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Held des Alltags in Osnabrück Syrischer Junge engagiert sich für andere Flüchtlingskinder

Von Thomas Wübker | 28.06.2016, 08:02 Uhr

Der zehnjährige Abdallah Abdin hat in seiner Grundschule anderen Flüchtlingskindern bei ihrem Start in ein neues Schulleben geholfen. Da er der einzige an der Schule war, der Arabisch sprach, dolmetschte er spontan für Kindern und Eltern.

Als Abdallah bei der Abschiedsfeier der Viertklässler der Rosenplatzschule am Tag vor den Ferien vom stellvertretenden Schulleiter Carsten Böing vor versammelter Schülerschaft nach vorn gerufen wurde, war er völlig verdattert. Er hatte doch gar nichts angestellt… Doch ganz im Gegenteil: Uneigennützig hatte sich Abdallah zur Verfügung gestellt, um für Mitschüler oder Eltern zu dolmetschen – und nun erhielt er natürlich keinen Tadel, sondern ein hochverdientes Lob.

Abdallah Abdin wurde vor zehn Jahren in Latakia, einer syrischen Hafenstadt am Mittelmeer in der Nähe der Türkei geboren. Vor zwei Jahren kam er mit seinen Eltern und seiner kleinen Schwester aus Syrien nach Osnabrück. Mittlerweile ist aus ihm ein cleverer Bursche geworden. Mit seinem charmanten Lächeln versetzt er die Mädchen aus seiner Klasse in Aufregung. Auch bei den Jungs der Rosenplatzschule ist er sehr beliebt. Zuhause hilft er seinen Eltern bei der Betreuung seiner jüngeren Geschwister.

Abdallahs Familie war vor dem Krieg zunächst in den Libanon geflohen. Dank eines Flüchtlingsvereins kamen sie nach Deutschland. Vor eineinhalb Jahren wurde Abdallah dann in der Rosenplatzschule eingeschult. Dort verstand er zunächst kein Wort. „Ich habe Sprachunterricht bekommen und mich mit meinen Freunden auf Deutsch unterhalten“, erzählt der Zehnjährige. Mittlerweile spricht er nahezu fließend Deutsch. Nur manchmal muss er noch nach Wörtern suchen. Nach den Sommerferien kommt er auf die Bertha-von-Suttner-Realschule. „Ich bewundere wirklich, wie schnell Abdallah Deutsch gelernt hat und wie gut er sich in der Schule eingelebt hat“, sagt seine Grundschul-Klassenlehrerin Elke Suhre über ihn.

Als ein kleiner Junge aus Syrien ohne Deutschkenntnisse in die erste Klasse der Rosenplatzschule eingeschult wurde, erinnerte sich Abdallah daran, wie es bei ihm war. „Er hatte große Angst, und ich habe ihm gesagt, dass er nicht wie in Syrien in der Schule geschlagen wird“, erzählt Abdallah. Später nahm er einen weiteren jungen Syrer unter seine Fittiche und zeigte ihm die Schule. „Abdallah hat sich dann in seiner Herkunftssprache Arabisch ganz einfühlsam um den Jungen gekümmert und ihm erzählt, wie er sich selbst am ersten Tag etwas verloren an der Schule gefühlt hat“, berichtet Elke Suhre. Solche Aufgaben habe Abdallah sofort ohne zu zögern übernommen, sagt sie weiter.

Für Abdallah sind seine Verdienste um die Integration anderer Flüchtlinge überhaupt kein großes Ding. „Manche Leute können kein Deutsch. Sie sind zum ersten Mal hier“, begründet er sein Engagement. Auch seinen Vater hat er sehr stolz und glücklich gemacht. Für sein Engagement hat Abdallah eine Rose und eine große Packung Schokolade von der Schule bekommen. Die Schokolade existiert bereits nicht mehr. Die hat der Zehnjährige zusammen mit seinen Mitschüler aufgegessen. Die Rose aber hat jetzt einen Ehrenplatz in seinem Zimmer.