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Halbzeit auf der Baustelle Hasehaus am Osnabrücker Neumarkt: Koloss mit Charisma

Von Sebastian Stricker | 01.03.2014, 09:08 Uhr

Mit jeder Etage, die das Hasehaus wächst, wird den Osnabrückern klarer, welch imposantes Gebäude am östlichen Ende des Neumarkts entsteht. Am Ende wird es etwa so hoch sein wie Sparkasse und Galeria Kaufhof gegenüber. Optisch setzt der charismatische Koloss jedoch neue Maßstäbe. Besichtigung einer 20-Millionen-Euro-Baustelle.

Auf dem 1200-Quadratmeter-Grundstück zwischen Hase und Kollegienwall ist Halbzeit. Sieben Monate sind seit Abbruch und Grundsteinlegung vergangen. In weiteren sieben soll das Hasehaus fertig sein. „Im Oktober wird eröffnet“, gibt sich Projektentwickler Albrecht Bielke vom Investor Hoff und Partner aus Gronau beim gemeinsamen Rundgang durch den Rohbau zuversichtlich.

Gebäude: Das Hasehaus ist nicht Stein auf Stein gebaut, sondern buchstäblich aus einem Guss. Über 4400 Kubikmeter Beton werden am Ende in seine Mauern und Decken fließen. Zur Veranschaulichung: Würde sich diese Menge auf einem Fußballplatz ergießen, wäre dieser einen halben Meter hoch bedeckt. Getragen wird die Konstruktion im Wesentlichen von den Außenwänden und einem guten Dutzend Säulen. Sie ziehen sich vom siebengeschossigen „Haseturm“ über den Verbindungsbau (vier Etagen) bis zum fünfstöckigen „Hasewall“ quer durch das Gebäude. Im Innern lassen sich Räume flexibel in Trockenbauweise einteilen, sprich mit Wänden aus Gipskarton. Zwei Besonderheiten verbergen sich in den Geschossdecken: Teils sind so hohl, dass sich – den Wünschen der künftigen Nutzer entsprechend – auch nachträglich problemlos Kabel und Leitungen an fast jede beliebige Stelle ziehen lassen. Teils sind sie mit Stahllitzen durchzogen, die in einbetonierte Widerlager gespannt werden. „Das verleiht dem Bauwerk besondere Festigkeit“, sagt Bielke. Wichtig gerade dort, wo die Fassade des Hasehauses meterweit überkragt.

Fassade: Gedrehte Baukörper, mit fingerdicken Platten aus poliertem oder sandgestrahltem Jurakalkstein filigran verblendet. Geschossweise versetzte Fenster, mal riesengroß, mal schmal und hoch. An einer Seite etwas Holz, daneben lebendiges Grün: Die variantenreiche, dramatische Optik des vom niederländischen Architekten Rob Beerkens entworfenen Hasehauses hat Methode. „Wir wollen verschiedene Ansichten erzeugen, das Gebäude soll von keiner Seite gleich aussehen“, betont Bielke. In ihrer Machart sei die Fassade des Hasehauses deutschlandweit einmalig. Besonderer Clou sind die farbigen Glasscheiben, die von außen mal grün, mal blau schimmern wie eine getönte Sonnenbrille. Auffällig auch die Schrägen: Ab dem dritten Obergeschoss und damit auf der Traufkante des Landgerichts knickt das Gebäude um acht Grad nach hinten ab. Bielke: „Damit wollen wir unseren Respekt vor dem altehrwürdigen Justizgebäude und dem Neumarkt ausdrücken.“

Senkrechter Garten: Für diese außergewöhnliche Form der Fassadenbegrünung Richtung Kollegienwall dachten sich die Planer mangels Vorbildern eine Spezialkonstruktion aus. Sie besteht im Kern aus einem Metallgerüst mit Kübeln. Düngung und Bewässerung der Pflanzen erfolgen sensorgesteuert. Bei der Pflege helfen außerdem Hubwagen, die – bei Nichtgebrauch unsichtbar auf dem Dach verstaut – ansonsten die Fassaden reinigen. „Wir wollen, dass die Wand immer grün bleibt – 365 Tage im Jahr“, erklärt der Projektentwickler. Das grüne Gesicht ihres Hasehauses, im Firmensprech „Vertical Garden“ genannt, lassen sich Hoff und Partner einiges kosten. Bielke: „In der Herstellung ist es teurer als die Natursteinfassade.“

