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Gute und sinnliche Botschaft Sopranistin Sigrid Heidemann beim Kreuzgangkonzert in St. Johann

Von Jan Kampmeier | 20.07.2012, 13:33 Uhr

Christian Joppichs Hoffnung hatte sich nicht erfüllt: Zwar machte der Regen am Mittwochabend eine Pause. Doch da war das Konzert, das eigentlich im Kreuzgang von St. Johann stattfinden sollte, längst in die Kirche verlegt worden.

Es wäre draußen womöglich auch zu feucht gewesen, um die Instrumente vernünftig zu stimmen, erklärte Christian Joppich. Außerdem war das Publikum so reichlich erschienen, dass der Platz im Kreuzgang gar nicht ausgereicht hätte.

Etwas schade war es dennoch, denn neben der schönen Atmosphäre im Kreuzgang wäre wohl auch die Akustik draußen besser geeignet für die „Geistlichen Konzerte“, die Sopranistin Sigrid Heidemann vortrug. Es handelt sich dabei um Vokalwerke auf geistliche Texte für eine oder mehrere Stimmen mit instrumentaler Begleitung. Wenn dabei einige Stimmen von Instrumenten übernommen werden, entspricht das durchaus historischer Praxis.

Damit hatte es in diesem Konzert ohnehin seine Richtigkeit, denn neben Sigrid Heidemann und Christian Joppich an der kleinen Continuo-Orgel musizierten drei Spezialisten für barocke Musik aus dem Hannoveraner Orchester L’Arco. Christoph Heidemann und Birgit Fischer (Violinen) erwiesen sich als bestens harmonierendes Duo, für das satte Fundament sorgte Cordula Cordes an der Gambe.

Deutlich brachte die Interpretation die wechselnden Affekte der Kompositionen zum Ausdruck, die ihrerseits den Text auf sinnfällige, oft rührend simple Weise deuten. Da steigt die Singstimme in Christoph Bernhards „Aus der Tiefen rufe ich“ tatsächlich von ganz unten bis in höchste Lagen auf, da wird das Wort „harret“ schier endlos gedehnt – und von Sigrid Heidemann wunderbar geführt. Bei dem teilweise großen Tonbereich, den ihr die Stücke abverlangten, kam die klare Stimme der Sopranistin besonders in den höheren Lagen gut zur Geltung. Ausgesprochen sanft und lyrisch färbte sie ihre Partien, mit kaum bewusst wahrnehmbarem Vibrato versehen. Ein dezentes Vibrato belebte auch den Ton der beiden Violinen, den etwas markigen Ton Christoph Heidemanns ebenso wie den weicheren Birgit Fischers. Im Mittelpunkt standen sie in mehreren Sonaten ohne Gesang. Quasi sängerisch mussten sie sich aber auch hier mindestens teilweise geben. So prägte ein ausgesprochen sprechender Stil eine Sonate Johann Rosenmüllers.