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Gute Nachricht aus Vila Real Osnabrücker freut sich: Schwarze Keramik ist Kulturerbe

Von Nina Strakeljahn | 08.03.2017, 13:43 Uhr

Eine E-Mail aus Portugal hat Werner Tobias im November überrascht: Die Herstellung von schwarzer Keramik in Bisalhães, ein Dorf, das zur Osnabrücker Partnerstadt Vila Real gehört, ist von der Unesco zum immateriellen Kulturerbe ernannt geworden. Eine große Freude für Tobias, der sich jahrelang mit diesem Verfahren beschäftigt hat.

Zahlreiche unterschiedlich verzierte Krüge aus schwarzer Keramik stehen auf dem Tisch beim Osnabrücker Werner Tobias, außerdem Sparschweine und sogar eine kleine Krippe. Schwarze Keramik fasziniert den 77-Jährigen, seit er diese Technik 1983 bei einer Reise nach Portugal kennenlernte.

Tobias arbeitete an der Universität Osnabrück im Bereich Allgemeine Techniklehre und später bis zu seinem Ruhestand im Bereich Geografie. Für einen Film über Fliesentechniken reiste er 1983 nach Portugal. Auf dem Rückweg kam er mit seinem Team in die Osnabrücker Partnerstadt Vila Real und nach Bisalhães. Dort entdeckte er die schwarze Keramik. Damals gab es etwa 50 Töpfer, die die Technik beherrschten und anwendeten. „Heute sind es nur noch zwei Handvoll“, sagt er.

Von Krügen bis Miniaturen

Die Töpfer nutzen normalen Ton und formen daraus auf einer handbetriebenen etwa 30 Zentimeter hohen Töpferscheibe die gewünschten Objekte. Von Krügen bis Miniaturen sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Für das Einarbeiten der Muster nutzen sie Kieselsteine. Das Schwarz kommt durch den Brennvorgang, erklärt Tobias.

Der Ofen besteht aus zwei durch Moniereisen getrennte Brennkammern. Die zahlreichen getöpferten Objekte werden aufgeschichtet, sodass ein Hügel entsteht. Zunächst wird von unten gefeuert, oben ist der Ofen offen. Nach einiger Zeit wird auch oben ein Feuer entzündet. Im nächsten Schritt wird alles mit Erde abgedeckt. Auch der untere Zugang zum Ofen wird abgedichtet. Dadurch entstehe ein luftleerer Raum, erläutert der Experte. Der entstehende Kohlenstoff setze sich auf der Oberfläche ab und färbe den Ton schwarz. Nach etwa acht Stunden Abkühlzeit können die fertigen Teile entnommen werden.

Gesamtbestandsaufnahme in Portugal

Der Osnabrücker, der sich das Filmen selber beigebracht hat, drehte später einen Film über die Jahrtausende alte Technik. „Die Chinesische Mauer zum Beispiel besteht auch zu einem großen Teil aus schwarzer Keramik“, erzählt der 77-Jährige. Von der Universität Vila Real wurde er 1988 außerdem mit einer Gesamtbestandsaufnahme beauftragt und war drei Monate in Portugal. Tobias veröffentlichte Bücher, und damit die Technik auch in Deutschland bekannter wurde, organisierte er Ausstellungen. Ein Töpfer kam zu Besuch in die Region und demonstrierte seine Arbeit.

Die Vielfältigkeit der schwarzen Keramik löste bei Werner Tobias eine Sammelleidenschaft aus. Mehr als 500 Objekte trug er zusammen. Etwa 300 seiner Stücke sind mittlerweile jedoch im Nationalen Ethnologischen Museum in Lissabon, dem er einen Teil seiner Sammlung zur Verfügung gestellt hat. Mit anderen Objekten gestaltete er selbst eine Ausstellung. Diese Objekte befinden sich jetzt im Keramikmuseum Westerwald. Von einigen Stücken konnte er sich nicht trennen. Diese zieren sein Zuhause.

Ein großer Portugal-Fan

Tobias ist großer Portugal-Fan. Für den WDR hat er an einer 13-teiligen Fernsehserie über das Land mitgewirkt und selbst einen Reiseführer geschrieben. Immer wieder reist er dorthin. Über viele Jahre hat sich der 77-Jährige mit dem Land und der Technik der schwarzen Keramik beschäftigt und seinen Teil dazu beigetragen, dass sie bekannt und nicht vergessen wird. Dass die Technik nun zum immateriellen Kulturerbe ernannt wurde, macht ihn stolz.

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