Erdgeschoss: Geht es nach dem Investor, entsteht hier „ein kulinarischer Hotspot Osnabrücks“. Zwei Drittel der gut 1000 Quadratmeter, dazu eine tiefergelegte, von der Straße aus erreichbare Terrasse am Wasser, hat sich früh die Restaurantkette L’Osteria gesichert – Spezialität: Pizza und Nudeln. Ein weiterer Gastronomie-Betrieb wird noch gesucht. „Es gibt mehrere Interessenten“, sagt Bielke. Beste Chancen hätten Anbieter mit einem Café-Konzept. „Das lieben die Leute.“ Ist dann vielleicht das ehedem an diesem Ort beheimatete Café Coppenrath eine Option? „Immer“, sagt Albrecht Bielke und bestätigt: Coppenrath gehört zu den Interessenten.

Obergeschosse: Platz für Dienstleistungen. Die Flächen im gesamten Hasehaus seien inzwischen zu 80 Prozent vermarktet, heißt es. Das mit rund 2000 Quadratmetern größte Büro, verteilt über mehrere Etagen, hat die Osnabrücker Software-Schmiede LMIS gebucht. Ein weiterer Mieter kommt laut Bielke aus der Tourismusbranche. Außerdem wird es vier Arztpraxen geben. Bereiche: Urologie, Kinderheilkunde, Zahnmedizin und Osteopathie.

Penthäuser: Die vier Wohnungen im fünften und sechsten Obergeschoss des Haseturms lassen kaum Wünsche offen. Zu den Annehmlichkeiten der vollvernetzten Penthäuser gehören unter anderem eine innen liegende Loggia und ein Luxusbad mit Lichtsauna. Bodentiefe Fenster in drei Meter hohen Räumen eröffnen einen atemberaubenden Blick über Neumarkt, Schloss und Hase. „Das ist High End“, sagt Projektentwickler Bielke. Ob die 120 bis 150 Quadratmeter großen Wohnungen verkauft oder vermietet werden, sei noch nicht entschieden. Allerdings würden sich die Preise „so oder so auf dem Osnabrücker Toplevel“ bewegen. Was laut Bielke einen Quadratmeterpreis von mindestens 4000 Euro bei Verkauf oder 14 Euro aufwärts pro Monat bei Vermietung bedeutet. Wohlhabende vor: Zwei Wohnungen sind noch verfügbar.

Tiefgarage: Die Ein- und Ausfahrt erfolgt über Kollegienwall, im Gebäudeteil „Hasewall“ wartet ein Autoaufzug. Die gut 20 Stellplätze im Untergeschoss werden fest vergeben. Ebenfalls auf dieser Etage sind Räume für Haustechnik, Anschlüsse und Mülltonnen vorgesehen. Der Personenaufzug fährt vom Keller bis ins oberste Stockwerk.

Umgebung: Dass auch das benachbarte Amtsgericht demnächst um ein Geschoss wächst , findet Hasehaus-Entwickler Bielke „nicht so glücklich“, weil es viele Mieter ihres Ausblicks auf den Teutoburger Wald beraubt. Wichtiger als das Südpanorama sei dem Investor allerdings die Umgestaltung des Neumarkts. Die Zusammenarbeit mit der Stadt in diesem Punkt sei eng und vertrauensvoll, was unter anderem beim gemeinsam abgestimmten Teilabriss der unterirdischen Passage deutlich wurde, so Bielke. Vom künftigen Aussehen des Platzes vor ihrer Haustür haben Hoff und Partner allerdings nach dem Gestaltungswettbewerb klare Vorstellungen: „Wir wollen möglichst keine Abstriche vom Siegerentwurf .“ Ein besonderer Ort, so Albrecht Bielke, brauche ein besonderes Konzept.