Ein Artikel der Redaktion

Griesert will Planänderung Bald Häuser auf der Trasse der Westumgehung?

Von Wilfried Hinrichs | 26.05.2014, 20:19 Uhr

Am Tag nach der Entscheidung richtete Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU) den Blick nach vorn: Die Flächen, die im Bebauungsplan für die einst vierspurig geplante Westumgehung reserviert waren, sollen zu Bauland werden.

Zur Pressekonferenz am Montagmorgen im Rathaus hatte Griesert eigens den Bebauungsplan 213 „Finkenhügel“ von 1974 aushängen lassen. Dieser zeigt eine über hundert Meter breite Trasse von der Rheiner Landstraße bis zum Lieneschweg. Hier sollte nach Ideen aus den Siebzigerjahren eine vierspurige Schnellstraße entstehen. Jetzt, nachdem die Bürger auch die kleine Schwester der alten Westumgehung abgelehnt haben und der Straßenbau wohl auf absehbare Zeit undenkbar ist, sollen die Flächen versilbert werden.

Griesert nimmt dabei die Grünen beim Wort. Fraktionschef Michael Hagedorn hatte auf dem Höhepunkt der Diskussion um die Entlastungsstraße vorgeschlagen, die Bebauung dieser Edelgrundstücke in Betracht zu ziehen . Hagedorn zog dabei zehn Jahre Kalkulationen heran, wonach die Flächen einen Wert von 15 Millionen Euro haben dürften.

„Die Flächen sind in Besitz der Stadt. „Es ist naheliegend, jetzt über eine bauliche Verwendung zu sprechen“, sagte Griesert in der Pressekonferenz. Mit den Einnahmen könnte die Stadt unter anderem den Bau der Erschließungsstraße an der ehemaligen Kaserne finanzieren.

Diese 625 Meter lange Erschließungsstraße wird nach vorläufigen Schätzungen 3,4 Millionen Euro kosten. Sie soll den Wohn- und Wissenschaftspark in der ehemaligen Briten-Kaserne an die Natruper Straße anbinden. Der Rat hat den Bau einstimmig beschlossen, aber Form und exakten Verlauf noch nicht bestimmt. Offen ist auch, ob sie an die Sedanstraße angebunden wird.

Nach der Entscheidung vom Sonntag ist auch klar, dass das Quartier am Voßkamp (Ecke Rheiner Landstraße/Am Finkenhügel) eine drei Meter hohe Lärmschutzwand bekommt. Die Kosten werden nach Grieserts Angaben auf die Anlieger umgelegt. Beim Bau der Entlastungsstraße wäre eine vier Meter hohe Wand nötig gewesen. Die Kosten dieses Lärmschutzes hätten nicht die Anlieger, sondern die Steuerzahler tragen müssen.

Die Bürgerinitiative zum Erhalt und zur Pflege des westlichen Naherholungsgebietes (Bepo) rief am Montag CDU und SPD auf, dem Wählerwillen zu entsprechen und die Planungen für die Westumgehung „umgehend einzustellen“. Die Bepo dankte in einer Erklärung den Wählern „für ein klares Votum und das Vertrauen in die Aufklärungskampagne der vergangenen Monate“.

Neues Verkehrskonzept

Prowest, die Bürgerinitiative der Straßenbefürworte r, erinnerte am Montag die Straßengegner an ihr Versprechen, das Verkehrskonzept Westerberg aktualisieren zu wollen. Dieses sehe unter anderem Einbahnstraßenregelungen und eine Sperrung für den Durchgangsverkehr auf den stark belasteten Straßen Gluckstraße/Liensechweg/Mozartstraße und auch auf der Albrechtstraße/Caprivistraße vor, so Prowest-Sprecher Daniel Bugiel. Und weiter: „Bevor also die Pläne für die Entlastungsstraße gänzlich aufgegeben werden und aus den reservierten städtischen Flächen Bauland wird, fordern wir nachdrücklich alle Ratsmitglieder auf, das Konzept umzusetzen und in der Realität zu erproben.“ Die Erschließungsstraße für den Wissenschaftspark werde den Verkehrsdruck zusätzlich erhöhen. Die knappe Entscheidung gegen die Entlastungsstraße dürfe nicht zur Folge haben, dass die Anwohner der heimlichen Westumgehung den wachsenden Verkehr vor ihrer Haustür ertragen müssten.

Grüne und FDP signalisierten ihre Bereitschaft, ein neues Verkehrskonzept voranzutreiben. „Das Votum nehmen wir gern auf, um gemeinsam mit den Bürgern alternative gesamtstädtische Verkehrskonzepte zu erarbeiten“, heißt es in einer Erklärung der FDP. Es müsse das Ziel sein, Emotionen zurückzufahren und ein gutes Konzept auf den Weg zu bringen.

TEASER-FOTO: