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Großkontrolle der Polizei Osnabrück Mit gerissenen Bremsscheiben auf der A30 unterwegs

Von Christian Ströhl | 23.04.2015, 16:39 Uhr

Stau auf der A 30: Die Polizei Osnabrück führt eine Großkontrolle bei Melle in Fahrtrichtung Hannover durch. Die Beamten gehen dabei gezielt gegen Betäubungs-, Eigentums- sowie Schleusungskriminalität vor. Einige Auto- und Lkw-Fahrer mussten ihre Fahrzeuge abstellen.

„Der fährt so definitiv nicht weiter“, sagt Kommissarin Andrea Rüdebusch, nachdem sie wieder von einem Lkw-Auflieger heruntersteigt. Der Sattelzug ist mit 24 Tonnen Hunde- und Katzenfutter beladen. Jedoch ist die Ladung nicht ausreichend gesichert, erklärt die Beamtin. „Die Seitenwände halten überhaupt nichts und es gibt keine Antirutsch-Vorkehrungen“, führt Rüdebusch aus. Wahrscheinlich müsse der Fahrer die oberste Palette komplett abladen.

„Gerissene Bremsscheiben“

„Die Fahrer können meistens wenig dafür“, sagt die Kommissarin. Vielmehr seien die Halter und Verlader zur Verantwortung zu ziehen. Diese Verstöße gehören allerdings zum Alltag, seien gar „Klassiker“, ergänzt Einsatzleiterin Ann Oldiges. Häufig herrsche großer Konkurrenzkampf unter den Logistikunternehmen. „Viele versuchen, sich illegal einen Vorteil zu verschaffen“, erklärt Oldiges. Das wurde besonders in einem Fall deutlich: Die Beamten zogen am Morgen einen 40 Tonnen schweren Sattelschlepper aus dem Verkehr, weil er mit gerissenen Bremsscheiben unterwegs war. Bei einem Stau hätte der Fahrer keine Möglichkeit gehabt, sein Fahrzeug rechtzeitig zu bremsen, sagen die Beamten.

Verstoß gegen Waffengesetz

Einsatzleiterin Oldiges führt aus, dass die Lkw-Kontrollen an der A 30 nur einer von vielen Schwerpunkten am heutigen Tag sind. An anderer Stelle der Rastanlage Grönegau kümmern sich die insgesamt 100 Einsatzkräfte etwa um Drogendelikte. Ein Autofahrer hat zudem gegen das Waffengesetz verstoßen, teilt Pressesprecher Marco Ellermann mit. Der Fahrer habe ein Einhandmesser griffbereit in der Mittelkonsole mitgeführt. Das sei in Deutschland verboten. Ein Golffahrer musste noch an Ort und Stelle seinen Frontspoiler wechseln, weil dieser so nah über dem Boden hing, „dass nicht einmal eine Taschenlampe drunter passte“, berichten die Beamten.

Internationale Zusammenarbeit der Polizei

Ein weiteres großes Thema bei den Beamten ist das Abfallrecht. „Hier steht unheimlich viel Geld auf dem Spiel“, sagt die Einsatzleiterin. Abfall, der nicht als solcher deklariert sei, werde häufig „verschoben“. Dabei setzen die federführenden Beamten der Polizeidirektion Osnabrück auf die Hilfe von Kollegen aus Polen, Norwegen und den Niederlanden. „Die Zusammenarbeit ist hervorragend“, sagt Oldiges. Die polnischen und norwegischen Kollegen etwa seien spezialisiert auf Dokumentenfälschung.

Tachomanipulationen und falsche Ladungssicherung

Laut Ellermann ist diese Kontrolle an der A 30, einer der Ost-West-Transit-Strecken Deutschlands, enorm wichtig. „Hier herrscht viel internationaler Güterverkehr“, erklärt er. Dabei gebe es häufig Tachomanipulationen oder Verstöße gegen Ladungssicherung und Lenkzeiten. Den Lkw-Fahrer, der mit Katzen- und Hundefutter unterwegs war, begleiten die Beamten zu einer Werkstatt, wo die Paletten abgeladen und entsprechend der gesetzlichen Vorgaben gesichert werden müssen. Der Verstoß kostete ihn mindestens 75 Euro Bußgeld und zudem sehr viel Zeit.

Wie Marco Ellermann von der Polizei Osnabrück am Abend mitteilte, war auch eine Gruppe junger Männer in die Kontrolle geraten, die gerade aus den Niederlanden kamen und nach Berlin fahren wollten. Offenbar hätten sie sich in Holland mit Kokain, Ecstasy und Marihuana versorgt. Außerdem ging den Beamten eine niederländische Person ins Netz, die ohne Fahrerlaubnis unterwegs war. Zudem sei der Holländer vorbestraft wegen zahlreicher Wohnungseinbrüche, Diebesgut wurde im Auto allerdings nicht gefunden. Ellermann schließt nicht aus, dass Anschlussermittlungen möglicherweise Tatzusammenhänge mit ungeklärten Einbrüchen in Deutschland ergeben könnten.

Ein Autofahrer, ebenfalls aus Holland, muss sich wegen Urkundenfälschung verantworten, da er mit einem falschen Kennzeichen unterwegs war. Ein weiterer Autofahrer zeigte bei der Kontrolle einen georgischen Führerschein vor, der gefälscht war. Auch hier wird es ein Strafverfahren wegen Urkundenfälschung geben. Ein weiterer Autofahrer war ohne Führerschein unterwegs, der Halter des Fahrzeugs saß auf dem Beifahrersitz und war betrunken. Nicht nur auf den Fahrer, sondern auch auf den Halter komme ein Verfahren zu, da er als Halter eine gewisse Verantwortlichkeit für sein Fahrzeug habe, so Ellermann. Der Fahrzeughalter habe zumindest geduldet, dass sich die männliche Person ohne Fahrerlaubnis sich ans Steuer gesetzt hatte.

Bei zwei Lastern, die kontrolliert wurden, waren die digitalen Kontrollgeräte manipuliert worden. Dadurch sei über die tatsächlichen Lenk- und Ruhezeiten der Lkw-Fahrer hinweggetäuscht worden.