packt aus“ trat der Berliner Lehrer und Comedian Johannes Schröder in seiner Rolle als „Herr Schröder“ im ausverkauften Kongresssaal der Osnabrück-Halle auf.

Ein Lehrer ist kein Entertainer. Aber auch Lehrer wollen zuweilen unterhalten werden. Wie gut, dass es da Schüler gibt, die mitunter die besten Pointen liefern – wenn auch meist unfreiwillig. Als zumindest in dieser Hinsicht „hochbegabte Klassenzimmeramöben“ bezeichnet Johannes Schröder archetypische Schüler wie Justin, die eben die Dinge wörtlich nehmen und keinen Sinn für Metaphern haben. Ganz im Gegensatz zu dem als „Herr Schröder“ auftretenden Comedian aus Berlin, der vom Gymnasiallehrer zum Bühnenclown konvertiert ist – mit frisch gebügeltem, gestärktem Hemd und geföntem Seitenscheitel statt roter Pappnase.

Von Frustrierten und Sprachsadisten

Seine „Doppelstunde Deutsch“ im ausverkauften Kongresssaal der Osnabrück-Halle enthielt neben Unterrichtseinheiten zur uns oftmals gar nicht bewussten Bildhaftigkeit der deutschen Sprache, die überdies fast zur Hälfte aus Lehnwörtern besteht, auch solche zu insbesondere bei Elternabenden nützlichen, weil unverfänglichen Euphemismen oder Worten, die bereits in sich selbst einen Widerspruch enthalten. Für Lehrer gehöre dazu auch der Terminus „Wunschkind“, sagte Schröder unter breiter Zustimmung des Publikums, das neben Menschen, die „Vollzeit“ arbeiten, tatsächlich zu einem Großteil aus Lehrern bestand – beziehungsweise aus „Beamten mit Frustrationshintergrund“, ebenfalls eine Umschreibung, in der sich die meisten augenscheinlich wiederfinden konnten.

„Spracherfinder“ geißelte Schröder als „Sadisten“, die ausgerechnet im Wort „Lispeln“ ein S oder in „Stottern“ drei Ts untergebracht haben und sich für die Angst vor langen Wörtern den Fachbegriff Hippopotomonstrosesquippedaliophobie ausgedacht haben. Zur Digitalisierung bemerkte er: “Wo sind motivierte Schüler?“, um nach einer Kunstpause hinzuzufügen: „die Lehrern diese Dinge erklären“.

Wortspielzwang und Phrasendrescherei

Fast unangenehm inflationär und zwanghaft durchzogen war der lehrbuchartig belustigende, selbstgefällige Frontalunterricht des Herrn Schröder mit Wortspielen jeder erdenklichen Art. Dass sein „Mathe-Trauma“ darauf beruhe, dass er eine „Kosinus-Allergie“ und eine „Logarithmus-Störung“ habe und er sich bei „Freundschaft plus“ immer verrechne, waren dabei noch die weniger ausrechenbaren Varianten. Ansonsten kalauerte sich der „Korrekturensohn“ mit Bemerkungen der Art, dass Franzosen statt Kaffee „Liberté“ trinken, durch sein so schlaumeierndes wie klischeegetränktes Programm. Selbst für Altbackenes wie „Klaus“ als „polnischen Imperativ“ zu bezeichnen war er sich dabei nicht zu schade.

Publikum eingebunden

Sein Lehrer-„Cholerikum“ für diesen Abend bezog Schröder live aus dem Publikum, aus dem heraus er zu Beginn Kollegen markierte, die ihm im Verlauf seiner berufsgruppenorientierten Comedy-Konferenz immer wieder als Ansprechpartner dienen sollten. Dabei diskreditierte er das Fach Erdkunde als „Stadt, Land, Fluss“, brandmarkte den Sportlehrer als „bildungsferne Spaßgurke aus der Turnhalle“ oder sein eigenes Flirten mit der Junglehrerin als „fehlgeleitete Motivation“, die ja ohnehin zu nichts führe.

Ganz am Ende zeigte sich „Herr Schröder“ selbstreflektiert genug, um seine anbiedernde „Slim-Schrödi“-Rap-Einlage ausdrücklich „peinlich“ zu finden. Gebracht hat er sie nichtsdestotrotz. Manchmal wollen Lehrer eben doch Entertainer sein. Selbst wenn es auf den "Brettern, die kein Geld bedeuten", ist. Koste es, was es wolle.