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Große Klangkulisse 100 Musiker zollen Ennio Morricone in Osnabrückhalle Tribut

Von Tom Bullmann, Tom Bullmann | 25.01.2018, 17:47 Uhr

Original-Filmsequenzen und Bildmontagen illustrierten auf einer Großleinwand die majestätischen Sounds und Melodien des weltberühmten Komponisten Ennio Morricone, die in der Osnabrückhalle von der Milano Festival Opera unter der Leitung von Marco Seco interpretiert wurden.

Eine der großartigsten Filmmelodien hat sich der Dirigent bis zum Schluss aufbewahrt: „Here‘s To You“. Der Song aus dem Film „Sacco und Vanzetti“ aus dem Jahr 1971, im Original von Joan Baez gesungen, wird auf der Bühne der Osnabrückhalle mit großem Chor und Orchester als Höhepunkt eines Konzertabends hymnisch zelebriert. Diese letzte Zugabe sorgt dafür, dass man mit einem einzigartigen Ohrwurm im Kopf den Nachhauseweg antritt.

Mehr als 100 Musiker

Unter dem Motto „The Best Of Ennio Morricone“ haben sich mehr als 100 Sänger, Solisten und Orchestermusiker im Europasaal versammelt, um einem der größten Filmmusikkomponisten aller Zeiten Tribut zu zollen. Aus über 500 Soundtracks, die Morricone schuf, hat Dirigent Marco Seco 27 Stücke ausgesucht, die jetzt von einem Sinfonieorchester samt großem Chor live interpretiert werden. Alle Beteiligten kommen gleich am Anfang des Konzerts beeindruckend zum Einsatz. Der Song „Abolisson“ aus dem Film „Queimada“ startet mit Orgelklängen, bevor der Chor stimmgewaltig einsetzt. Das Majestätische, das Morricones Kompositionen oft zu Eigen ist, kommt bei diesem wohl zum Ausdruck, der eher zu unbekannteren Songs gehört: Der Film wurde 1969, vermutlich wegen seiner kritischen Haltung zum System des Kolonialismus, ein Flop.

Doch dann widmet sich das Orchester bereits geläufigen  Melodien. Während über die große Leinwand im Bühnenhintergrund Original-Sequenzen aus dem Film „Once Upon A Time In America“ flimmern, lauscht das Publikum in der ganz gut gefüllten Osnabrückhalle den Songs „Poverty“ und „Deborah‘s Theme“.

Filmstills, Stimmungsfotos, Videomaterial

Nicht für jeden Song im Programm hat die Video-Produktionsfirma die Rechte zum Zeigen von originalen Filmsequenzen bekommen, daher werden bestimmte Kompositionen verziert mit Kollagen und Montagen aus Filmstills, Stimmungsfotos und anderem Videomaterial illustriert. Beispielsweise werden zur Erkennungsmelodie der US-Fernsehserie „Die Leute von der Shiloh-Ranch“ Ausschnitte aus dem Vorspann zur Serie gezeigt, oder Bilder von Wasserfällen begleiten den Song „Falls“ aus dem Film „The Mission“.

Dirigent Seco achtet darauf, dass die Stimmung der jeweiligen Songs adäquat transportiert wird, denn im Erzeugen von Atmosphären ist Morricone ein wahrhafter Meister – ob bedrohlich, heiter, verträumt oder explosiv. Auch wenn Seco bisweilen Dynamik vermissen lässt und die Blechbläser an manchen Stellen Unschärfen aufzeigen, so ist das klangliche Gesamtbild positiv. Vier Solistinnen verleihen den Vokal-Stücken Format.

Nach der Pause stehen auch aktuellere Kompositionen von Morricone auf dem Plan: „The Hateful 8“ oder „Django Unchained“ sorgen für Dramatik. Ohne Morricones Superhit „Spiel mir das Lied vom Tod“ aus dem Film „Once Upon A Time In the West“ verlässt das große Ensemble natürlich nicht den Saal, und das Publikum klatscht begeistert nach Zugaben.